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November 2019





 
Oliver Twist (Teil 2)
Tag für Tag müssen Cirillo und Edi nun für den Meister Peso, den Bestattungsunternehmer, arbeiten. Cirillo lässt keine Sekunde ungenutzt, um Edi zu ärgern. Er mag ihn nicht, weil der Meister den kleinen Oliver betüdelt. "Der macht immer ein so schrecklich trauriges Gesicht, das ist hervorragend für Beerdigungen. Ich werde ihn zukünftig die Kerze tragen lassen. Er soll direkt hinter dem Sarg herspazieren." Peso reibt sich die Flügel und kichert. "Das ist gut für's Geschäft."
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Man stemmt Särge hin und her, lässt Wuwatis Mass sitzen und wartet eigentlich den ganzen Tag nur darauf, dass endlich Battamba erscheint und zu Tisch bittet. Aber das Essen ist auch hier sehr spärlich und besteht meistens aus Suppe und Brot. Für Edi sogar ist nicht einmal Suppe drin. Er ist auch bei der Frau vom Meister nicht der grosse Liebling. Dafür ist er dann ganz stolz, als das erste Begräbnis ansteht.
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Zu der Zeit, als die Geschichte spielt, gibt es viel mehr Begräbnisse als heute, das ist gut für Sargmacher, Bestattungsunternehmen, und so auch für unseren kleinen Oliver Twist, der den ganzen Zirkus überhaupt nicht versteht, aber brav sein traurigstes Gesicht aufsetzt und hinter dem Sarg herwatschelt. Auch wenn er manchmal Angst hat, die brennende Kerze könnte auf ihn herunterkippen. 
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Zum Glück geht immer alles gut. Cirillo kocht vor Wut und trachtet nach Bösem, wenn er Edi sieht. Er stichelt aber nur mit Worten auf dem armen Waisenkind herum. "So, du billiger Sohn vom schrägsten Verbrecher, hast du heute auch ein bisschen Suppe bekommen?"  Edi erwiddert nichts, denn er kennt ja seinen Vater nicht, aber es trifft ihn natürlich schon. "Deine Mutter war die grösste Schlampe im Dorf und hat mit jedem herumgesoffen. Das sagen alle, ha ha."  Edi beisst auf die Zähne. Am liebsten hätte er den frechen Kerl in der Luft zerrissen.
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"Schon klar, dass sich deine Mutter bei deiner Geburt umgebracht hat, so wie du aussiehst." "Hör auf, Cirillo, hör auf, über meine Mutter zu reden, bitte." Edi versucht es erst im Guten, aber Cirillo sucht Streit und bohrt weiter in der zweifelhaften VERGANGENHEIT von Edi herum. "Auf dem Grabstein deiner Mutter steht sicher, sie war der Liebling aller Tunichtgute. Sie hat gestohlen und gefälscht, und ist mit jedem Drecksack..." Edi bleibt die Suppe im Halse stecken und er legt wuterfüllt den Löffel hin.
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"Was kann ich dafür, wenn alle Leute sagen, dass deine Mutter eine...." "Hör auf, meine Mutter zu beleidigen. Sie war eine gute Frau, sie kann nichts dafür, dass sie gestorben ist." Edi stürzt sich auf den frechen Papagei, dass die Federn fliegen. Dieser ist völlig überrascht und bekommt einen gehörigen Schreck. "Autsch, Hilfeee, Oliver Twist ist verrückt geworden!" "Nimm alles zurück, was du gesagt hast, oder ich reiss dir jede Feder einzeln aus." schreit Edi, aber er weint schon selber fast vor Verzweiflung.
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Cirillo ist um einiges grösser als Edi, deshalb ist er selber erstaunt, welche enormen Kräfte in dem kleinen, ausgehungerten Körper dieses Waisenkindes stecken. "Hilfee, Frau Battamba, Edi will mich umbringen!" Die Frau des Bestattungsmeisters erscheint sofort auf der Bildfläche, sorgt allerdings nicht für Ruhe, sondern jetzt geht ein doppeltes Gezeter los. "Peso, komm schnell, Oliver will unseren Lehrburschen totschlagen!"
