Garten- und Blumenkolumne, Pflanzenexperte und Ratgeber
präsentiert von Grünling, unserem Fachmann
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Oktober 2016

 
Löwenzahn (Taraxacum officinale)
26. Oktober 2016: Der Grünling, der spinnt, werden sich jetzt sicher einige denken. Warum berichtet er über den Löwenzahn, wo es doch eigentlich Zeit für Astern ist. (Diese fehlen noch in Gugellandia). Aber Löwenzahn haben wir noch immer reichlich, weil wir hier in Gugellandia täglich für unsere Zwergkaninchen unter anderem auf Löwenzahnblättersuche gehen. Dies ist sozusagen deren Leibspeise. Und oft werde ich gefragt, was es nun mit diesem Kraut auf sich hat.
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Die meisten Gärtner betrachten den Löwenzahn als lästiges Unkraut, dabei ist er in Wirklichkeit ein Wunderkraut. Sicher ist es schon aufgefallen, dass der Löwenzahn besonders hartnäckig ist. Sogar aus den kleinsten Ritzen im Asphalt wächst er und trotzt auch der grössten Sommerhitze.
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Diese Unempfindlichkeit und Lebenskraft überträgt der Löwenzahn auf uns alle, die ihn anzuwenden wissen. Hauptblütezeit ist der April und Mai, seine Blüten trifft man aber auch vereinzelt in den Wintermonaten an. Die Wuchshöhe kann über 30cm betragen und alle Teile enthalten einen weissen Milchsaft. Der Löwenzahn verfügt über eine bis 1 Meter lange Pfahlwurzel. Kappt man diese am oberen Ende, so bilden sich gleich mehrere Pflanzen daraus.
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Die Blüte selber schliesst sich jeweils bei Regen, Trockenheit und auch in der Nacht. Nach der mehrtägigen Blüte schliessen sich die Hüllblätter rundherum, und bei Fruchtreife bildet sich die Pusteblume. Ihre Flugschirme, an deren Enden das Samenkorn ist, werden dann durch den Wind oder auch durch Edi weit verteilt. Es sind dies sogenannte "Schirmflieger".
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Obwohl der Löwenzahn keinen Bestäuber benötigt, produziert er dennoch Nektar. Somit ist er eine wichtige Bienenweide, die der Entwicklung der Bienenvölker im Frühjahr dient. Übrigens muss ein Bienenvolk 100'000 Löwenzahnblütenbesuche durchführen, damit es einen Kilo Honig davon gibt. Auch interessant ist es, zu wissen, dass man aus dem Milchsaft Kautschuk herstellen kann.
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Alles in allem ist der Löwenzahn eine vorzügliche Heil- und Küchenpflanze und besitzt eine ausgeprägte blutreinigende Kraft. Alle Pflanzenteile sind essbar. Die zarten jungen Blätter eignen sich für einen leckeren Salat. Aus den Wurzeln kann man einen Kräuterkaffee herstellen, und aus den Blüten eine Essenz, welche hilft die Muskeln zu entspannen. Bis nächsten Mittwoch, Halloween steht bevor, auch ich hab noch viel zu tun. Euer Grünling
 
Kürbisse (Cucurbita)
19. Oktober 2016: Ursprünglich beheimatet waren die Wildformen der Kürbisse (Cucurbita) ausschliesslich in Amerika. Funde von Samen Domestizierter sind auf 8'000 bis 10'000 vor Chr. zu datieren. Der Gartenkürbis kommt aus Mexiko, der Moschus-Kürbis aus Zentralamerika und der Riesenkürbis aus Südamerika. Mittlerweile sind über 800 verschiedene Arten bekannt. Die Wildform zeichnet sich durch bittere Früchte aus. Durch die Auslese nicht bitterer Formen wurde die Nutzung des Gemüses möglich.
