Garten- und Blumenkolumne, Pflanzenexperte und Ratgeber
präsentiert von Grünling, unserem Fachmann
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Gartenecke: Januar 2017



 
Wacholder (juniperus communis)
25. Januar 2017: Ich war dann schön überrascht. Bei der Ordensverleihung bekam ich den Ehrendoktor verliehen. Ich bleibe aber weiterhin der Grünling und muss nicht mit Dr. angesprochen werden. Geehrt fühle ich mich aber schon. Nun ein anderes Thema: Wacholder (juniperuns communis). Er gehört zur Familie der Zypressengewächse, und es gibt davon etwa 60 Arten. Als ersteres möchte ich etwas ganz Wichtiges klar stellen. Aus botanischer Sicht handelt es sich nicht um Beeren, denn bei Nadelgehölzen gibt es keine Früchte, sondern Zapfen.
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Wacholder sind immergrüne Sträucher oder Bäume. Der grösste ist der Syrische Wacholder, der in der Türkei beheimatet ist, und bis zu 40 Meter hoch werden kann. Auch das Alter aller Wacholderarten ist beachtlich. 800 - 1'000 Jahre ist keine Seltenheit, in Ausnahmefällen können sie sogar bis zu 2'000 Jahre alt werden. Der Wacholder ist sehr anpassungsfähig, er gedeiht von der subtropischen Tundra bis zu Halbwüsten im Süden. Selbst in Bergregionen findet man ihn bis zur Baumgrenze. Er braucht viel Licht, ist wärmeliebend, jedoch auch frosthart.
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Je nach Höhenlage, wo er wächst, entfalten sich unauffällige Blüten (Anfang April bis Anfang Juni). Ausserdem gibt es entweder nur männliche oder weibliche Exemplare. Das nennt man botanisch "Zweihäusig". Im Herbst des zweiten oder dritten Jahres reifen dann die "Zapfen" und können geerntet werden. An einem Busch finden sich also immer sowohl reife Schwarzblaue als auch grüne "Beerenzapfen". Interessant ist auch, dass es ein immer wachsender Baum/Strauch ist. Einige unterentwickelten Nadeln schützen die Triebspitzen, so kann er auch im Winter weiterwachsen. Allerdings nur sehr langsam, normalerweise benötigt der Wacholder 10 Jahre für 1 Meter Wachstum. Wir in Gugellandia haben ( man sieht mich unten im Bild vor einem sehr alten Exemplar) an den Wegrändern sehr viele von diesen, und ich schätze den Grössten von ihnen auf mindestens 100 Jahre.
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Hinweisen muss ich allerdings darauf, dass es auch noch den Sadebaum gibt (auch Stink-Wacholder genannt), der vom Aussehen die gleichen Beerenzapfen trägt und giftig ist. Um Verwechslungen zu vermeiden: Der Sadebaum hat keine stechenden spitzen Nadeln. Beim Zereiben der weichen Nadeln fällt einem der unangenehme Geruch sofort auf, bei uns in Gugellandia gibt es diese aber nicht. Wacholderzapfen werden als Gewürz in der Küche gerne gesehen, Tee daraus gemacht soll Sodbrennen lindern, Wacholderöl soll z.B. bei Muskelentspannungen helfen, und zu guter letzt ist Wacholder ein wichtiger Bestandteil für die Herstellung des Gins. Bei der Vermehrung durch Stecklinge im Spätfrühling nimmt man ein verholztes Stück, befreit es im unteren Teil von den Nadeln, steckt es in lockeres, sandiges Erdgemisch, hält dieses feucht und im Spätsommer ist es bereits angewurzelt und kann ins Freie ausgepflanzt werden.  Ich freue mich schon auf den Frühling.  Euer Grünling
 