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"Bloss nicht!" schimpft Peso, "wir haben ohnehin zu wenig Särge. Was ist denn in den Kleinen gefahren, dass er so wild geworden ist?  z z z." Aber da hat Battamba den ausgerasteten Oliver bereits an den Ohren gepackt und  zieht ihn Richtung Kohlekeller, was im gugelländischen Fall das Werkzeugschöpfchen und ehemaliger Schweinestall ist. "Darin bleibst du bis wir Napoleon geholt haben, der wird sagen, was nun mit dir geschieht." Armer Edi, warum immer er?
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Cirillo rast zu dem hohen Würdenträger und Waisenverantwortlichen Napoleon und schildert ihm gleich die Sachlage. "Der Oliver Twist ist gemeingefährlich, der hat mich ohne Grund angefallen und auf mich eingeschlagen, ich wäre beinahe bewusstlos geworden." "Wir klären den Fall, wo ist der Bursche?" "Im Kohlekeller eingesperrt. Wir dachten, das Wichtigste wäre, ihn irgendwie dingfest zu machen." Die Obrigkeit beschliesst, Edi soll nach seiner Freilassung bestraft werden.
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Peso ist nicht gerade begeistert, als er den armen Waisenknaben mit dem Stock verhauen soll, aber so will es die Geschichte. Das Stecklein, das er verwendet hat, wird Edi kaum gespürt haben. Dennoch beschliesst das arme Waisenkind noch in der gleichen Nacht, das Weite zu suchen. Er packt sein Bündel, in welches er noch etwas Brot steckt, und haut ab. Einfach nur weg von hier, schlimmer kann es ja nirgendwo sein.
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Er weiss, dass es ein weiter Weg ist. Aber London ist die Hauptstadt von diesem Land. Dort will er sein Glück versuchen. Es leben nur gute, reiche Menschen dort, da wird ihm sicher irgend jemand etwas Freundlichkeit geben. Und wenn er arbeiten muss, ist ihm das auch recht, er hat ja bei Meister Peso auch sein Bestes getan. Er watschelt anfangs zuversichtlich den sonnigen Weg entlang. Die düsteren Wolken am Horizont kümmern ihn nicht. Er findet immer einen UNTERSCHLUPF.
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Nach zwei Tagen sieht die Gegend immer noch gleich ländlich aus. Von Grossstadt keine Spur. Edi wirft sich ins Gras und futtert das letzte Stückchen Brot. "Ich werde einfach an der nächsten Hütte mal anklopfen, vielleicht wohnen dort nette Leute und geben mir was, wenn sie hören, dass ich ein tapferer Waisenknabe bin. Etwas anderes bin ich ja leider nicht, vielleicht sollte ich das nicht sagen, sondern...hmm, denk, studier, überleg."
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Nach ein paar Meilen kommt Edi an eine Behausung, wo er denkt, dass da jemand drin wohnt. "Hallo, jemand zu Hause? Ich bin Oliver Twist und auf dem Weg nach London, könnte ich vielleicht einen Teller Suppe und etwas Brot haben?"  Ein hübsches Mädchen kommt zur Tür heraus, aber was sie sagt, ist weniger hübsch: "Was fällt dir ein, du Vagabund, wir haben selber kaum was zu knabbern, mach, dass du weiterkommst!" Ja so ist die Welt, überall Armut und Gehässigkeit. Aber es kommt gleich noch schlimmer. Vom Dach aus schreit die Dame des Hauses. "Wenn du nicht gleich abhaust, hole ich die Polizei!"
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Da bleiben nicht mehr viele Optionen. Edi, unser Oliver Twist, watschelt und watschelt und watschelt. Es tun ihm schrecklich die Füsse weh, er kann fast nicht mehr auftreten, und es sind noch immer viele viele Meilen bis London. "Nichts zu essen, nichts zu trinken, und kein Mensch weit und breit, ich werde verhungern und verdursten, ach ich armer, dummer Trottel, warum bin ich nicht bei meinem Prügelmeister mit der bösen Frau und dem frechen Papagei geblieben." Edi ist so erschöpft, er kann nicht einmal mehr weinen.
