Garten- und Blumenkolumne, Pflanzenexperte und Ratgeber
präsentiert von Grünling, unserem Fachmann
Pilze

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Gartenecke: April 2017





 
 Habichtskraut (Hieracium)
26. April 2017: Bei uns in Gugellandia, besonders in den Wäldern, ist es derzeit mit seinem leuchtenden Gelb überall zu finden. Beim Habichtskraut handelt es sich um eine Pflanze, wovon es etwa 1'000 Arten mit zahlreichen Unterarten gibt. Allein in Deutschland gibt es über 180 bekannte wildwachsende Arten davon. Die genaue Bestimmung ist nicht ganz einfach, man unterscheidet aber zwei wichtige Arten. Einerseits das kleine Habichtskraut (Hieracium pilosella), auch Mausohr genannt, und das gewöhnlichen Habichtskraut (Hieracium lachenalii). Unter den zahlreichen Sorten gibt es dann sogar noch das orangerote Habichtskraut. Was alle gemeinsam haben, ist die löwenzahnähnliche Blüte.
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Das winterfeste und mehrjährige Kraut hat immergrüne Grundblätter, welche schmal, eiförmig bis lanzettlich, stumpflich oder spitz, am Rand grob gezähnt, graugrün bis hellgrün, unterseits oft weinrot und oberseits gefleckt oder ungefleckt sind. Die Blütezeit erstreckt sich von April bis August. Der Unterschied zwischen echtem und gewöhnlichen Habichtskraut ist schnell erklärt. Das echte Habichtskraut bringt stets wie der Löwenzahn einen Blütenstand hervor, während das Gewöhnliche meist zwei bis zehn Blütenäste mit bis zu fünfundzwanzig Köpfchen vorweist. Das gewöhnliche Habichtskraut liebt den Halbschatten, wächst einzeln oder herdenweise, teilweise auf steinigen Lehmböden, und vor allem in Eichenwäldern. Die Blütenstängel werden bis zu 60 cm hoch.
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Das gewöhnliche Habichtskraut wächst auch gerne an Strassenrändern sowie Bahnanlagen und hat eine extrem lange Blütenzeit. Es eignet sich hervorragend auch für Steingärten sowie als Balkonpflanze in Kübeln. Es ist extrem pflegeleicht, beansprucht keinerlei gärtnerischen Fähigkeiten, auch braucht man es nicht zu giessen oder zu düngen, es wächst und blüht im Einklang der Natur. Das Habichtskraut besitzt Pfahlwurzeln, die aber nicht so tiefgründig wie der Löwenzahn sind. Die Kräuter wachsen auch auf hohen Felsen, die nur von Habichten erreichbar sind. Der Sage nach sollen Habichte (deshalb auch die Namensgebung) mit dem Milchsaft ihre Augen schärfen.
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Die Blütenstände des kleinen Habichtskrautes werden nur bis zu 30 cm hoch. Bei Trockenheit werden die Blätter eingerollt. Nach der Blüte bilden sich kleine Pusteblumen, und als Schirmflieger haben sie die Möglichkeit, Flugweiten bis zu 10 km zurückzulegen. Es wächst im gesamten europäischen Raum und ist sogar in Höhenlagen von 3'000 Metern über dem Meer anzutreffen. Die Grundblätter sind unterseits weissfilzig mit vereinzelten Borsten auf der Blattoberseite. Das Habichtskraut wird ausserdem über das Internet als Canabis-Ersatz angepriesen. Da es überall wuchert, und man es selbst anpflanzen kann, ist ein Verbot ausgeschlossen. Der Geschmack sei allerdings gewöhnungsbedürftig und auch die Wirkung soll nicht so stark sein.
