Garten- und Blumenkolumne, Pflanzenexperte und Ratgeber
präsentiert von Grünling, unserem Fachmann
Pilze

Jahr
Monat
Monat
Monat
Monat
Monat

Gartenecke: August 2017




 
 Traubenkropf - Leimkraut (Silene vulgaris) und weisse Lichtnelke (Silene latifolia)
30. August 2017: Das Leimkraut umfasst etwa 650 Arten, welches auf der Nordhalbkugel verbreitet ist und gehört zur Familie der Nelkengewächse. Es gibt aber auch Arten, die in Afrika und Südamerika wachsen und gedeihen. In China kommen über 100 Arten vor, viele davon in Höhenlagen von 5'000 Metern und auch höher. Interessant sind auch die verschiedenen Blütenfarben, rosarot, leuchtend rot, violett, orange, gelb, weiss-rot gemustert, sowie die verschiedenen Formen, wie sternförmig oder stängellos. Bei uns in Gugellandia sind erst wenige Exemplar gesichtet worden. Das hat wohl damit zu tun, dass wir hier keine Schwermetalle haben. Edi und ich haben aber unten im Tal direkt neben der Strasse das sogenannte Traubenkropf-Leimkraut (Silene vulgaris) entdeckt.
leimkraut
leimkrautblüten
ltraubenlropf-leimkraut
leimkraut
Es ist dies nämlich eine Metall-Zeigepflanze, da sie grössere Mengen an Schwermetall, insbesonders Zink aufnehmen kann. Diese mehrjährige Pflanze besitzt ein Wurzelwerk, welches bis 2 Meter tief in den Boden eindringt, aber sie wird nur etwa 50 cm hoch. Die Blütezeit ist von Mai bis September. Das Leimkraut liebt die pralle Sonne und braucht wenig Wasser. Die unermüdliche Pflanze blüht auch nachts. Sie ist eine wichtige Futterpflanze für Nachtfalter, und nicht zu vergessen, das Leimkraut unterstützt dadurch auch die Fledermäuse. Auffälligerweise blicken alle Blüten einer Pflanze meist in eine Richtung.
leimkraut
leimkraut
leimkraut
leimkraut
Nicht zu verwechseln sind die aufgeblasenen kugeligen weissen Blüten. Der Nektar befindet sich sehr tief in der Blüte. Grössere Insekten, wie Hummeln beissen daher in das Ende der Kapselfrucht, um an den Nektar zu kommen. Unser Edi ist von dieser Blüte begeistert. Pflückt man eine solche, schliesst ihren Kopf und klopft sie wie einen aufgeblasenen Papiersack, an den Pfoten, so gibt es einen Knall. Ein lustiges Spiel. Junge Triebe vor der Blüte eignen sich als Gemüse und man kann sie roh in den Salat geben. Früher wurden aus den Wurzeln Seifenlauge gekocht. Die Vermehrung ist auch hier denkbar einfach, entweder die Samen aus der Kapselfrucht verstreuen, oder auch durch Verzweigung der Wurzeln und durch Ableger. 
leimkraut
leimkraut
esstrauben
pinien
Und dann gibt es noch die weisse Lichtnelke(Silene latifolia). Die Blüten sehen gleich aus wie die des Traubenkropf-Leimkrautes. Der Unterschied besteht darin, dass die Stängel behaart sind und die Blütezeit erst gegen Abend beginnt. Dann strömen sie einen für die Nachtfalter herrlichen Duft aus. Es ist aber ebenso ein Leimkraut.
mimose
pfisich
giessen
kakteen
Und was tut man als Gärtner in Gugellandia? Die Esstrauben sind reif, meine Pinienbäume wachsen, unser Silber-Akazienbäumchen ("Mimose") zeigt seine Blütenknospen, die sich bereits im Januar öffnen sollten. Die Pfisiche bekommen schön langsam Farbe, und ansonsten heisst es giessen, giessen, und bewässern. Und unserem Kaktusgarten gefällt das Klima, heiss und trocken, kein Wasser, und sie wachsen unaufhörlich. Euer Grünling