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"Oh, was sehe ich denn da?" Ein kleiner Wandersmann ist genau vor meiner Haustüre zusammengebrochen. Der arme kleine Kerl braucht sicher etwas zu Essen und zu Trinken." Das alte Weib nähert sich dem Unglückswurm und päppelt ihn auf. "Komm in meine Hütte, ich habe noch etwas Suppe und Brot für dich." Edi schlägt die Augen auf, aber er jappst nur. "Ll.d.d.n." Edi klebt die Zunge am Gaumen und er sieht nur noch Sterne. "Du willst nach London? Na, dann komm, stärk dich erst mal." Die nette Alte serviert ihm ein vorzügliches Mal. Schon bald ist Edi wieder fit.
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Oliver Twist, gestärkt von so viel Güte und Suppe beisst wieder einmal auf seine Zähne, die Füsse schmerzen zwar noch immer, aber London ruft, es kann nicht mehr so lange dauern, er hat es bald geschafft.  Die gute Frau schaut ihm nachdenklich nach. "Der arme Kerl weiss ja nicht, was in London alles los ist, oh, der süsse Kleine, ich würde ihn so gerne beschützen." Sie schaut Edi nach bis er verschwunden ist.
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Mit Grossstädten ist das so eine Sache. Sie sind nicht einfach plötzlich da. Man kommt ihnen einfach langsam näher. Edi erkennt zuerst gar nicht, dass er bereits da ist, allerdings fällt ihm auf, dass ihm viele merkwürdige Gestalten begegnen. Eine von ihnen trägt einen Zylinder und schlägt ihm mit einer dicken Tigertatze auf die wunden Pfoten. "Stooop, wo willst du hin? Kleiner? Wenn du nach London willst, dann geht das nur über mich, sonst bist du ein toter Mann, äh, ich meine, eine tote Maus. Ha, ha, Gestatten ich bin Dodger Frech." Edi ist fassungslos. "Ich bin tatsächlich da? Und jetzt bin ich schon tot, welch unglückliches Unglück!"
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Dodger Frech scheint ein sympathischer Kerl zu sein. "Komm einfach mit mir mit, ich kenne hier jede Ecke und ich führe dich zu unserem Quartier, da kannst du in Saus und Braus leben und reich werden. Morgen hast du auch einen Zylinder auf, wie ich. Wie heisst du überhaupt?"  "Ich bin Oliver Twist und komme aus dem Waisenhaus von..."  "Schon gut, schon gut, keine Details, in dieser Stadt hat auch einer wie du eine Chance."  Die Füsse von Edi schmerzen wie Feuer, aber er freut sich und schöpft neue Hoffnung. "Pass auf, ein Wagen!" Fast wäre ihm ein riesiges Wagenrad über die Pfötchen gefahren. "Da ist ja einiges los bei euch..." stottert er und schaut sich um.
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Überall patrouillieren Leute mit hohen Hüten und Zylindern, Damen in schicken Kleidern, auch ganz bunte Gestalten und ein paar Einschüchternde sind darunter. "Komm, Oliver, ich zeige dir jetzt dein neues Zuhause. Edi weiss gar nicht, wohin er gucken soll. "Da schau mal, diesen eleganten Herrn." Er zeigt auf Zeig. "Nicht hingucken, Edi, der kennt mich, auf den bin ich nicht besonders gut zu sprechen."  Edi ist ganz hingerissen vom Zauber der Grossstadt. "Schau mal da, Dodger Frech... huii!"  "Komm schnell weiter, Edi, die sind nicht echt, komm einfach weiter, gleich sind wir da."
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Unterwegs kommen sie an verschiedenen Krämern vorbei. Es duftet herrlich nach frischem Brot, und Edi fällt fast in Ohnmacht, als er eine Nase davon erschnuppert. Wie hypnotisiert bleibt er vor der Bäckersfrau stehen. "Hast du kein Geld, Kleiner?" fragt die Eulalia besorgt, aber jetzt kommt ja Dodger Frech vorbei. "Guten Tag, Gnädigste, ich wünsche ihnen gute Geschäfte, für heute haben wir genügend Brot, meine Verehrung, wundervolle Frau." Und er schwingt seinen Hut herum, zuerst vom Kopf, dann schwupp, ein Brötchen rein, und dann wieder zurück auf den Kopf."