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Abschliessend will ich Euch noch den Erfolg meiner Lavendelplantage zeigen. Vor zwei Jahren um die selbe Zeit hatte ich kleine, von mir vorgezogene Stecklinge in einer Reihe gesetzt. Ich berichtete darüber. Jetzt überragen sie mich bereits. Die Buschbohnen schiessen aus der Erde, die Kürbiskerne haben gekeimt und warten auf das Umpflanzen. Und natürlich werden die Radieschen fast täglich auf ihre Grösse kontrolliert. Allen Garten- und Blumenfreunden wünsche ich eine schöne letzte Aprilwoche, wir sehen uns heute in einer Woche, dann schreiben wir schon den Wonnemonat Mai. Euer Grünling
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Hahnenfuss (Ranunculus arvensis) und Gänsedistel (Sonchus)
19. April 2017: Überall leuchtet es jetzt gelb in den Wiesen. Es handelt sich dabei um den Hahnenfuss (Ranuneulus arvensis). Von den Hahnenfussgewächsen gibt es über 600 verschiedene Arten, die weltweit vorkommen. Ihre Gemeinsamkeit ist, dass alle giftig sind. Über 60 Arten sind davon in Mitteleuropa beheimatet, wobei nicht alle gelb blühen. Der Alpenhahnenfuss trägt zum Beispiel weisse Blüten, der asiatische Hahnenfuss ist sogar rot blühend und ähnelt im Aussehen einer Mohnblume. Der Name bezieht sich auf die hahnenfussähnlichen Blätter. Der botanische Name leitet sich übrigens (ranunculus) von "Fröschlein" ab, da viele Arten an feuchten Standorten gedeihen, dort wo auch Frösche leben, sowie wegen ihrer Kaulquappenähnlichen Früchte. 
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Wie gesagt, Schönheit schützt nicht vor Giftigkeit. Der Hahnenfuss wird auch vom weidenden Vieh gemieden, da er einen beissend scharfen Geschmack hat. Die Giftstoffe werden jedoch durch das Trocknen abgebaut, so dass das Heu, welches Hahnenfuss enthält unschädlich wird. Blütezeit ist von April bis in den September hinein. Wunderschön sind die goldgelben Blüten mit ihren 5 Blütenblättern.
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Nun aber zu einer anderen derzeit blühenden Pflanze, deren Blüten denen des Löwenzahn sehr ähnlich sind. Es handel sich dabei um die Gänsedistel (Sonchus). Sie ist in ganz Europa , sowie in Nordafrika und Asien beheimatet. Sie ist eine wichtige Heil- und Gemüsepflanze, und wurde im Mittelalter vielfach angebaut. Alle Pflanzenteile enthalten Milchsaft, der zugleich auch sehr gesund ist. Die Laubblätter sind am Rand bortig-stachelig, sind aber nicht hart, wie bei einer Distel, so dass man die Pflanze mit blossen Händen / Pfoten anfassen und ernten kann.
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Die Gänsedistel ist sehr schnell wachsend und kann bis zu 1,5 Meter hoch werden. Sie wächst auch gerne in Gärten, wo sie als Unkraut angesehen wird, und fast nicht zu bekämpfen ist, da die Wurzeln bis zu einem Meter lang werden. Alle Pflanzenteile, ebenso die fasrigen Wurzeln sind essbar. Gekocht ähnelt das Aroma des dem Mangoldes. Sie ist äusserst schmack- und nahrhaft, und eignet sich bestens als Salat. Gegebenenfalls entfernt man die Stacheln der Blätter mit der Schere. Die Gänsedistel ernet man von April bis zum ersten Frost (oft bis Dezember). Dieses Wildgemüse steht uns folglich während 8 - 9 Monaten zur Verfügung.
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Knoblauchrauke (Alliaria petiolada) und Zitronenmelisse (Melissa Officinalis)
12. April 2017: Nach langen Überredungskünsten konnten wir Gugel endlich überzeugen, seine Pilzkolumne zu eröffnen. Er kennt fast jeden Pilz. So gab er uns ja in den letzten Jahren Pilzunterricht, und wird uns in Zukunft sein Wissen darüber mitteilen. Natürlich nur zeitgemäss und sofern es in den gugelländischen Wäldern welche zu finden gibt. Seine Beiträge erscheinen also nicht wöchentlich. Nun aber ein klein wenig Wissen über die Knoblauchrauke (Alliaria petiolada).  Sie gehört zur Familie der  Kreuzblütengewächse. Der Name  bezieht sich auf den Knoblauchduft, welcher beim Zerreiben der Blätter entsteht.
