Ottilios Kochstudio
Hot ein Rezept vön mir nicht gekloppt, nicht verzogen, Öttiliö frogen.
ottilios küche
Das ist Ottilio, der gugelländische Koch. Er stammt aus Korsika und bildet sich auf seine französischen Vorfahren viel ein. Er spricht aber einen sehr merkwürdigen Dialekt. Nämlich kein a und kein o ( a=o und o=ö). Deshalb sind seine Rezepte oft eine rätselhafte Mutprobe.
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Rezepte im November 2025





 
 Island - Reykjavik

Iss Land. Ja, wenn es noch etwas gibt, im hohen Norden. Wir sind ja verwöhnt, in Italien, wir lassen schon die Olivenölflaschen gefrieren, nur weil es nach Island geht. Hat alles seinen Sinn, sagen die Isländer und baden in warmen Quellen. Aber wir haben heute Robi zu Gast im Kochstudio, und der macht eben, was er will. Er schnauzt nämlich zuerst: das Olivenöl ist gefroren, dabei haben wir nicht einmal Null Grad in der Küche.

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"Der Spinat ist ebenfalls gefroren." waffelt der kleine Isländer, aber das macht nichts, den kriegen wir schon noch warm. "Kannst du ein paar Knofizehen hacken?" frage ich ihn höflich und er tuts. In Island ist es übrigens nicht kälter als bei uns im Winter, naja, ein bisschen vielleicht, aber wir haben die Erfahrung gemacht, dass es von kalt bis sehr kalt keinen Unterschied mehr gibt. "Na dann kochen wir mal dein Grünzeug!"

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Tante Lori kümmert sich um den Spinat und die Robbe Robi fängt an, ein bisschen Wärme zu verbreiten. "Wir schnibbeln einfach, was wir können, dann gibt es erstens was Geschnibbeltes und zweitens warm." Das denken die Isländer wahrscheinlich auch. Aber bei uns wartet schon der Kochofen und lechzt, und möchte haben. Aber wir haben noch nichts, nur ein bisschen Spinat und Stangensellerie, Zwiebeln und Knofizehen.

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Aber das ist doch himmlisch! Naja, warten wir mal ab, jetzt kommt die kleine Robbe mit den tiefgefrorenen Fischen. "Ein Glück sind wir schon im Eisland, ich würd' sonst an die Füsse frieren." Unsere tierliebende Köchin, Lori, muss sich die Pfoten vor das Gesicht halten. "Was ist, magst du keine Fische?" "Doch, aber ich sehe sie nicht gerne so tot herumliegen." Naja.

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Dann werfen wir sie eben ins Mehl und dann später ins heisse Fett, und schon sind es keine toten Fische mehr, sondern eine Delikatesse, oder? Tante Loredana und der kleine Robi haben eine Super-Speise gemacht, ha ha, ein bisschen erinnert es mich schon an kühle Küsten, oder eben nicht, einfach essen und vergessen.

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Heute waren wir hoch im Norden.

 
 Sarajewo - Bosnien-Herzegowina

In Anbetracht dessen, dass nun schon November ist und wir schon genügend exjugoslawische Essen gekocht haben, greifen wir heute in die Trickkiste und machen einen schönen Lattich, Krautstiel oder Mangold, wie man will und eine bosnisch angehauchte Wurst dazu. Als Helfer beglückt uns heute der Wolf Giuseppe, der zwar brav das Gemüse untersucht, aber dann höchst langweilig findet.                   

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Er guckt lieber ein wenig hinter die Kulissen, wo das Fahrrad steht und die Mäuse bereits ein dickes Loch in den Vorhang gefressen haben. Dann greift er kurz vorübergehend sogar zum Messer, sieht dann aber eine Fliege in der Küche und macht selber eine. Er verschwindet zwischendurch. Als er wieder hervorkommt, sagt er, er hätte die interne Spur von einer Tiergattung erschnuppert, die in normalen Küchen nichts zu suchen hätte.

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Lori und ich schnippeln also unseren Mangold alleine, während der Giuseppe einfach ein wenig für Spektakel sorgt. Die Wurst, die eigentlich heute für unser sarajewisches Gericht die erste Geige spielt, ist noch tiefgefroren und lässt sich nicht blicken. Wir mussten sie nämlich vor dem Wolf verstecken.  Giuseppe hat dann noch eine kleine Erkundungstour hinter den Küchentisch gemacht, aber er hat offiziell nichts erwicht.                                     

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Lori wuppt dann eine feine Bechamelsosse mit Mehl, Butter und Weisswein, und als diese fertig ist, finden wir endlich Giuseppe wieder hinter dem Tisch. Als wir ihm von der Wurst im Ofen erzählen, bleibt er brav da und hilft sogar ein bisschen Käse raffeln für den Mangold.

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Dann geben wir unseren vorgekochten Mangold mitsamt der Sosse und dem Käse in den Ofen und schmeissen am Schluss noch die Wurst hinzu. Wir sind nicht sehr stolz, aber diese Kreation wäre absolut möglich in Bosnien. Unsere Europatour ist, wie das Jahr, schon beinahe zu Ende. Wir haben nur noch wenige Staaten, von denen wir europäisch gegessen, bzw. gesehen, kulinarisch noch nicht so ganz überzeugt sind.

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Nächste Woche sind wir in Island.

