Garten- und Blumenkolumne, Pflanzenexperte und Ratgeber
präsentiert von Grünling, unserem Fachmann
Pilze

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Gartenecke: Oktober 2019




 
 Dreimasterblume (Tradescantia)
15. Oktober 2019: Es gibt über 100 in der Natur vorkommende, verschiedene Arten der Dreimasterblume (Tradescantia). Alle gehören zur Familie der Commelinagewächse. Ursprünglich kommen sie grösstenteils aus Mexiko und Südamerika. Am Erro, dem Lieblingsfluss, wo wir schon viele Abenteuer erleben durften, hat es zwischen den Steinen am Uferrand eine besonders hübsche heimische Sorte. Sie hat  zwei blaue und ein weisses Blütenblatt. Was alle Dreimasterpflanzen gemeinsam haben, sind ihre fast dreieckigen Blütenblätter mit auffälligen Staubblättern. Auch bekannt unter den Trivialnamen: Wasserranke, Gottesauge oder Zebrakraut.
dreimasterblume
dreimasterblume
dreimasterblume
dreimasterblume
Je nach Sorte variieren die Blätter. Es gibt zwei bis dreifarbige, gestreifte, behaarte und auch schilfartige. Ebenso variiert die Blütenfarbe, welche weiss, rosa, lila oder blau sein kann, einige Arten sind sukkulent (agavenähnlich). Alle gelten als leicht giftig. Viele Arten sind als Zimmerpflanzen geeignet, speziell in Ampeln machen sie eine hübsche Figur, da sie sehr lang werden können. Wer einen grünen Daumen hat, kann ja gleich eine Zucht aufmachen, aber auch zum Ausprobieren ist diese Pflanze sehr dankbar, denn sie wächst sehr schnell. Mittlerweile gibt es zahlreiche Neuzüchtungen, unter anderem sogar winterfeste. Sie vertragen keine Staunässe, aber sie sollen auch nicht austrocknen. Die Blütezeit reicht von Mai bis September. Danach bilden sich dreikammerige Kapselfrüchte mit ein bis zwei Samen pro Kapsel. 
dreimasterblume
dreimasterblume
dreimasterblume
dreimsterblume
Da sie nur bedingt winterfest sind, empfielt sich bei den Arten im Freien ein bodennaher Rückschnitt im Herbst. Mit Laub oder Reisig abdecken, im Frühjahr treiben die mehrjährigen Dreimasterblumen wieder aus. Aber Achtung, da sie auch als Selbstaussaat wieder Junge bekommen, können sie sich schnell vermehren. Im Falle zu grosser Ausbreitung kann man unbesorgt eine Wurzelteilung vornehmen und sie andernorts wieder einpflanzen. Die tropischen Arten können mit zunehmenden Alter durch ihre langen Triebe und ihrer Verkahlung oft unansehlich werden. Da empfielt es sich, Stecklinge zu machen. 4 bis 6 solcher mit einem Messer abgeschnittenen Stecklinge in einen Topf setzen, nach 2 - 3 Wochen verfügen sie über eine Wurzel und bilden schon bald wieder neue Blüten.
dreimasterblume
dreimasterblume
dreimasterblume
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Mexikanische Dreimasterblume (Tradescantia pallida)
dreimasterblume
dreimasterblume
dreimasterblume
dreimasterblume
Eine besonders Hübsche ist die mexikanische Dreimasterblume (Tradescantia pallida), auch Rotblatt genannt, welche wir bei unserem Besuch im Safari-Park entdecken konnten. Wie der Name schon sagt, stammt sie aus Mexiko, und will in der prallen Sonne stehen. Ihre Blätter sind lilafarben und die Blüten sind rosa. Ihre Wuchskraft ist enorm und bildet immer wieder neue Seitentriebe. Sobald es im Herbst unter 10 Grad wird, muss sie in die warme Stube gebracht werden.
dreimasterblume
dreimasterblume
dreimasterblume
dreimasterblume
Wenn der Überwinterungsort nicht direkt am Fenster liegt, verfärben sich die Stängel und das Laub ins grünliche. Sobald sie im Frühling wieder an die Sonne darf, wird sie wieder purpurfarbig. Zu gerne hätte ich dort im Park ein paar  Zweiglein abgezwackt und nach Hause gebracht, aber wir waren leider nicht unbeobachtet.  Euer Grünling

