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Häppchen
Wir kochen heute nichts, es ist zu heiss zum Essen. Aber
etwas
Kleines müssen wir trotzdem haben. Also scheuche ich zuerst einmal die
Hühner vom Küchentisch und frage anschliessend Lori, ob sie
eine
passende Idee hat. Wir könnten Häppchen machen, meint sie. Dazu habe
ich ebenfalls immer Lust, und so gucken wir erstmal in den Kühlschrank,
was wir noch so da haben.
Es hat noch eine schöne rote Paprika, das ist immer gut
fürs
Optische, also her damit. Das kleine Bibeli hat noch keinen Namen und
ich sage ihm einfach Bibeli bis es einen bekommen hat. "Also Bibeli,
bist du bereit, dann an die Säcke und alles schön kleinschnetzeln und
dann den Teigboden damit belegen. Da fragt mich doch das freche Küken
gleich: "Wie klein möchtest du es denn?"
Aber freche Schnäbel bin ich ja gewöhnt in der Küche und
ich
lasse den vorlauten Piepmatz erst einmal Zwiebeln schneiden. Das
schafft der oder die Kleine sehr schnell und ich bin vorübergehend
ratlos. Zum Glück hat Lori die bessere Idee. Wir haben ja noch diese
fürchterlichen Käsli, so ein Missgriff beim Posten, denn die
Dinger sind nicht vom Papier zu bekommen, fürchterlich. Also weg damit.
Speckwürfel haben wir ebenfalls immer im Kühlschrank,
aber die
müssen zuerst gebraten werden. Aber was hat jetzt dieses blöde
Federvieh? Es streikt als wir die Eier verwenden wollen. Phuh, da hat
man was, und auch Lori hat noch eine Überraschung an der Backe, hi hi
hiii. Gut, dann lassen wir halt die Eigelbe weg und tragen sie
irgendwie zu Grabe (schmatz schmatz).
Als ich den Blätterteig hergehievt habe, ist die
Entspannung
eindeutig zu spüren gewesen. Das Bibeli hat fröhlich Maiskörner
verteilt und Lori hat sich mit Sardellen und Oliven zurück gehalten. So
sind es eben die Küchlein geworden, die es an diesem Tag eindeutig sein
mussten, und wir drücken euch freudig die Daumen, dass ihr es exakt so
gut hinkriegt und die Geschmäcker euerer Gäste aufs Beste trefft.
Wundervoll. Schmatz schmatz.
Marillenkuchen
Lori ist noch am Wischen in der Küche. Wir
haben Salz gegen
die Ameisen gestreut gehabt und es hat gewirkt. Hi hi. Aber inzwischen
plumpsen die Marillen schon kiloweise runter von den Bäumen,
da
gibt es eben nichts anderes als Marillenkuchen zu machen. Da wir nicht
so ganz erfolgreich damit sind, weil viele Leute die Säure von den
Aprikosen nicht unbedingt vertragen, obwohl sie sie lieben, machen wir
es kurz und nur einen kleinen Kuchen zum Frühstück.
Und da nehmen wir keinen Blätter- keinen Brise oder
sonst einen
Teig, sondern wir greifen wieder mal lustig in unseren Mehlsack und
klumpen uns selber etwas zusammen. Es ist ja heutzutage schon so, dass
man einen Teig nicht wie früher mühevoll zusammenknetet, sondern lustig
locker in der "Luft" beziehungsweise in der Maschine herumwirbelt bis
er die gewünschte Konsistenz hat.
Das sagt mir Lori und ich lasse sie mit ihren weissen Eiern wieder das
Weite suchen.
Wenn ich an meinen Kochlehrer denke, phuh, der hätte
mich
durchfallen lassen, wenn ich den Teig so zusammengwurstelt hätte,
grinse ich, aber Lori weiss es besser, grinst auch und wir hauen
einfach alle Zutaten hinein und rühren es zusammen. Wahrscheinlich
hatte man ftüher noch nicht solch qualitativ hochwertiges Mehl und so
hochwertig qualitative Eier, hi hi hi, den hochqualifizierten Zucker
haben wir vergessen. Wer unsere Zusammensetzung wissen möchte, bitte
melden.
Was wir allerdings in der heutigen Zeit noch nicht
haben, ist
hochqualifiziertes Selbstauslegepapier, das gleich schon eine Rundung
ergibt. Da frage ich mich wieder einmal, warum denn ein Kuchen immer
noch rund sein muss, wenn der Backofen vier Ecken hat. Muss er gar
nicht, weisst du was? Wir backen neue Kuchen. Einfach mal grundlegend
was Neues. Lori blinzelt mich begeistert an.
Unsere Aprikosentarte, der Marillenkuchen, ist schon
fast fertig
und schmeckt wie annodazumal. Wir springen nun einfach mal über die
Planke und versuchen etwas Neues! Sage ich, und schlecke schon mal an
der Kelle. Und du meinst, das schmeckt dann immer noch gut und nicht
einfach nur neu? Das kann ich allerdings nicht versprechen, aber wir
wollen es versuchen. Backe backe Kuchen.Hauptsache es hat keinen
Koriander drin, hi hi.
Wichtig ist am Schluss ja nur, dass alles weggeputzt
wird, hi hi.
Walnuss-Karottentörtchen
Hoho, hoher Besuch kommt. "Es ist Perez, das frisch
erkorene Okapi in
Gugellandia." Aber mit neuen Tieren hat man immer so seine
Anfangsschwierigkeiten. Entweder sie sind zu frech oder zu ängstlich.
