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Island - Reykjavik
Iss Land. Ja, wenn es noch etwas gibt, im hohen Norden.
Wir sind
ja verwöhnt, in Italien, wir lassen schon die Olivenölflaschen
gefrieren, nur weil es nach Island geht. Hat alles seinen Sinn, sagen
die Isländer und baden in warmen Quellen. Aber wir haben heute Robi zu
Gast im Kochstudio, und der macht eben, was er will. Er schnauzt
nämlich zuerst: das Olivenöl ist gefroren, dabei haben wir nicht einmal
Null Grad in der Küche.
"Der Spinat ist ebenfalls gefroren." waffelt der kleine
Isländer, aber das macht nichts, den kriegen wir schon noch warm.
"Kannst du ein paar Knofizehen hacken?" frage ich ihn höflich und er
tuts. In Island ist es übrigens nicht kälter als bei uns im Winter,
naja, ein bisschen vielleicht, aber wir haben die Erfahrung gemacht,
dass es von kalt bis sehr kalt keinen Unterschied mehr gibt. "Na dann
kochen wir mal dein Grünzeug!"
Tante Lori kümmert sich um den Spinat und die Robbe Robi
fängt
an, ein bisschen Wärme zu verbreiten. "Wir schnibbeln einfach, was wir
können, dann gibt es erstens was Geschnibbeltes und zweitens warm." Das
denken die Isländer wahrscheinlich auch. Aber bei uns wartet schon der
Kochofen und lechzt, und möchte haben. Aber wir haben noch nichts, nur
ein bisschen Spinat und Stangensellerie, Zwiebeln und Knofizehen.
Aber das ist doch himmlisch! Naja, warten wir mal ab,
jetzt
kommt die kleine Robbe mit den tiefgefrorenen Fischen. "Ein Glück sind
wir schon im Eisland, ich würd' sonst an die Füsse frieren." Unsere
tierliebende Köchin, Lori, muss sich die Pfoten vor das Gesicht halten.
"Was ist, magst du keine Fische?" "Doch, aber ich sehe sie nicht gerne
so tot herumliegen." Naja.
Dann werfen wir sie eben ins Mehl und dann später ins
heisse
Fett, und schon sind es keine toten Fische mehr, sondern eine
Delikatesse, oder? Tante Loredana und der kleine Robi haben eine
Super-Speise gemacht, ha ha, ein bisschen erinnert es mich schon an
kühle Küsten, oder eben nicht, einfach essen und vergessen.
Heute waren wir hoch im Norden.
Sarajewo -
Bosnien-Herzegowina
In Anbetracht dessen, dass nun schon November ist und
wir schon
genügend exjugoslawische Essen gekocht haben, greifen wir heute in die
Trickkiste und machen einen schönen Lattich, Krautstiel oder Mangold,
wie man will und eine bosnisch angehauchte Wurst dazu. Als Helfer
beglückt uns heute der Wolf Giuseppe, der zwar brav das Gemüse
untersucht, aber dann höchst langweilig findet.
Er guckt lieber ein wenig hinter die Kulissen,
wo das
Fahrrad steht und die Mäuse bereits ein dickes Loch in den Vorhang
gefressen haben. Dann greift er kurz vorübergehend sogar zum Messer,
sieht dann aber eine Fliege in der Küche und macht selber eine. Er
verschwindet zwischendurch. Als er wieder hervorkommt, sagt er, er
hätte die interne Spur von einer Tiergattung erschnuppert, die in
normalen Küchen nichts zu suchen hätte.
Lori und ich schnippeln also unseren Mangold alleine,
während
der Giuseppe einfach ein wenig für Spektakel sorgt. Die Wurst, die
eigentlich heute für unser sarajewisches Gericht die erste Geige
spielt, ist noch tiefgefroren und lässt sich nicht blicken. Wir mussten
sie nämlich vor dem Wolf verstecken. Giuseppe hat
dann noch
eine kleine Erkundungstour hinter den Küchentisch gemacht, aber er hat
offiziell nichts erwicht.
Lori wuppt dann eine feine Bechamelsosse mit Mehl,
Butter und
Weisswein, und als diese fertig ist, finden wir endlich Giuseppe wieder
hinter dem Tisch. Als wir ihm von der Wurst im Ofen erzählen, bleibt er
brav da und hilft sogar ein bisschen Käse raffeln für den Mangold.
Dann geben wir unseren vorgekochten Mangold mitsamt der
Sosse
und dem Käse in den Ofen und schmeissen am Schluss noch die Wurst
hinzu. Wir sind nicht sehr stolz, aber diese Kreation wäre absolut
möglich in Bosnien. Unsere Europatour ist, wie das Jahr, schon beinahe
zu Ende. Wir haben nur noch wenige Staaten, von denen wir europäisch
gegessen, bzw. gesehen, kulinarisch noch nicht so ganz überzeugt sind.
Nächste Woche sind wir in Island.
Riga - Lettland -
Steinpilzragou
Es ist schon November und im Wald noch Steinpilze zu
finden ist
unwahrscheinlich. Aber Lori und Tapi ziehen dennoch eine Runde durch
die Gegend und bringen wenigstens ein bisschen Petersilie mit. Da wir
in Lettland wären, wollen wir Steinpilze opfern, wenn wir noch
getrocknet welche finden. Dazu muss ich sagen, dass Steinpilze ihr
typisches Aroma nur in getrocknetem Zustand haben. Sie frisch zu
verzehren grenzt an übertriebenen Luxus.