diesmal über die Rosengallwespe (Diplolepis rosae) und den Galläpfeln, sowie der Gemeinen Eichengallwespe (Cynips quercusfolii)
18. Januar 2017: Bei der Suche nach Bastelmaterial hat mir Edi schöne Knäuel aus dem Wald gebracht. Wissbegierig, was denn das für Früchte seien, nahm ich diese etwas genauer unter die Lupe. Es handelt sich hierbei nicht um eine Frucht, sondern um bestimmte Auswüchse des Wirtbaumes, hervorgerufen durch die Rosengallwespe (Diplolepsis rosae). Normalerweise, wie schon der Name sagt, sind diese vorallem an den wilden Rosenbüschen zu finden. Bei uns in Gugellandia sind sie zahlreich auf den Eichenbäumen. Diese, nennen wir sie "Knäuel", entstehen durch abgelegte befruchtete Eier der Gallwespe. Das selbe trifft im übrigen auch auf den Gallapfel zu.
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Sowohl die Rosengallwespe als auch die Gemeine Eichgallwespe (Cynips quercusfolii) ist ein etwa 4 mm grosses schwarzes Tier mit rötlichem Unterleib und gelben Flügeln. Ende April /Anfangs Mai legt diese "Wespe" (diese Art sticht nicht und ist völlig ungefährlich) die Eier in die Seitenknospen der vorjährigen Triebe bzw. auf die Unterseite der Eichenblätter. Das führt zu einem übermässigen Wachstum der Knospe, das zur Gallbildung führt. Anfänglich sind die Galläpfel grün, dann gelb und später rötlich. Sie dienen den Larven, welche sich später verpuppen, als Vorratskammer, da diese mit Eiweiss und Öltropfen angereichert ist.
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Beim Sammeln auf den Bäumen kann ich in der kalten Jahreszeit gegen meinen Winterspeck etwas nützliches tun. Das gibt warm, sich an den Ästen hochzuziehen und gleichzeitig auch mal Klimmzüge zu machen. Erwähnenswert ist auch noch, dass aus diesen Gallen eine wertvolle Eisengall-Tinte hergestellt wird. Sie ist absolut lichtecht (bleicht bei starkem Lichteinfluss nicht aus) und wird zur Unterzeichnung von Staatsverträgen genutzt.
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Eine Bekämpfung ist nicht notwendig, es ist eher ein kleiner Schönheitsfehler oder ein optisches Problem. Eine Beeinträchtigung des Triebwachstums wurde bis heute noch nicht festgestellt. Ich persönlich finde beide Arten schön (besonders die Gesammelten von Edi) und auch dekorativ. Bis zum nächsten Mal, Euer Grünling.
 
Feuerdorn (Pyrantha coccinea)
11. Januar 2016: Bei unseren Besorgungen für Ottilios Küche, wenn ihm mal dies oder jenes ausgeht, ist es immer wieder eine willkommene Abwechslung per Pfot ins Dorf zu gehen. Da kommt man bei etlichen Gärten vorbei und so hat es auf dieser Strecke eine wunderschöne Hecke. Es handelt sich dabei um den Feuerdorn (Pyrantha coccinea). Er gehört zur Familie der Rosengewächse. Seine Früchte leuchten schon von weit her. Sie fallen nämlich nicht ab (Wintersteher) und sind gleichzeitig für viele Vogelarten eine wertvolle Nahrung in der kalten Jahreszeit.
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Der Feuerdorn kann gut und gerne über zwei Meter hoch werden. Seine Besonderheit ist, dass er ein dorniges Ziergehölz ist, und mit seinem dichten Laubwerk einen willkommenen Schutz für Vögel bietet, weil er undurchdringlich ist. So sind sie beim Nestbau vor etwaigen Räubern, wie Katzen oder Marder, bestens geschützt. Der Feuerdorn ist im übrigen ein nie schlafender Busch. Im Frühling glänzt er durch seine üppige und schneeweisse Blütenpracht, die bis in den Juni hinein für viele Insekten Nahrung bildet. Im Spätsommer verwandeln sich die Blüten in eine Vielzahl orangegelber Kugelfrüchten in Erbsengrösse, die an kleine Äpfel erinnern.
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Der Feuerdorn ist pflegeleicht, schnittverträglich, sehr robust und vor allem frosttolerant. Er eignet sich besonders gut als Heckenpflanze, verträgt auch innerstädtisches Klima, und übersteht Hitzeperioden und Trockenheit. Selbst im Winter trägt der immergrüne Feuerdorn noch eine Vielzahl an Früchten.
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Aus den Beeren kann man auch Marmelade herstellen. Zu achten ist allerdings, dass die Samen entfernt werden müssen, da diese leicht giftig sind. Die Herstellung dafür dürfte allerdings etwas schwierig sein. Der Feuerdorn bildet also eine optisch herausragende, faszinierende Pflanze, schon darum lohnt es sich, des öfteren im Dorf Besorgungen zu machen. Derzeit bin ich aber mehrheitlich in der warmen Stube anzutreffen, da es dieses Jahr ziemlich kalt draussen ist. Euer Grünling
 