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Edi hat von dem kleinen Trick nichts mitbekommen, aber als er das Brötchen vor der Nase hat, ist er glücklich. "Oh, danke, ich möchte am liebsten hineinkriechen. Knabber, knabber, seufz, wie gut du bist, Dodger!" Edi liebt London. Überall wundervolle Düfte, wundervolle Leute, wundervolle Brötchen. Aber es wird ja noch besser. Sie kommen am Fleischerladen vorbei. Die Würste liegen in Reih und Glied, eine pikanter als die andere. Aber Edi ist satt, und er kriegt nicht mit, wie Frech nochmals die selbe Nummer abzieht. "Oh, Frau Rosine, wie wunderschön sie heute aussehen!"
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"Wir sind gleich da, nur noch eine Treppe, ein Balkon und quer über den Hinterhof. Du wirst alle meine Freunde kennen lernen, das sind nicht wenige, und alle ehrlich -hicks- ehrlich gut." Edi vertraut seinem neuen Freund und klettert über Treppe, Balkon und Hinterhof.  "Ist Fagin da?" Ein ganz neuer geschäftiger Ton an Dodger Frech überrascht Edi. "Er müsste oben sein, wen bringst du denn da mit?"
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Der Merlo mit der grünen Kappe schleust die beiden Neuankömmlinge über eine Art Hängebrücke nun zum eigentlichen Eingang des "Verstecks". Aber Edi wundert schon lange nichts mehr, er möchte sich nur noch hinlegen und schlafen. Bei diesem "Fagin" handelt es sich um den Wohnungsinhaber. Einen roten Schurken, der überall in London seine kleinen Kinder auf DIEBESTOUR schickt um sich dadurch zu berreichern. "Ich habe dir einen kleinen Waisenjungen aus der Provinz mitgebracht." lacht Dodger Frech. Fagin lässt noch schnell eine glitzernde Kette verschwinden und nähert sich dann überfreundlich seinem neuen Gast.
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"Aaaah, du bis Oliver Twist. Interessant, ich kenne noch niemandem mit diesem Namen. Du wirst dich bei uns wohl fühlen, schau, da vorne sind deine neuen Freunde und Essen so viel du willst. Du kannst dich nachher einfach irgendwo hinwerfen und schlafen. Wir sind alles deine Freunde." Edi traut seinen Augen nicht. Er muss im Paradies angekommen sein. Überall freundliche lustige Augen, Essen, weiche Tücher, Kerzen, warmes Licht.... . "Hallo, ich bin Oliver Twist.... schnarch, dös, schlummer.
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Edi schläft. Aber in der Hochburg des Taschendiebstahls ist noch nicht Feierabend. "Gleich kommt noch Ahuii mit seinem Hund und Amanda...."  Und die Taschendiebe üben fleissig. "Morgen gehen wir in die Baker Street." Und wir machen uns auf dem Portobello Market breit, ha ha.  Es ist inzwischen klar. Fagin bildet Taschendiebe aus. Er selber macht keinen Finger mehr krumm, aber er hält die Bande wie ein Vater zusammen.
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"Los, du rempelst den Herrn an, ich hüpfe links vorbei, sage entschuldigung, dann schnappst du dir von hinten seine Börse oder sein Seidentuch und wirfst es schnell mir zu. Dann zeigst du dem Herrn aus irgendeinem Grund deine blütenweissen Hände und wir verkrümeln uns. So geht das bis weit in die Nacht. Alle hüpfen und lachen, üben ihre Taschenspielchen und essen Würste und frische Brötchen.  Ahuii und Amanda trinken auch Rotwein und schäkern laut und lustig. Edi hört vor allem nichts mehr. Bis am nächsten Morgen. Da ist überhaupt keiner mehr da.