 
 Malve (Malva) und Pfingstnelke (Dianthus gratianopolitanus)
23. August 2017: Jetzt stehen sie voll in Blüte, die Malven (Malva), auch unter den Namen Käse- Hasen- Gänse- Ross- Pappel- und Krallenblume bekannt. Sie sind wildwachsend in Eurasien und Nordafrika verbreitet, und es gibt davon etwa 25 Arten. Man unterscheidet dabei die Stauden- Rosen- Schön- Strauch- Becher- Baum- Moschus- und Wegmalve. Bei uns und unten im Tal ist die Wegmalve wildwachsend, wovon diese nur etwa 60 cm hoch wird. Dagegen schafft es die Schönmalve auf über 3 Meter. 
malven
malven2
malven
malven
Durch Züchtungen gibt es mittlerweile unzählige Grössen- und Blütenvielfalt. Besonders beliebt ist der Malvenblütentee, der erstens schmackhaft und gleichzeitig auch ein Heilmittel gegen Husten ist. Schon 700 vor Christus wurde die wilde Malve vom Dichter "Hesiod" erwähnt. Alle Teile des Krautes, wie Blüten, Samen, Blätter und Wurzeln, sind geeignet für Gemüse und werden in der Küche gebraucht. Manche Arten verwendet man wegen ihres Aromas für Kosmetikartikel.
malven
malven
malven
malven
Die Blütezeit ist von Mai bis in den Oktober hinein. Die etwa 12 Samen je Blüte reifen in sogenannten Spaltfrüchten, und sogar die unreifen Samen kann man knabbern. Hauptsächlich wächst die wilde Malve an Wegrändern und Wiesen, ist mehrjährig, und liebt die Sonne. Einziger Feind ist der Malvenrost. Dabei handelt es sich um einen Pilz, der sich durch rötliche braune Flecken auf den Blättern bemerkbar macht. Dieser Pilz wird meistens durch Staunässe hervorgerufen.
malven
malven
malven
malven
Was derzeit bei unserer Trockenheit ebenfalls blüht, ist die Pfingstnelke (Dianthus gratianopolitanus). Die rosafarbenen bis hellroten Kronblätter sind gezähnt und am Schlund behaart. Sie ist dem trockenen und heissen Klima bei uns bestens angepasst und wächst vor allem auf Felsen und trockenen Felsspalten sowie auf Steppenweiden und in Kieferwäldern. Die Blütezeit ist normalerweise Mai bis Juni, bei uns in den gugelländischen Wäldern blüht sie von Juni bis Oktober.
pfingstnelken
pfingstnelke
pfingstnelke
pfingstnelke
Die Besonderheit dieser Pflanze ist, dass sie nur wenige Zentimeter lange Wurzeln hat und daher auf flachgründigen Boden wachsen kann. In Deutschland steht sie unter Naturschutz.

 
 Gemeiner Beifuss, auch wilder Wermut genannt (Artemisia vulgaris)
16. August 2017: Diesmal geht es um ein sehr bedeutendes, seit über 10'000 Jahren vom Menschen geschätztes Heilkraut, nämlich dem gemeinen Beifuss (Artemisia vulgaris). Im Volksmund auch Besenkraut, Fliegenkraut, Gänsekraut, Wilder Wermut oder Wirsch genannt. Diese mehrjährige  Pflanze gehört zu den Asterngewächsen und wird über 2 Meter hoch. Die Stängel sind längsgesteift und seine Wurzeln wachsen bis zu 160 cm tief in den Boden. Er blüht schon im ersten Lebensjahr und die Blütezeit ist von Juli bis September, aber leider ist er auch Auslöser für den Heuschnupfen.
beifuss
gemeiner beifuss
wilder Wermut
beifuss
Die endständigen unscheinbaren Blütenstände sind anfangs weisslich-grau, später gelblich, zartrosa und rotbraun. Pro Jahr kann eine einzige Pflanze bis zu 500'000 "Früchte" produzieren, die Samen sind langlebige Lichtkeimer. Die der Blüte umgebenen Hüllblätter haben eine filzige Behaarung. Sobald sich die Blütenknospen der Triebspitzen öffnen, werden die Blätter bitter und eignen sich weniger zum würzen. Vielen ist das Kraut bei der Zubereitung von der Weihnachtsgans bekannt, da es zum würzen von fettigen Speisen bestens geeignet ist. Mancherorts wird es sogar in den Kräuterregalen angeboten.
beifuss
beifuss
beifuss
beifuss
Der professionelle Anbau zur Gewinnung von Öl für die Parfümindustrie findet in Algerien, Marokko, Asien und Südeuropa statt. Das wildwachsende Kraut ist sowohl in Nordamerika, einschliesslich Alaska, bis nach Mexiko, sowie in den europäischen Ländern und in Zentralafrika beheimatet. Grundsätzlich ist es auf trockene Standorte spezialisiert,  braucht wenig Wasser, und wächst sowohl an sonniger als auch halbschattiger Lage.
beifuss
beifuss
beifuss
beifuss
Zum Trocknen und als Gewürz, welches einen etwas bitteren Geschmack hat, ist es bestens geeignet. Man sollte aber, wie bei allem nicht übertreiben, da es Spuren von Thujon enthält. Es ist dies auch eine wichtige Ritualpflanze, kein Schamane oder Heiler kam ohne sie aus. Ausserdem enthält der Beifuss Artemisinin (0,09%). Dieser Wirkstoff beschäftigt derzeit Forscher auf der ganzen Welt, da es eine Anti-Malaria-Wirkung besitzt, und sehr hilfreich gegen diese in den Tropen verbreitete Krankheit wäre. Eine sehr interessante Pflanze.
beifuss
beifuss
abgefressene tomatenstöcke
aufpasser
Zum Schluss noch in eigener Sache. Im Frühjahr konnten wir ein ganzes Feld mit Sonnenblumen setzen. Die Vögel erfreuen sich nun an den Kernen und es ist eine wahre Freude, den kleinen Piepmätzen zuzusehen. Auch hatten wir über 100 selbstgezogene Tomatenstöcke an diversen Orten gesetzt und auch fleissig bewässert. Bei unserer grossen Trockenheit derzeit, haben nun die Wildtiere aus dem Wald, sprich Rehe, diese Leckerbissen entdeckt. Folgedessen fällt unsere Ernte diesmal etwas geringer aus. Frech hat nun sein Nachtlager inmitten der Tomatenstöcke aufgeschlagen. Ob er wohl das Gemüse beschützen will oder auf was anderes wartet, können wir uns denken.
 Liebste Grüsse an alle, Euer Grünling