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SIe ist eine zwei- bis mehrjährige Pflanze, welche gut einen Meter hoch werden kann. Sie besitzt eine lange Pfahlwurzel und der Stiel ist im unteren Bereich leicht behaart. Die Blätter selbst weisen eine herzförmige (mit einem gekerbten Rand) Form auf. Sie hat kleine weisse Blüten (April bis Juli). Der befruchtete Fruchtknoten entwickelt sich später dann zu einer Schote, worin sechs bis acht Samen sind. Bei Regen verschleimen die Samen und bleiben im Fell vorbeistreifender Tiere haften. So können sie sich über grössere Distanzen weiter vermehren. Die vegetative Vermehrung wird übrigens durch Ausläufer und Wurzelsprossen sichergestellt.
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Die Knoblauchrauke ist ein Stickstoffzeiger und häufig in Gesellschaft von Brennesseln anzutreffen. Sie ist im übrigen die älteste bekannte Gewürzpflanze (schon vor 6'000 Jahren benutzte man sie). Die Samen selber sind Kaltkeimer und benötigen zu Beginn Frost. Bis die ersten Keimlinge erscheinen kann es durchaus etwas dauern. Wer im Garten über einen grösseren Baumbestand verfügt, sollte bei grossflächigen Anpflanzen Vorsicht walten lassen. Alle Bäume gehen nämlich eine Symbiose mit "Mykorrhizepilzen" ein, welche die Knoblauchrauke zerstört, und so unter Umständen zu Schäden am Baumbestand führen kann. Eine weiter Eigenschaft ist, dass sie von ihren Wurzeln ein Sekret absondert und andere Pflanzen von sich ferne hält.
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Die Knoblauchrauke ist hierzulande in Gugellandia der Ersatz von Bärlauch (der fehlt hier in den Wäldern). Noch kräftiger im Geschmack als die Blätter, sind die Samen und die Wurzeln. Positiv ist auch, dass man nach dem Genuss nicht stinkt. Die Verwendungsmöglichkeiten sind fast unbegrenzt (Kräuterbutter, Kräuterpesto etc.), man sollte sie aber immer roh geniessen, da durch Erhitzen das eigentliche Aroma verloren geht.
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Was jetzt in Hülle und Fülle ebenfalls zu finden ist, ist die Zitronenmelisse (Melissa Officinalis). Sie gehört zur Familie der Lippenblüter, ist mehrjährig und wird 25 - 30 Jahre alt. Ihre Blätter duften nach Zitrone, die Pflanze selber kann bis zu 120 cm hoch werden. Die Blütezeit ist Anfang Juni bis Ende August. Es sind dies kleine Blüten, welche zu Beginn blassgelb, später weiss bis rötlich sind. Nach der Blüte bilden sich kleine eiförmige Nussfrüchte, welche die Samen enthalten. Für die Keimtemperatur sind allerdings 20 Grad erforderlich. Einfacher ist die Vermehrung durch Stecklinge, oder das Teilen des Wurzelstockes. Mittels unterirdischer Ausläufer kann sich die Pflanze leicht ausbreiten.
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Die Zitronenmelisse gedeiht am besten an halbschattigen Plätzen. Sie ist sehr wachstumsfreudig und kann bis zu drei Mal im Jahr kräftig gestutzt werden. Sie treibt immer wieder von Neuem aus. Die Blätter eignen sich auch sehr gut zum trocknen. Einfach einen Strauss pflücken, zusammenbinden und kopfüber trocknen lassen. Sie ist eine wichtige Gewürz- und Arzneipflanze. So, nun wünsche ich allen ein frohes Osterfest, Euer Grünling.

 
Tulpen (Tulipa)
05. April 2017: Endlich ist es so weit. Ich wollte ja schon lange über die Tulpen (Tulipa) ein wenig berichten. Sie gehören zur Pflanzengattung der Familie der Liliengewächse. Etwa 150 verschiedene Arten leben in der freien Wildbahn. Beheimatet sind sie in Südeuropa, Nordafrika und Zentralasien. Mittlerweile gibt es etliche tausend verschiedene Zuchtformen. Es gibt sie in der Wuchshöhe von 5 cm bis zu langstieligen, die über einen Meter hoch werden. Auch die Blütenfarbe variiert von weiss, gelb, orange, rosa, rot bis zu blau und sogar schwarz hin. Entweder einfarbig oder gestreift, mit glatten oder ausgefransten Blütenrand.