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Edi ist noch zu verschlafen, um zu erkennen, was der rote Fagin so tut, wenn er meint, dass ihn niemand beobachtet. Er holt nämlich aus seinem Versteck eine unscheinbare Dose. Es scheint, als wäre für ihn der Inhalt besser als jeder Schnupftabak, denn als er sie öffnet und daran schnuppert verdreht er gleich die roten Äuglein. Aber Edi ahnt nichts. "Guten Morgen, wo sind denn alle anderen?" fragt er von seinem Bett herunter. "Die anderen? Oh, ah, nichts, die kommen sicher bald wieder, dann darfst du auch mitgehen."
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taff50
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In der nächsten Folge befasst sich sogar Grünling mit VERBRECHENSBEKAEMPFUNG

 
Oliver Twist
Edi, die gugelländische Leseratte, hat diesmal einen besonders dicken Wälzer im BUECHERREGAL gefunden. "Das ist die Idee." freut er sich. "Jetzt werden die Tage feucht und irgendwie englisch, da kann doch ein wenig makabere Literatur nicht schaden, ich werde den Vorschlag mal unseren Regie-Damen unterbreiten." Dolly Dama und das Huhn sind sofort einverstanden. "Eine hervorragende Idee, Edi. Damit füllen wir den ganzen November! Ha, ha, ha, und du spielst natürlich die Hauptrolle." Edi freut sich über alle Massen. "Ich werde gleich Miezi suchen, zur Besprechung!"
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"Oliver Twist? Na klar kenne ich Oliver Twist. Das ist ein kleiner Waisenjunge, der immer wieder vom Regen in die Traufe kommt, aber im Grunde ein ehrlicher Kerl ist. Stimmts?" Miezi ist sich offenbar nicht ganz sicher. "Ja, schon, aber da geht es um TASCHENDIEBSTAHL und einen Haufen Ganoven." Edi hüpft aufgeregt von Baum zu Baum. "Wir können den ganzen miesen Nebel vom November hervorragend brauchen, die Geschichte ist zum Steinerweichen traurig."  Die Blättersammler von Miezi sind nun plötzlich alle ganz Ohr. "Wir wollen aber lieber lustige Geschichten spielen!" müpfen sie auf, und Edi sagt vorübergehend nichts.
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Aber die Idee ist gesät, sie muss nur noch in den verschiedenen Köpfen etwas arbeiten.  Auch bei Hefe ist es angekommen. "Ich sollte für Edi eine BASKENMUETZE machen, das kann ja nicht so schwierig sein. Einfach etwas schwarzen Stoff um die Ohren. Und dann noch ein paar hohe Zylinder für steife englische Herren. Ein Klacks ist das für mich." lacht sie anfangs. Aber nun ist sie schon einen ganzen Tag am Nähen, Kleben und Probieren und noch kein einziges brauchbares Exemplar ist zur Hand.
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Edi probiert schon mal einen von Hefe's künstlerischen Auswüchsen. " Damit ist man sicher ein hohes Tier, nicht wahr?"  Überall liegen Stecknadeln, Fadenspulen und Scheren herum. "Pass auf, Edi, das ist der Hut für die Oberen, für dich mache ich eine Kappe. Ja, sieht doch schon ganz gut aus." Edi versucht sich vorzustellen, wie es ist, wenn man keine Mutter und keinen Vater - überhaupt keine Familie auf der Welt - hat und Waise ist. Schon bei der Vorstellung wird ihm ganz flau, und er sieht nicht mal, dass das Casting für Oliver Twist bereits in vollem Gange ist.
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Edi will noch mehr Waisen holen. Wir haben im gugelländischen Heustock massenhaft verwaiste Tiere, die nicht einmal bis zu Who is Who gekommen sind, ich schaue mal nach, ob ich ein paar Talente finde." Leider sorgt sein ahnungsloses Vorgehen für ziemliche Unruhe. Denn alle wollen nun Waisen spielen. "Das ist ja ein richtiges Elend hier." seufzt Edi und watschelt nachdenklich zu den Verantwortlichen für das Casting.