 
 Schmerwurz (Dioscorea communis) und Schneebeere (Symphoricarpos albus)
09. August 2017: Die Schmerwurz (Dioscorea communis) wird auch Feuerwurz, Stickwurz und Schmerzwurz genannt. Bei uns in Gugellandia, wie auch anderswo wächst sie an den Rändern von Laubwäldern, sowie in Hecken und Gebüschen. Sie gehört zu den Yamswurzelgewächsen und ist giftig. Es ist dies eine rechtswindende mehrjährige Kletterpflanze, deren Stängel bis zu 4 Meter lang werden.
schmerwurz
schmerwurz
schmerwurz
schmerwurz
Die Blätter sind herzförmig, und die Blütezeit ist von Mai bis Juni. Die Blütenstände wachsen in Trauben und sind klein, unauffällig und gelblichgrün. Die Beeren werden bis zu 1 cm gross, sind anfänglich grün und später scharlachrot gefärbt. Eine interessante Pflanze, aber alle Teile, insbesondere die Wurzel und die Früchte sind giftig und scharf schmeckend.
schmerwurz
schmerwurz6
schmerwurz
schmerwurz
Und dann gibt es hier in Gugellandia auch noch die wildwachsende Schneebeere (Symphoricarpos albus), die eigentlich hier im Mittelmeerraum nicht anzutreffen ist. Ursprünglich ist sie in Nordamerika heimisch. In Europa wird sie als Ziergehölz angepflanzt. Wegen des Geräusches beim Zerdrücken der Früchte wird sie auch Knallerbse genannt.
schneebeere
schneebeere
schneebeere
schneebeere
Die Schneebeere gehört zur Familie der Geissblattgewächse, und alle Teile davon sind ebenfalls giftig. Sie wird bis zu 2 Meter breit und hoch. An den Enden der unterirdischen Spross-Ausläufern wachsen neue Schösslinge empor. Die Pflanze besitzt zudem auch sogenannte "Adventivwurzeln" im oberen Drittel des Busches. Die abgebrochenen und bis zum Boden reichenden Äste können somit zu einer Bewurzelung neuer Pflanzen führen.
schneebeere
schneebeere
schneebeere
schneebeere
Die Blüten sind glockenförmig, fünfzählig und rosa und erscheinen von Juni bis September. Die Früchte sind weiss, fast kugelig, reifen von Juni bis Oktober, und bleiben bis in den Winter hinein am Strauch. Mittlerweile gibt es 17 Arten, wovon etliche Hybriden korallenrote und auch rosafarbene Früchte tragen. Die Indianer nutzten die Beeren als Haarshampoo. Obwohl die Früchte Wintersteher sind, werden sie als Futter für die Wildtiere und Vögel nur wenig angenommen. Das hat wohl mit der Giftigkeit zu tun. Aber schön sind sie. Euer Grünling