Ich habe dem Okapi nur gesagt, es solle nicht überall herumklettern,
schon war es stinkbeleidigt und wollte absolut nichts mehr machen. Dann
muss Loredana die Karotten eben selber raffeln, macht nichts, sie kann
das.
Wir haben eigentlich ein Heimspiel in der Küche, wir
machen
alles wie immer, nur, dass wir heute mit Walnüssen arbeiten, anstelle,
wie sonst, mit Mandeln oder Haselnüssen. Okapi Perez wird langsam
interessierter und wagt sich was. Ich tue, als würde es mich nichts
angehen, als es mit seinem Hinterfuss eine nervöse Zuckung macht und
mich kurzerhand in die Büsche schlägt. Hi hi. Ich stehe natürlich
gleich wieder da wie eine Eins.
Lori grinst noch, aber ich fasse mich schnell wieder und
erkläre
dem Okapi, wie man Eier trennt. Nicht mit den Hufen entzwei machen,
sondern sorgfältig halbieren, und das Eigelb vom Eiweiss trennen, ja
ha, klappt ganz gut, und das insgesamt sechs mal. Dann kommt der Trick
mit dem Stärkemehl. Da wir für unser Rezept ja kein normales Mehl
nehmen, sind wir besonders stolz, dass es sozusagen ein glutenfreies
Rezept ist,
Inzwischen hat unser Okapi einen Heuhupfer am Rücken. Es
ist
ganz begeistert und sie sind schon dicke Freunde. Aber, wir müssen ja
kochen und hier kein Insektenreservat in Szene setzen, also weiter geht
es. Mit dem Eiweiss schlagen von den ganzen sechs Eiern, dann das
Maizena und das Backpulver müssen noch mit den Nüssen und Karotten
einig gerührt werden.
Ich bin immer wieder verwundert darüber, was gewisse
Leute mit
ihren Küchenmaschinen alles können, während wir für die selbe Arbeit
nur eine Kelle benötigen. Hi hi. Alles gelernte Maschinenputzer,
wahrscheinlich, hi hi. Und wir? Rührpersonal, ho ho. Das Okapi ist nun
lansam ebenfalls ein bisschen küchenambitioniert wie wir und schleckt
und schnuppert fröhlich herum. Da wir keine minderjährige Esser
erwarten, würzt Lori mit einem kräftigen Schluck von der Kirschflasche,
und siehe da.
Die Karottenküchlein sind ein bisschen von der Form
gekippt, hi
hi. aber wir haben ja noch mehr davon gemacht. Alles gut geworden und
sehr schmackhaft, man kann jedes Rezept immer mal mit anderen Nüssen
versuchen. Gell Perez.
Peperonata
Tante Lori hat ein Hündchen im Schlepp. "Was will denn
der
hier?" Er hätte sich durch die Waschstrasse gekämpft und sei jetzt
wieder pieke weiss. Na schön, dann kommt halt. Es gibt Peperoni zu
rüsten, Meinst du, der Kleine kann das? Zuerst lässt man angehende
Kochlehrlinge immer mal die Zwiebeln schneiden, um zu sehen, ob sie
etwas können. Wie heisst denn der neue Star am Kochhimmel? Pepi oder
Beppi, irgend so etwas habe ich verstanden. Na schön, dann mal gut
Schnetzel.
Der Kleine hat sich bei der ganzen Kleinarbeit recht gut
angestellt, aber plötzlich war er wie vom Erdboden verschwunden. "Wo
ist denn Pepi?" frage ich Loredana und sie weiss es ebenfalls nicht. Er
war gerade noch da, aber schwupp, weg ist er, hat sich gedrückt, die
Arbeit bleibt an uns selber hängen, na sowas. Wir haben keine
Zeit, ihn zu suchen, aber zu fluchen.
Ist halt ein Hund, was erwartest du von dem? schnöde ich
und
Lori guckt in die Runde. Aber es ist nicht nur das weisse Wollknäuel
verschwunden, sondern ebenfalls das Fahrrad. Pepi war eben bei der
Geschichte mit dem Schokoladehäuschen dabei und hat uns noch in
Verdacht, das ganze Häuschen verschwinden gelassen zu haben. Aber was
will er damit beweisen?
Lori hackt ein paar Knofizehen, und ich habe noch
Mitleid mit zwei Zucchetti,
die mich so betend angucken, dass ich sie unter das Messer gelegt habe.
Aber da kommt unser kleiner Stinkstiefel wieder angebellt. Ohne Fahrrad
wohlgemerkt. Aber ich sage ja immer, ich benötige keine Hunde und
Ziegen in der Küche, also was solls?
Die Tante müht sich noch mit den Tomatenbüchsen ab.
"Welche hat
den besseren Inhalt?" Das ist bei den italienischen Dosen sehr
schwierig. Sie sind nur verschieden in der Bearbeitung, schmecken tun
sie alle hervorragend. Nämlich reif und tomatig. Sie sind sogar im
Gegensatz zu unseren Peperonis pellefrei, das heisst, sie
haben
keine Häute.
Aber wir sind nun ebenfalls bald fertig mit unserer
Peperonata.
Sie wird gekocht, gewürzt und zum Schluss natürlich genüsslich gegessen.
Viele Grüsse von Ottilio, Loredana und dem kleinen,
weissen Hündchen Pepi.