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"Ich habe hier noch ein paar Schauspielanwärter mitgebracht." Eine ganze Kolonne mit bunten, fröhlichen Waisenkindern marschiert mit Edi einher. "Kriegen wir nun auch alle eine Baskenmütze?" Miezi hat in der Zwischenzeit mit ihren bunten Blättern etwas Stimmung auf den Rasen gezaubert. "Hat denn jemand eine Liste gemacht, welche Charaktere, ausser Waisenkinder, noch gebraucht werden?" Alle schauen sich ratlos an. Keiner der Beteiligten hat Edi's Buch gelesen. Na, das kann ja heiter werden....
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"Also, es braucht viele steife Engländer mit hohen Hüten, einen Riesenhaufen verdorbene Kinder und eben massenhaft Waisen, die immer hungrig sind und von klein an arbeiten müssen. Die Verbrecher kommen erst später..." Edi holt kurz Luft, aber dann verschlägt es ihm auch schon den Atem, denn Kai und Gonni fletschen die Zähne. "Du hast nach uns gerufen?"  Das ganze Casting droht nun etwas aus dem Ruder zu laufen, denn es wollen nun nicht nur noch die Papageien eine Rolle, sondern auch die Wuwati's drängeln sich um die Verantwortlichen. "Itti bini gutti Waisi!"
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"Schluss jetzt, fangen wir einfach an. Wir spielen die gugelländische Version von Oliver Twist, da sieht das Drehbuch eben aus wie eine Tüte voller bunter Konfetti. Ha, ha, ha."  Der Nebel will sich schon fast vor Schmunzeln in den Himmel verziehen, aber man braucht ihn doch noch. "Sonst ist das Ganze zu wenig niederschmetternd." Tatsächlich wird es nun ernst. Napoleon holt Edi aus dem Waisenhaus, in das er nicht freiwillig gekommen ist, ab, und bringt ihn nun, da er gross genug zum Arbeiten ist, in ein anderes Haus. "Es wird dir gefallen, du  arbeitest dort und kriegst dafür Essen und sogar ein eigenes Bett zum Schlafen."
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Napoleon ist ein hoher Würdenträger und hat auch ein ganz kleines Bisschen Ehre und Verantwortungsgefühl für so ein kleines Würmchen wie Edi. Dieser ist völlig am Boden. Erstens vor Hunger, zweitens vor Sorge, was nun wieder Schreckliches passieren würde und drittens hörte er Schlimmes über das Arbeiten müssen. Vor ihnen liegt ein steinernes Gebäude mit einem verriegelten Tor davor. "Halloh" ruft Napoleon, ich bringe Oliver Twist, man öffne das Tor!" Tatsächlich kommt so ein Aufseher mit Hut heraus und macht sich am Schloss zu schaffen. "Noch so ein armer Wurm. Wir haben bald keinen Platz mehr!" Xaver, der Aufseher, ist nicht sehr erfreut, aber er öffnet das Tor.
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"Seine Mutter ist vor neun Jahren bei seiner Geburt gestorben, mehr weiss ich nicht über ihn." Napoleon scheint froh, den kleinen "Wurm" loszuwerden. "Bis jetzt hat er nichts verbrochen und auch nichts verdient." Etwas Gescheites will ihm zu diesem kleinen unnützen Lebewesen nicht einfallen. Xaver schiebt Edi in Richtung Eingang und verabschiedet sich von Napoleon. "Man sieht sich, ja, ha ha, hoffentlich nicht so schnell wieder!"
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Edi ist sehr scheu und blickt sorgenvoll in die Runde. Das Gemäuer ist kalt und es riecht nach abgestandenem Russ und etwas Säuerlichem, was vielleicht das Essen gewesen sein konnte. Sein Magen knurrt, aber zuerst muss er nun ja zur Arbeit. In seinem Alter will das Essen verdient werden. Er kommt zu Ballo, das ist der Aufseher in der Werkhalle. Da sitzen alle Waisenkinder in Reih und Glied und arbeiten. Was auch immer sie Unnützes machen müssen, im heutigen Fall entwuseln sie gekappte Seilstücke, wahrscheinlich von Gehängten oder Geköpften oder sonst was Grusliges.