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Der Kürbis ist eine einjährige, niederliegende, mit mehrspaltigen Ranken kletternde oder kriechende, krautige Pflanze. Seine Ranken werden gerne 10 Meter lang, und auch mehr. Die Samen zieht man im Frühling, am besten in Töpfen vor, da der Kürbis frostempfinlich ist. Ab dem 15 Mai kann man die Jungpflanzen problemlos ins Freiland setzen. Die Samen lässt man am besten für 24 Stunden in pfotenwarmen Wasser quellen. Bei konstanten 25 Grad liegt die Keimdauer ca. eine Woche. Aber Achtung: Kürbissetzlinge erfreuen sich höchster Beliebtheit bei Schnecken. Beim Umsetzen ins Freiland ist darauf zu achten, dass die Wurzeln keinenfalls beschädigt werden.
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Danach geht alles ratzfatz. Die Kürbispflanze ist sehr schnell wachsend, benötigt aber einen nährstoffreichen Boden. Das starke Wachstum entzieht dem Boden viele Nährstoffe, so dass der alte Standort vier Jahre Pause benötigt. Am besten gedeiht die Kürbispflanze an einem sonnigen Platz oder auf einem grossen Komposthaufen. Auch benötigt der Kürbis viel Platz, denn im Handumdrehen hat man einen riesigen Blätterwald. Die ersten gelben Blüten bilden sich bereits nach einem Monat, und die ersten Früchte werden angesetzt.
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Möchte man einen besonders grossen Kürbis züchten, ist es ratsam, die seitlichen Triebe immer wieder zu entfernen, damit die volle Kraft in den Kürbis geht. Dieser benötigt sehr viel Wasser. Wenn möglich, nicht auf die Blätter giessen, da diese sehr mehltauanfällig sind. Bei den reifenden Früchten ist es ratsam sie in Stroh einzubetten, da sie gerne von Fäulnis befallen werden.
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Die höchste Reifegrad ist erreicht, wenn sich der Stiel bräunt, das ist meist Ende August. Man sollte darauf achten, dass die Kürbisse mitsamt den Stielansätzen geerntet werden. Auch darf man die Fruchtschale nicht verletzen. So ist die Haltbarkeit für mehrere Monate garantiert. Es gibt auch noch die Zierkürbisse, welche für hübsche Herbstdekorationen geeignet sind. Davon gibt es unzählige interessante, abwechslungsreiche Farben, sowie unregelmässige, fantasievolle Formen.  Die Zierkürbisse selber enthalten allerdings Bitterstoffe und sind nicht für den Verzehr geeignet. Auch nicht für Laura!
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Das Fruchtfleisch ist  in der Küche sehr beliebt. Angefangen von Kürbissuppe über Kürbiskuchen kann man auch Kürbiskernöl herstellen, oder die Kürbiskerne rösten. Die Kerne selber kann man dann nach dem Waschen und Trocknen für die nächstjährige Beflanzung brauchen. In den Kürbis selber werden dann zu Halloween schöne Fratzen geschnitzt. Ach ja, der grösste und schwerste Kürbis hatte ein Gewicht von 1'054 kg. Unser gugelländische Rekord liegt schon ein paar Jahre zurück. Der Kürbis wog 83 Kilo.
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Wenn wir Zeit und Musse finden, probieren wir nächstes Jahr wieder aus, einen Grösseren zu züchten. Vielleicht können wir einen Wettbewerb starten, bei uns lieben alle Gugellandier Kürbisse in jeder Form. Euer Grünling
 
Edelkastanie (Castanea sativa)
12. Oktober 2016: Was so anmutig auf den Bildern aussieht, sind die Blüten der Edelkastanie (Castanea sativa). Hier in Gugellandia sind die Wälder voll mit diesen Bäumen. Der Blattaustrieb erfolgt  Ende April bis Anfang Mai. Die hübschen Blüten erscheinen dann erst im Juni/Juli. Sie hängen in 20 - 25 Zentimeter langen kätzchenähnlichen Blütenständen von den Bäumen.
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Sie werden sowohl von den Insekten als auch durch den Wind bestäubt. Auf die Erklärung, was nun männliche und weibliche Fruchtstände sind, und wie die genaue Besamung erfolgt, darauf möchte ich nicht genauer eingehen, ich bin ja kein Insekt, dies würde hier den Rahmen sprengen.