 
 roter Gauchheil (Anagallis arvensis) / blauer Gauchheil (Anagallis foemina)
Engelwurz (Angelica archangelica)
02. August 2017: Der einjährige Gauchheil gehört zur Familie der Primelgewächse, und seine Wuchshöhe ist nur 3-5 cm. Die niederliegenden Stängel erreichen aber eine Länge von bis zu 30 cm. Die Blütezeit erstreckt sich von Mai bis in den Oktober hinein. Er wächst vorwiegend in Getreideäckern und in Gärten. Durch Züchtungen gibt es davon mittlerweile über 30 verschiedene Arten. Die Blüten sind sehr lichtempfindlich, schliessen sich bei herankommendem Unwetter und sind nur morgens offen. Ab Mittag machen sie die Köpfchen zu.
gauchheil
gauchheil
gauchheil
gauchheil
So schön sie sind, sie sind giftig für Hund, Hase und Kaninchen, sowie für Geflügel und Vögel. Nach der Blüte bildet sich je eine Kapselfrucht, die etwa 15 hütchenförmigen Samen enthält, welche in der Regel bereits im Herbst keimen. Der rote Gauchheil (Anagallis arvensis) wird auch Ackergauchheil, Weinbergstern, Gewitterblume, Nebelpflanze und Wetterkraut genannt. Es gibt davon verschiedene Blütenfarben, angefangen von verschiedenen Rottönen, lila, weissen sowie blauen Blüten.
gauchheil
gauchheil
gauchheil
gauchheil
In Gugellandia haben wir aber auch den blauen Gauchheil (Anagallis foemina), der gleich daneben wächst. Die Unterscheidung ist einfach. Beim blauen Gauchheil sind die Kronzipfel der Blüten unregelmässig gesägt mit 5 -10 Drüsenhaaren. Ausserdem sind die Blätter etwas schmaler, spitzer, dunkelgrün und er ist etwas seltener. Beim roten Gauchheil sind etwa 50 - 70 Drüsenhaare zu erkennen. In der Regel benötigt man dafür aber eine Lupe. Abschliessend ist noch darauf hinzuweisen, dass diese Pflanzen auch Insekten-abweisend sind, da sie einen stechend scharfen Geruch haben. In Indien wird die Pflanze wegen ihrer schwachen Giftigkeit zum Fischfang benutzt.
fototermin
engelwurz
engelwurz
engelwurz
Nicht schlecht staunen musste wir, als Knipps und ich beim Wandern, eine Engelwurz (Angelica archangelica) zu Gesicht bekamen. Sie gedeiht wild normalerweise in kühl-gemässigten bis subarktischen Breiten. Die beiden Exemplare, welche wir vorfanden wachsen am Rande eines Flusses in einem "Schattenloch".  Die Engelwurz ist vollkommen winterhart, übersteht problemlos bis -40 Grad und ist hauptsächlich in Sibirien, im südlichen Grönland und im Himalaya anzutreffen.
engelwurz
engelwurz
engelwurz
engelwurz
Die Blütenzeit ist von Juni bis August und sie duftet nach Honig. Es ist dies eine zwei- bis vierjährige Pflanze und sie blüht nur einmal, erreicht aber Höhen über 3 Meter, und die Stängel können armdick werden. Die Engelwurz ist fester Bestandteil in jedem Kloster- und Bauerngarten und wird auch kommerziell angebaut, vorwiegend in Polen und Holland, mittlerweile sogar in Italien. Das Öl aus den Wurzeln und Samen ist wichtiger Bestandteil von Likören, wie Benedictine und Chartreuse. Mit den Früchten werden Wermutwein und Gin aromatisiert.
engelwurz
engelwurz
engelwurz
engelwurz
Die Engelwurz ist auch ein wichtiges Arznei-Mittel. In Norwegen, Island und Lappland wird die Wurzel als Gemüse zubereitet. Es ist dies übrigens eine rübenartige, rotbraune Wurzel mit gelben Milchsaft. Aber Achtung: Man kann sie mit dem hochgiftigen Riesen-Bärenklau verwechseln. Man sollte sie schon sehr gut kennen, bevor man sie sammelt. Wichtiges Unterscheidungsmerkmal sind die Blätter. Und bitte darauf achten, dass man beim Ernten unbedingt Hand- beziehungsweise Pfotschuhe trägt, da sich mit der Verbindung der UV-Strahlen Haut- Pfotreizungen bilden können. Abschliessend ist noch zu erwähnen, dass die Engelwurz ein Kaltkeimer ist, die Samen nicht lange keimfähig und deshalb noch im selben Jahr zu säen sind. Ich wünsche allen einen schönen August und bedanke mich für das Interesse an meiner Gartenseite und schicke viele Winkepfoten. Euer Grünling


Geh zur Legende

Zurück zur Titelseite (Home)