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Alle hocken stumm auf dem Boden und blicken stur auf ihre Schnur-Reste. Edi schaut angstvoll in die Runde und sieht in den Augen seiner zukünftigen Leidgenossen dieselbe Verdrossenheit. Ballo klopft mit dem Stock auf den Boden. "Hopp, hopp, seid nicht so faul, das geht doch schneller, warum grinst du so frech, du kleiner Bastard." und er schlägt dem armen Hündchen lustig mit seinem Stock auf den Kopf. Edi sieht, dass es für ihn eine Lücke hat. "Das ist dein Arbeitsplatz, mein Sohn." sagt Ballo gönnerisch, haut ihm aber gleichzeitig eins mit seinem Schläger in die Rippen.
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"Warum müssen wir denn das machen?" will Edi flüsternd von Otto, seinem Nebenmann, wissen. "RUHE, Ruhe, oder es gibt kein Essen für dich und diejenigen links und rechts von dir!" Edi rupft angstvoll an seiner Schnur herum und weiss jetzt schon. Hier wird es ihm nicht gefallen. Diese ganzen armen Waisenmäuse waren ebenso schlimm dran wie er. Vielleicht sogar noch schlimmer, denn das zeigt sich in der Nacht, als sie endlich in ihren harten Betten liegen. Edi versucht zu schlafen, aber es ist unmöglich. Jemand huscht dauernd an seinem Bett vorbei. Tapp, tapp, tapp, tapp nach links, dann wieder tapp, tapp, tapp, tapp nach rechts, die halbe Nacht.
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Man versucht, es nicht zu hören. Tapp tapp tapp tapp. Watschel watschel watschel. Tapp tapp tapp. Aber man hört einfach, wie da einer wie gestört dauernd hin und herrennt. Man wälzt sich, versucht die Ohren zuzumachen, aber es nützt alles nichts, so kann keiner schlafen. "Was treibst du denn da, Otto? Weshalb rennst du denn dauernd hin und her?" Dem armen Otto ist es sehr peinlich. "Tut mir Leid, aber ich kann nicht anders. Ich habe so einen Hunger, so einen Wahnsinnskohldampf, wenn ich liege, garantiere ich für nichts, ich könnte im Traum meinen Nachbarn auffressen." Armer Otto. Aber es geht allen gleich, man leidet Hunger.
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Die Tage vergehen. Man gewöhnt sich auch an das schrecklichste Leben.  Damit die Kinder keinen Spass haben, dafür sorgen die Heimleiter, und wenn dann der einzige Lichtblick des ganzen Tages kommt, nämlich das Essen, wird es einem auch möglichst vermiest. HAFERFLOCKENSUPPE ist nicht unbedingt das, wonach sich Kinder sehnen, aber wenn man Hunger hat, das einzig Richtige. Das denken wenigsten die Heimleiter, auch wenn sie selber natürlich ihren Vergissmeinnichttrank schlürfen und feine Schnitzel schmatzen.
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"Warum bist du denn Waise geworden?" fragt Edi sein Tischgegenüber. "Entenjagd!" Otto ist nichtmal sehr betrübt, er hat sein Schicksal hingenommen. Die meisten können während des Essens nicht reden, weil sie so schnell essen müssen. Die Suppe könnte verdunsten oder eine Fliege könnte vorbeikommen und davon naschen. Schon nach wenigen Sekunden legen alle die Löffel hin. "Gibt es denn hier keinen Nachschlag?" Edi ist etwas frecher als Oliver Twist, deshalb muss er auch bald den Kopf hinhalten und nachfragen.
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Die Heimleiter, besondere Hütetrager und Würdenträger, Protzköche und Halsabschneider sitzen alle um einen Tisch und lassen es sich gut gehen, während die Schalen der Waisenkinder längst bis zum letzten Tropfen leergeleckt sind. Edi soll nun zur obersten Kochinstanz vordringen und um "mehr" bitten. Vielleicht hatte er ja Glück und war den Herren so sympathisch, dass sie für alle noch eine Runde spendierten. Edi wagt sich also mit seinem leeren Napf vor den Ballo, der ihm unangenehm rülpsend zu verstehen gibt, dass er ihn stört, gleich gehörig noch die Leviten liest. "Ja bist du des Wahnsinns? Du verlangst nach mehr? Weisst du eigentlich, wie viel du den Staat kostest. Los, mach' dich vom Acker, du Nimmersatt, morgen wirst du unser Haus verlassen."