 
 Essigbaum (Rhus Typhina)
09. Oktober 2019: Bei unserem Ausflug in den Safari-Park entdeckte ich eine Ansammlung von schönen Bäumchen mit roten Kerzen. Es handelt sich hierbei um den Essigbaum (Thus Typhina). Der Name kommt daher, weil man in früheren Zeiten die roten Kolben in Essig einlegte, um diesen noch saurer zu machen. Der Trivialname "Hirschkolben-Sumach" wurde ihm vergeben, da die filzig behaarten jungen Zweige beim Austrieb an ein Hirschgeweih erinnern. Für alle, die solch einen Baum bei sich im Garten haben möchten, sei zuvor erwähnt, dass man sich unbedingt an die örtlich gesetzlichen Bestimmungen halten sollte, da er, wie z.B. in der Schweiz, teilweise verboten ist. 
essigbaum blüte
essigbaum
essigbaum
essigbaum
Das natürliche Areal des Essigbaumes ist im östlichen Nordamerika und in Kanada zu finden. Es gibt rund 150 verschiedene Arten, wie zum Beispiel den Geschlitzblättrigen-, gelbrünen Essigbaum, Tiger Eyes oder Feuerwedel. Meist strauchförmig werden sie normalerweise 3 - 5 Meter hoch, bei günstigen Standorten können sie aber auch bis 12 Meter hoch werden. Die Besonderheit sind die krummen Stämme mit einem Maximaldurchmesser von 35 cm und einer sehr breiten Krone. Nebst den wunderschönen rotfarbigen Blütenständen besticht der sehr kälteresistente Baum mit seiner Blätterfarbe im Herbst. Die gegenständig gefiederten Blätter färben sich zuerst gelb, später orange und im Oktober in ein "karmesinrot".
essigbaum
essigbaum
essigbaum
essigbaum
Eine weitere Besonderheit ist, dass das Holz fluoreszierend ist. Unter UV-Licht ist ein starkes neongelbes Leuchten (die Farben können variieren) zu sehen. Im Jahre 1620 wurde das erste Bäumchen nach Frankreich gebracht, 35 Jahre später nach Preussen, und bis zum Ende des 18. Jahrhunderts nur selten kultiviert. Die Verbreitung in Grünanlagen und Gärten erfolgte erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Nun ist es aber so, dass alle Teile dieses Baumes leicht giftig sind, nur die Früchte sind essbar. Will man so ein Bäumchen in seinem Garten, so ist es ratsam, weder Meerschweinchen, Kaninchen, Hunde oder Katzen zu haben. Für die Indianerstämme hatte der Baum aber medizinische Bedeutung. Die Wurzeln dienten als Mittel zur Blutstillung, die Früchte gegen Erkältung und Erkrankung der Lunge, und die innere Rinde wurde zur Herstellung von hellgelber Farbe zur Kriegsbemalung, sowie zum Färben von Stoffen verwendet.
essigbaum
essigbaum
essigbaum
essigbaum
Im Frühsommer beginnt die Blüte (männliche und weibliche), welche in endständigen aufrechten pyramidalen gelbgrünen feinhaarigen Blütenständen steht. Die Früchte sind von einer dichten zottigen Schicht langer und weicher Haare umgeben. Dabei handelt es sich um 4 mm lange und 4,5 mm rote Steinfrüchte. Die Samen werden häufig von Vögeln verbreitet. Aus den Früchten kann man eine Limonade verarbeiten. Das rosafarbene Getränk, reich an Vitamin C, hat einen leicht säuerlichen Geschmack und ist sehr erfrischend. Wichtig ist zu wissen, dass der Baum bereits nach 2 bis 3 Standjahren zahlreiche Jungtriebe aus den flachwachsenden Wurzeln bildet.  Zwischen 20 und 30 Schösslinge jährlich schiessen buchstäblich wie Pilze aus dem Wurzelgeflecht, und das in einem Umkreis von 10 Metern. Mühelos gelingt es dem Gewächs auch Gehwegplatten wegzuschieben oder unterirdische Rohre zu beschädigen. Da hilft nur eine professionell gelegte Wurzelsperre.  Der Baum selber hat geringe Ansprüche an den Boden, sowohl auf Kalk als auch auf Urgestein fühlt es sich wohl. Nur nasse Böden werden gemieden. Und dann wird so ein Bäumchen 60 - 70 Jahre alt, aber auch 100 jährige sind keine Seltenheit. Faszinierend, Euer Grünling