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Im 16. Jahrhundert gelangten erstmals die Tulpen aus der Türkei nach Europa. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts wurde Holland zum Zentrum der Zwiebelpflanzen, insbesonders der Tulpen-Zucht. Aus den Wildtulpen wurden Gartentulpen gezüchtet. Es entstand eine Vielzahl von Sorten, darunter solche mit gefüllten oder mit verschiedenen Farbtönen besetzte Blüten, was ursprünglich durch eine Viruserkrankung bedingt war. Die Tulpen seinerzeit wurden zu einem Spekulationsobjekt, es entstand die sogenannte Tulpenmania, welche nach dem Börsenkrach den Handelswert von Tulpen wieder normalisierte.
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In der Heilkunde und auch im medizinischen Bereich spielt die Tulpe allerdings keine Rolle. Sie sind sogar giftig. Tulpenzwiebeln benötigen zur Blütenbildung die Kühlphase des Winters, und im Frühling treiben zuerst die Blätter aus. Je nach Lage bilden sich dann bereits gegen Ende März die ersten Blütenknospen. Die Blüten öffnen sich mit zunehmender Blütedauer, bis sie schlussendlich abfallen und nur noch ein grosser Stempel mit den Staubblättern zu sehen ist. Es ist ratsam diese abzuschneiden, so verhindert man die Samenbildung und sorgt gleichzeitig dafür, dass die Reservestoffe in die Zwiebel gelangen. Die Blätter allerdings unbedingt bis zur vollständigen Verwelkung stehen lassen, da die Zwiebel daraus Kraft tankt.
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Im Sommer dann wachsen an der Mutterzwiebel sogenannte Tochterzwiebeln heran. Im Frühherbst kann man sie dann ausgraben oder abtrennen. Dadurch werden sie nach der Neubepflanzung zu grossen Zwiebeln, die dann im folgenden Jahr mit etwas Glück blühen werden. Will man Vermehrung durch Samen machen, so lässt man die Tulpe nach dem Verblühen stehen. Es wird dann eine walzenförmige, dreiflügelige Kapselfrucht gebildet, worin die Samen enthalten sind. Die Aussaat ist allerdings sehr langwierig, da die ersten Blüten frühestens im dritten Jahr zu erwarten sind. Ausserdem besitzen die Samen andere Eigenschaften ( z.B. Blütenfarbe und Form) als die Mutterpflanze.
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Der grösste Feind der Tulpen ist übrigens die Wühlmaus, denn die Zwiebeln stehen an oberster Stelle ihres Speiseplans. Nun noch mein persönlicher Tipp für die Blumenvase: Die Stiele sind mit einem scharfen Messer anzuschneiden. Keinenfalls die Schere dafür benutzen, da die Leitbahnen im Stiel quetschen und so die Wasserversorgung behindern. Das Tulpenwasser, wenn es bräunlich wird, nicht komlett austauschen, denn frisches Vasenwasser wirkt wie ein Energieschub und die Pflanze blüht stärker und verblüht auch schneller. Und dann auch nicht an einen zu warmen Ort stellen. Die Stiele, sofern man dafür Zeit hat, sind ebenfalls, sobald sie bräunlich werden, wieder erneut mit dem Messer anzuschneiden. Eine längere Blütenpracht ist dann gewiss.
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Ansonsten herrscht derzeit Hochsaison, was das Pflanzen und Säen anbetrifft. Die Wickensamen sind ausgestreut, die ersten Radieschenblätter lassen sich bereits blicken, die Buschbohnen sind unterm Boden und die selbst gezogenen Sonnenblumenkeimlinge wurden bereits gesetzt. Ich wünsche allen Freunden eine schöne sonnendurchflutete Woche, Euer Grünling


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