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"Ich wollte doch nur fragen....ob..." Aber man hat keine Gnade mit armen Olivers. Edi wird halsüberkopf wieder auf die Strasse geworfen. "Wenn einer mehr essen will, dann soll er auch mehr arbeiten!" So waren früher die Sitten. (ooops?) Am nächsten Tag wird Edi wieder von Napoleon abgeholt. "Ja, was machen wir denn nun mit dir? Offenbar will dich keiner haben?" Wir werden mal das hohe Gericht fragen. Vielleicht hat Oberst Matoni eine Idee, wo wir dich hinbringen können."
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Und wieder packt der kleine Oliver sein Bündel und verlässt ein weiteres trübes Loch um es für das nächste einzutauschen. Seine Augen spiegeln schon nur noch ein einziges Bitten wieder. Mitleid ist das Einzige, das er noch erwecken kann. Nichtmal um mehr Essen bitten, hat er geschafft. Was war er doch für ein kläglicher Versager. Napoleon schleppt ihn mit und hält weise Reden. "Du kannst es immernoch weit bringen, Kleiner, du musst einfach lernen, ein Handwerk zu beherrschen, damit kannst du dir dann dein Brot verdienen."
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Sie sind jetzt bei Matoni angekommen. "Was hat sie denn ausgefressen, die kleine Ratte?" "Es ist Oliver Twist, und er wollte mehr, das Essen hat ihm nicht gefallen." "Das ist natürlich sehr schwierig, für so arrogante Mehrwoller ist diese Welt nicht geschaffen, aber ich glaube, ich werde mal in meiner Liste nachsehen, ob jemand einen Lehrling braucht."
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Oliver twist
Matoni guckt stundenlang in seiner Liste nach und findet tatsächlich den idealen Lehrmeister für Oliver. "Da, ich hab's , Mister Bertram, der Schornsteinkehrer sucht einen Lehrling. Ich lasse ihn gleich mal kommen!" Vorübergehend zeigt sich ein Sonnenstrahl in Oliver's tristem Leben. Aber dann kommt wie ein schwarzes Phantom der Kaminfeger in sein Leben. Edi bricht in Tränen aus. "Ich habe doch nichts getan, ich will nicht gefressen werden vom schwarzen Mann, ich wollte doch nur ein Schälchen Suppe mehr. Schluchz, wein, heul, tränenfliess, schnüff.
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Edi hat die "Oberen" überzeugt. Er braucht einen Lehrmeister, der ihm zusagt. "Ich hätte da noch einen auf der Liste, der braucht dich zwar nicht, aber mit deinem Geschluchze könntest du dort grosse Chancen haben. Es handelt sich um Meister Peso, den Beerdigungsfachmann, den Bestattungsexperten, den Friedhofgeier persönlich. Wer kann sich schon einen besseren Job wünschen? Edi, unser Oliver, ist mit allem zufrieden. Sein Bäuchlein knurrt auch schon wieder, aber als er die Frau vom Bestattungspeso erblickt, sinken seine Hoffnungen bereits wieder ins Bodenlose. Ach, welch rabenschwarzes Dasein, welch ungerechtes Leben.  Aber es wird ja noch schlimmer.
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Bestattungsgeier Peso findet, Oliver hätte einen so wunderbar traurigen Blick. "Du wirst mir bei den Bestattungen immer vorne mitlaufen, die Leute lieben es, wenn eine Beerdigung richtig heulsusig ist." Und er klopft Edi aufmunternd auf die Schulter. "Du hast Talent, Junge!" Edi's Talent wird allerdings stark beneidet. Der Totengräber hat nämlich bereits einen Angestellten, Cirillo, der ist nicht so talentiert wie Edi, und deswegen hat er ihn gleich schon auf dem Kieker.
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Wie das wohl enden wird? Nächste Woche geht's weiter.


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