 
 Rosskastanie (Aesulus hippocastanum)
02. Oktober 2019: Ursprünglich kommt die Rosskastanie (Aesulus hippocastanum) aus Süd-Ost Europa und wurde mittels Samen erstmals von Konstantinopel im Jahre 1576 nach Wien gebracht. Von da weg führte sie ihren Siegeszug nach ganz Europa. Heute hat es viele Kastanienwälder in und um Wien, vor allem im Pratergelände, wo es prachtvolle, uralte Bäume zu bewundern gibt. So ein Baum kann nämlich 300 Jahre alt, bis zu 30 Meter hoch werden und eine Stammdicke von 1 Meter haben.
Rosskastanie
Rosskastanie
Rosskastanie
Tosskastanie
Bei uns in Gugellandia fehlten bisher diese raschwüchsigen, prachtvollen Bäume. Wir versuchen nun auch, ganze Alleen damit zu säumen. Das ist nicht ganz einfach, da diese Bäume schattige bis halbschattige Lagen, sowie feuchten Boden bevorzugen, also alles andere als bei uns mit dem trockenen heissen Klima im Sommer. Im Herbst steckt man die Kastanie in einen mit Erde gefüllten Topf und im Frühling erfolgt zuverlässig die Keimung. Nach 2 Jahren sind sie gross genug um in der Wildnis ausgesetzt zu werden. Da wir viele Rehe haben, die den Blättern und Knospen nicht widerstehen können, muss jedes Bäumchen, bis es gross genug ist, eingezäunt werden. Und weil man sich im Sommer  wegen Wassermangels nicht um jedes einzelne kümmern kann, lässt man das Unkraut und die Waldreben zwecks Schattenspende wuchern. Jetzt im Herbst werden sie davon befreit. Jene, die ich vor vier Jahren gesetzt habe, erreichen bereits eine stattliche Höhe von über einen Meter.
Rosskastanie
Rosskastanie
Rosskastanie
Rosskastanie
Die Knospenbildung, die ein klebriges Harz absondert, erfolgt bereits jetzt. Die Blütezeit ist April/Mai bis in den Juni hinein. Bis zu 100 Einzelblüten hat so eine Blütenkerze, die zahlreiche Bienen, Hummeln und Insekten anlockt. Die aufrecht stehenden Blüten  werden im Volksmund auch "Kerzen" genannt. Die fünfzähligen Blüten haben einen gelben Fleck, der gleichzeitig der Wegweiser zum Nektar ist. Nach der Bestäubung wandelt sich dieser leuchtend gelbe Fleck in ein intensives Rot, was zugleich ein Stoppsignal für die Insekten ist.
Rosskastanie
Rosskastanie
Rosskastanie
Rosskastanie
Danach bilden sich hellgrüne stachelige Kapselfrüchte. Darin befinden sich 1 bis 3 heranreifende Früchte. Im Herbst fallen die reifen Früchte mittels Schwerkraft zu Boden. Beim Aufprall kullern die Samen, sprich Kastanien, einige Meter weit und keimen, sofern sie nicht gefressen werden, im nächsten Frühling.
Rosskastanie
Rosskastanie
Rosskastanie
Rosskastanie
Diese Kastanien sind roh für den Menschen ungeniessbar, umso beliebter aber bei den Waldtieren, und sie werden auch heute noch für für die Winterfütterung von Rotwild und Rehen gesammelt. Übrigens wurde die Rosskastanie 2005 zum Baum des Jahres, sowie 2008 zur Arzneipflanze des Jahres gekürt. Die Rosskastanie besitzt nämlich vielfältige Heilwikung. Es ist dies ein Grundstoff für die Pharmaindustie. Aus Samen, Borke, Blättern und Blüten entnimmt man den Wirkstoff und der ist  in über 100verschiedenen Arzneimitteln enthalten. Vor allem ist die herausragende Wirkung auf die Gefässsysteme zu erwähnen, die gegen Krampfadern oder Wadenkrämpfe wahre Wunder wirkt. Die getrockneten Blätter werden zudem zur Teezubereitung verwendet.
Rosskastanie
Rosskastanie
Rosskastanie
Rosskastanie
Insgesamt sind 13 Arten bekannt, nebst weissen gibt es auch gelbrote Blüten. Und darunter gibt es wieder Varietäten mit verschiedenen Blattformen. Die Rosskastanie ist zudem ein Flachwurzler mit ausreichend starkem Wurzelwerk. Der Stamm des Baumes ist im übrigen immer rechts wüchsig und gehört zur Gattung der Seifenbaumgewächse. Aus den Samen wird deshalb auch Seifenpulver hergestellt. Verschiedenen Pflanzenteilen werden zudem für das Färben von Wolle verwendet. Auch lustige Trivialnamen gibt es, wie: Kastüterä, Chegäläbaum (aus der Schweiz), Bitterkastanie oder Gichtbaum.
Rosskastanie
Rosskastanie
Rosskastanie
Auch sind die wunderschönen, glänzenden Kastanien auch gut zum Basteln geeignet. Man kann Ketten daraus machen, oder, wie hier Edi, neue Tiersorten zum Leben erwecken. Euer Grünling


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