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Auf alle Fälle folgt bekanntlich nach der Blüte die Fruchtreife, welche hierzulande im Oktober ist. Die Früchte sind von einem stacheligen Fruchtbecher umgeben. Anfangs sind sie grün, dann werden sie braun und fallen aus der Hülle. So zumindest die Theorie. Bei uns in Gugellandia fallen die "Igel" oft noch verschlossen auf den Boden, und man muss mit dicken Krallenschoner die Maronen rausklauben. Die stacheligen Kapselfrüchte enthalten 1 - 3 Samen (Maronen).
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Die Ausbreitung der "Plumpsfrüchte" erfolgt durch die heimischen Eichhörnchen, den Siebenschläfern sowie den Krähen. Die Tiere verstecken die Nahrungsvorräte im Boden. Die vergessenen Früchte treiben dann im Frühling aus. Diese aus Samen auch wild gewachsenen Bäume tragen erstmals etwa nach 20 - 25 Jahren Früchte. 
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Die Esskastanie bevorzugt ozeanische Klimabedinungen und ist wärmeliebend. Sie reagiert empfindlich gegen Spätfröste. Eine verregnete Blütezeit im Juni ist nicht nur ertragsmindernd, sondern auch reifeprozessmässig für die Früchte nicht gut. Übrigens reifen die Früchte ab dem 48 bis 50 Breitegrad nicht mehr, dort dient die Esskastanie vorwiegend als Holzlieferant und wird als Parkbaum gepflanzt. Auch auf die Holzverarbeitung möchte ich nicht genauer eingehen, wir in Gugellandia benötigen die geradlienigen Kastanienbäume für Bauzwecke als auch als gutes Brennholz im Winter.Schneidet man übrigens einen Kastanienbaum ab, so treiben daraus im Folgejahr viele Neue seitwärts raus.
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Die Edelkastanie ist ein gerader und kräftiger Baum. Die Verzweigungen beginnen meist in geringer Höhe. Über 100 Jahre alte Bäume werden oft innen hohl und bilden so gute Versteckmöglichkeiten. In Mitteleuropa werden sie 200 Jahre, in Westeuropa bis zu 1000 Jahre alt. In Sizilien nahe des Ätnas steht ein Baum, welcher auf 2000 - 4000 Jahre geschätzt wird. Er hält auch den Guiness-Rekord, was den Stammumfang betrifft. Er heisst: Kastanienbaum der hundert Pferde und ist 22 Meter hoch. Der besagte Baum stützt sich auf drei einzelne Stämme, der mächtigste hat einen Umfang von 24 Metern, die beiden anderen weisen einen Umfang von 13 und 20 Metern auf. Insgesamt hat er also 57,9 Meter Umfang. 
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Bei uns in Gugellandia hat es ebenfalls sehenswerte und sehr alte Exemplare. Unser, wir sagen ihm Mammutbaum, ist etwa 10 Kraxelminuten von unserem Heim bergtalwärts entfernt und misst einen stolzen Umfang von fast 7 Metern. Es ist schon schwierig den genauen Umfang zu messen, da er in der Mitte eventuell einen noch grösseren Umfang aufweisen kann. Ich habe ihn ganz zu unterst bei dem Wurzelwerk vermessen und bin auf die besagte 7 Meter gekommen. Das Alter lässt sich nur erahnen, aber über 200 Jahre hat dieser sicher schon auf dem Buckel. Einzige Schwierigkeit hier in Gugellandia sind die sehr steilen Wälder. Nichts desto trotz wird jedes Jahr fleissig geerntet. Abschliessend ist noch erwähnenswert, dass die Esskasstanienbäume wesentlich für die Entwicklung von Pilzen beitragen, insbesonders für Eierschwämme und Steinpilze. Das ist aber dann ein anderes Thema.
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Die Kultivierung als Obstbäume dürfte in der Zeit zwischen dem 9. und 7. Jahrhundert vor Chr. erfolgt sein. Schon in der griechischen Antike wurden aus den Maronen schwazes Brot, Mehl und Suppen hergestellt. Sogar die Blätter finden Verwendung. Sowohl als Futter als auch zum Färben von Stoffen. Auch in der Volksmedizin wie zum Beispiel bei Husten werden sie verwendet. Aus den Maronen kann man im übrigen sehr viel herstellen. Der Kastanienhonig ist bernsteinfarben und aromatisch. Am besten ist die Herstellung von Marrons Glaces (Vermicelles), Auch gibt es Maroni in Alkohol eingelegt, Maronencreme, Flocken und Likör. Und natürlich das klassische Maroni-Braten.