Wir haben noch drei Gläser vom letzten Jahr. Diesen
Sommer war
die Pilzbeute sehr niedrig. Aber zu Ehren Lettlands opfern wir gerne
ein Gläschen. Da getrocknete Pilze sehr geschrumpft sind, muss man sie
wieder etwas anquellen lassen, damit sie ihr Originalformat wieder
erlangen. Das machen wir aber nicht extra, es reicht, wenn man etwas
mehr Flüssigkeit zu der Sosse gibt.
Wir sind froh, dass wir noch die Pilze gefunden haben,
sonst wären wir mit unserem lettischen Essen wieder schief gerasselt.
So aber ist es ein Heimspiel. Man hätte viel machen können, mit den
Pilzen. Eine Pfannkuchenfüllung, eine Pilzpastete oder ein Ragu. Da wir
in Riga sind, dachten wir es einfach und haben letzteres beschlossen.
Da Lori die Zwiebeln im Freien schneiden wollte, sind sie kurz
verduftet und haben mich alleine in der Küche gelassen.
Wir sind mit unserer Europatour schon bald durch. Wer es
noch
nicht gemerkt hat, wir haben uns natürlich total im östlichen Europa
verrannt, weil die dort viel mehr Staaten haben, als der Westen. Und
wir wollen uns auch gar nichts politisch anhängen lassen, lieber noch
kochen wir zweiundfünfzig mal italienisch oder österreichisch, ha ha.
Jedoch mit Pilzen treffen wir immer den Geschmack der
Gugellandier. Aber für dieses Jahr ist es nun vorbei mit dem Essen vom
Walde. Aber wir haben noch ein paar Kürbisse. Aber bei dem Wort rennt
Lori bereits händeringend davon. Mit Kürbis haben wir ja schon alles
gemacht, aber vielleicht fällt uns doch noch ein total gutes Rezept
ein.
Mal sehen. Wir wünschen allen einen guten Appetit mit
unserer Pilzsosse.
Ottilio, Lori und Tapi
Tallinn - Estland - Kartoffelpuffer
Ein bisschen gescheiter sind wir ja bei unserer
Europareise
schon geworden. Wir kochen nichts mehr, das wir nicht kennen, ha ha.
Deshalb haben wir diesmal völlig zufrieden die Kartoffeln genommen, von
denen es in Estland ebenfalls reichlich gibt. Wir haben uns nämlich
daran erinnert, dass viele Länder mit Dingen rumwerfen, die dort
eigentlich gar nicht heimisch sondern nur Mode sind. Oder dass wir zum
Beispiel eine Internetseite erwischt haben, die nur fachmännisch,
aber in dem Lande absolut nichts tut. Aber wir haben es ja
bald
geschafft.
Heute sind wir in Estland. Das liegt ziemlich
nordöstlich und es
sind
sehr wenig einschlägige Rezepte zu finden. Deshalb haben wir uns in die
Kartoffeln gestürzt, wäre ja komisch, wenn es die in Estland nicht
gäbe. Dazu haben wir ein neues Eichhörnchen eingeladen, es heisst Hüpfi
und ist ein richtiger Kartoffelfreund. Mit einem ungestümen
Enthusiasmus hat es sich an die Kartoffeln rangemacht und geschickt
geschält.
Da wir vorhaben, Kartoffelpuffer zu machen, benötigen
wir rohe
Kartoffeln, geraffelt, so ca. ein Kilo. Da es scheinbar sehr frische
Kartoffeln sind, nehmen wir ein bisschen mehr und hoffen, dass es
trotzdem klappt. Wir haben die Internetseite bis zum Ende gelesen,
lauter Juhuh und toll und fantastisch unter den Nachmachern, aber keine
einzige Angabe über die Art der Kartoffeln. Das lässt doch wieder mal
weit blicken, ha ha.
Nachdem Lori vier Küchentücher voll mit dem
Kartoffelsaft
getränkt hat, findet unser Hüpfi, dass man mit den Kartoffeln
gescheiter Pommes frittes gemacht hätte. Aber davon wollen wir jetzt
nichts mehr wissen. Wir geben dann aber sicherheitshalber anstelle zwei
Eiern drei dazu und den verlangten Teelöffel Salz und Pfeffer. Eine
Zwiebel hat Hüpfi fachmännisch zerkleinert. Jetzt fehlt eigentlich nur
noch das Mehl.
Lori ist schon wieder experimentierfreudig und möchte
lieber
absolut kein Mehl, aber ich nehme dann doch die verlangten 120 g Mehl
für den Kartoffelteig, die sich im Nullkommanichts verdünnisieren.
Mustkatnuss kommt ebenfalls noch rein, aber dann geht es los. Wir
formen kleine Kuchen und braten sie knusprig bräunlich in
Sonnenblumenöl. Das war doch keine Sache, oder was?
Wir sind immer wieder überrascht, wenn uns etwas
gelingt, das
wir noch nie so gemacht haben, oder aber fast nicht so, und natürlich
dann doch wieder ähnlich, weil man ja nicht an sich selber zweifelt
sondern am Rezept. Kochen bleibt immer spannend und das Wichtigste ist:
es schmeckt.