 
 Riga - Lettland - Steinpilzragou

Es ist schon November und im Wald noch Steinpilze zu finden ist unwahrscheinlich. Aber Lori und Tapi ziehen dennoch eine Runde durch die Gegend und bringen wenigstens ein bisschen Petersilie mit. Da wir in Lettland wären, wollen wir Steinpilze opfern, wenn wir noch getrocknet welche finden. Dazu muss ich sagen, dass Steinpilze ihr typisches Aroma nur in getrocknetem Zustand haben. Sie frisch zu verzehren grenzt an übertriebenen Luxus.  

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Wir haben noch drei Gläser vom letzten Jahr. Diesen Sommer war die Pilzbeute sehr niedrig. Aber zu Ehren Lettlands opfern wir gerne ein Gläschen. Da getrocknete Pilze sehr geschrumpft sind, muss man sie wieder etwas anquellen lassen, damit sie ihr Originalformat wieder erlangen. Das machen wir aber nicht extra, es reicht, wenn man etwas mehr Flüssigkeit zu der Sosse gibt.                                                  

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Wir sind froh, dass wir noch die Pilze gefunden haben, sonst wären wir mit unserem lettischen Essen wieder schief gerasselt. So aber ist es ein Heimspiel. Man hätte viel machen können, mit den Pilzen. Eine Pfannkuchenfüllung, eine Pilzpastete oder ein Ragu. Da wir in Riga sind, dachten wir es einfach und haben letzteres beschlossen. Da Lori die Zwiebeln im Freien schneiden wollte, sind sie kurz verduftet und haben mich alleine in der Küche gelassen.

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Wir sind mit unserer Europatour schon bald durch. Wer es noch nicht gemerkt hat, wir haben uns natürlich total im östlichen Europa verrannt, weil die dort viel mehr Staaten haben, als der Westen. Und wir wollen uns auch gar nichts politisch anhängen lassen, lieber noch kochen wir zweiundfünfzig mal italienisch oder österreichisch, ha ha.

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Jedoch mit Pilzen treffen wir immer den Geschmack der Gugellandier. Aber für dieses Jahr ist es nun vorbei mit dem Essen vom Walde. Aber wir haben noch ein paar Kürbisse. Aber bei dem Wort rennt Lori bereits händeringend davon. Mit Kürbis haben wir ja schon alles gemacht, aber vielleicht fällt uns doch noch ein total gutes Rezept ein.                                 

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Mal sehen. Wir wünschen allen einen guten Appetit mit unserer Pilzsosse.
Ottilio, Lori und Tapi

 

Tallinn - Estland - Kartoffelpuffer

Ein bisschen gescheiter sind wir ja bei unserer Europareise schon geworden. Wir kochen nichts mehr, das wir nicht kennen, ha ha. Deshalb haben wir diesmal völlig zufrieden die Kartoffeln genommen, von denen es in Estland ebenfalls reichlich gibt. Wir haben uns nämlich daran erinnert, dass viele Länder mit Dingen rumwerfen, die dort eigentlich gar nicht heimisch sondern nur Mode sind. Oder dass wir zum Beispiel eine Internetseite erwischt haben, die nur fachmännisch, aber in dem Lande absolut nichts tut. Aber wir haben es ja bald geschafft.

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Heute sind wir in Estland. Das liegt ziemlich nordöstlich und es sind sehr wenig einschlägige Rezepte zu finden. Deshalb haben wir uns in die Kartoffeln gestürzt, wäre ja komisch, wenn es die in Estland nicht gäbe. Dazu haben wir ein neues Eichhörnchen eingeladen, es heisst Hüpfi und ist ein richtiger Kartoffelfreund. Mit einem ungestümen Enthusiasmus hat es sich an die Kartoffeln rangemacht und geschickt geschält.

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Da wir vorhaben, Kartoffelpuffer zu machen, benötigen wir rohe Kartoffeln, geraffelt, so ca. ein Kilo. Da es scheinbar sehr frische Kartoffeln sind, nehmen wir ein bisschen mehr und hoffen, dass es trotzdem klappt. Wir haben die Internetseite bis zum Ende gelesen, lauter Juhuh und toll und fantastisch unter den Nachmachern, aber keine einzige Angabe über die Art der Kartoffeln. Das lässt doch wieder mal weit blicken, ha ha.

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Nachdem Lori vier Küchentücher voll mit dem Kartoffelsaft getränkt hat, findet unser Hüpfi, dass man mit den Kartoffeln gescheiter Pommes frittes gemacht hätte. Aber davon wollen wir jetzt nichts mehr wissen. Wir geben dann aber sicherheitshalber anstelle zwei Eiern drei dazu und den verlangten Teelöffel Salz und Pfeffer. Eine Zwiebel hat Hüpfi fachmännisch zerkleinert. Jetzt fehlt eigentlich nur noch das Mehl.

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Lori ist schon wieder experimentierfreudig und möchte lieber absolut kein Mehl, aber ich nehme dann doch die verlangten 120 g Mehl für den Kartoffelteig, die sich im Nullkommanichts verdünnisieren. Mustkatnuss kommt ebenfalls noch rein, aber dann geht es los. Wir formen kleine Kuchen und braten sie knusprig bräunlich in Sonnenblumenöl. Das war doch keine Sache, oder was?

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Wir sind immer wieder überrascht, wenn uns etwas gelingt, das wir noch nie so gemacht haben, oder aber fast nicht so, und natürlich dann doch wieder ähnlich, weil man ja nicht an sich selber zweifelt sondern am Rezept. Kochen bleibt immer spannend und das Wichtigste ist: es schmeckt.



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