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Esskastanien sind sehr schmackhaft. Sie enthalten 39 % Wasser, 43 % Stärke und nur 2,5 % Fett, der Rest ist Schale. Die Lagerung ist sehr schwierig. Wir haben schon alles mögliche probiert. Hierzulande gibt es die sogenannte "Novena". Das heisst, man legt die Maroni während n e u n Tage ins Wasser, bis dahin sollten alle Würmer rausgekrochen, und eine längere Haltbarkeit nach dem Trocken sollte gewährleistet sein. 
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Abschliessend möchte ich noch erwähnen, dass die Esskastanie zu den Buchengewächsen gehört. In Frankreich sind über 700 verschiedene Arten registriert. Die Rosskastanie (Aesculus) gehört zur Familie der Seifenbaumgewächse und ist in keinster Weise mit den Maronen verwandt. Darüber werde ich zu gegebener Zeit ebenfalls ausführlich berichten, mir fehlen aber noch Fotos von mir mit blühenden Exemplaren. Diese Bäume habe ich bereits gepflanzt, sie sind nunmehr 2 jährig. Bis zur nächsten Woche, Euer Grünling
  
Topinambur (Helianthus tuberosus)
05. Oktober 2016: Bei uns in Gugellandia stehen sie jetzt in voller Blüte. Topinambur (Helianthus tuberosus) zählt zur Gattung der Sonnenblumen. Das Gewächs ist mehrjährig und kann bis zu 3 Meter hoch werden. Der Trieb selber ist einjährig und stirbt im Herbst ab. Aus der Knolle selber bilden sich mehrere aufrechte und verzweigte Stängel. Es ist dies eine sogenannte Kurztagspflanze, das heisst im Norden blüht sie erst im Oktober, während sie in Mitteleuropa bereits im August blüht.
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Topinambur wuchert sehr stark. Schon Bruchstücke beim Ausgraben der Knollen reichen, um neu auzutreiben. In Gärten kann sie somit Probleme verursachen, da sie heimische Pflanzen, ja sogar Unkraut, verdrängt. Ehe man es sich versieht, ist der Garten voll mit Topinambur. Deshalb sollte man Wurzelsperren verwenden, um die Verwilderung zu vermeiden. Denn ausser kleinen, harmlosen Wühlmäusen oder etweilig herumstreunenden Wildschweinen hat Topinambur keine Fressfeinde. Die birnenförmigen Knollen werden so gross wie Kartoffeln und ertragen sogar Frost bis zu -30 Grad.
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Ursprünglich kommt Topinambur aus Nordamerika und wurde als wichtiges Nahrungs- und Futtermittel angebaut. Erst Mitte des 18. Jahrhunderts wurde sie durch die ergiebigere Kartoffel verdrängt. Es ist dies eine süsslich schmeckende Knolle, die mühsam zu schälen ist. Man kann sie aber auch roh und ungeschält essen, und sie erinnert geschmacklich an die Artischocke.
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Entfernt man die Blüten, so kann man mit einem 10 -12 prozentigen Mehrertrag rechnen. Aber keinenfalls eine Kürzung der Gesamtpflanze vornehmen, da man sonst eine Ertragsminderung hat. Wie gesagt, es ist dies eine süssliche Alternative zur Kartoffel. Sie enthält keine Stärke, sondern Inolin, und ist daher auch als "Kartoffel der Diabetiker" bekannt. Ausserdem enthält die Knolle viel Eisen und ist sehr sättigend. Wie gesagt, jedem das Seine: Ottilio und Loredana haben  daran ihren Gefallen gefunden, Mauli und Bauli können wieder nach Herzenslust Knollen ausgraben und last but not least, ich, als Grünling, habe meine Freude an der Blütenpracht dieser Pflanze. Bis zum nächsten Mal, heute in einer Woche, Euer Grünling.

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