Fleischfressende Pflanzen (Karnivoren oder Insektivoren)
04. Januar 2017: Oh, da komme ich mal wieder ins Schwärmen. Über 1'000 verschiedene Arten sind bekannt, wovon nur 15 davon heimisch im europäischen Raum sind. So leben in unseren Breiten verschiedene Sonnentau-Arten (Drosera) und Fettkraut-Arten (Pinuicula vulgaris). In der Regel besteht die Beute aus kleinen Insekten, wie Mücken, Ameisen und Fliegen. In den tropischen Gebieten gibt es sogar grössere Kannenpflanzen, welche auch kleine Säugetiere (Nagetiere) oder Frösche fangen und verdauen können.
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fleischfressende Pflanzen
Sämtliche fleischfressenden Pflanzen wachsen an nährstoffarmen Standorten auf feuchtem Boden. Zudem benötigen sie eine hohe Luftfeuchtigkeit von über 70% und viel Sonnenlicht. Der Nährstoffbedarf erfolgt über die Fangblätter und nicht über die Wurzeln. Deshalb sind sie widerstandsfähig gegen ungünstige Bodenbedinungen. Dadurch haben sich diese Pflanzen durch die Evolution das mit dem Verdauungsmechanismus einfallen lassen. In der Regel wachsen sie auch sehr langsam. Die Vermehrung erfolgt meist wie bei anderen Pflanzen durch ihre Blüten, welche bestäubt werden und so wiederum Samen für die nächste Generation bilden.
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Man unterscheidet fünf verschiedene Fallentypen:
1. Klebefallen: Das Insekt wird durch das duftende Sekret angelockt und bleibt daran haften.
2.Klappfallen: dafür ist die Venusfliegenfalle (Dionaca muscipula) bekannt. Das Insekt wird durch die Schliessbewegung zweier Blatthälften gefangen. Die Klappe öffnet sich ungefähr nach 8 Tagen wieder und gibt die unverdauten Reste ihres Opfers wieder frei. Aber Achtung: Nicht mit dem Finger oder den Pfoten berühren, da eine Venusfliegenfallenklappe höchstens siebenmal zuklappen kann, danach ist das Blatt erschöpft und stirbt ab.
3.Saugfallen: funktioniert nur unter Wasser oder unter der Erde
4. Fallgrubenfallen: dies sind mehrheitlich Kannenpflanzen (Nepenthes). Die Kannen bilden einen Hohlraum, in den das Insekt hineinfällt und nicht mehr herauskommt.
5. Reusenfallen: z.B. Die Papageien-Schlauchpflanze (Sarracenia psittacina). Das Insekt wird durch Lockstoffe ins Fallinnere gelockt. Eine Umkehr wird durch die Sperrhaare unmöglich gemacht.
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Generell ist noch erwähnenswert, dass sich diese Pflanzen auch auf der Fensterbank wohl fühlen. Keinesfalls über einen Heizkörper stellen, nie austrockenen lassen und regelmässig von oben besprühen. Niemals kalkhaltiges Wasser verwenden, da dies die Todesursache Nr. 1 für diese Pflanzen bedeutet. Niemals düngen. Am besten geeignet ist eine nährstoffarme Erde, am besten eine Mischung aus Hochmoortorf und Quarzsand. Immer nur Regenwasser oder destilliertes Wasser geben! Dann hat man für viele Jahre Freude an dieser interessanten Pflanze.
Die beiden Schlussbilder zeigen mich in unserem Winterquartier und draussen unsere Barbarazweige, welche jetzt in voller Blüte stehen. Ich wünsche allen Garten- Pflanzen- und Blumenliebhabern ein schönes neues 2017. Euer Grünling

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