Garten- und Blumenkolumne, Pflanzenexperte und Ratgeber
präsentiert von Grünling, unserem Fachmann
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August 2016

 
Rainfarn (Tanacetum vulgare)
31. August 2016: Rainfarn (Tanacetum vulgare): Dieses interessante Kraut gehört zu den sogenannten "Kompasspflanzen". Ihre Blätter richten sich bei Sonnenschein genau senkrecht nach Süden. Es ist stark wuchernd und wird bi szu 130 cm hoch. Es ist dies eine Pflanze, die wintergrün ist und ihre Wurzeln reichen bis zu 90 cm tief in den Boden. Zudem ist es ein Kriechwurzler, die Vermehrung erfolgt durch unterirdische Ausläufer. Aber das interessanteste an dieser Pflanze ist, dass sie einen eigenartigen Geruch hat. Manche mögen es, manche empfinden es als unangenehm.
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Tatsache allerdings ist, dass die Blüten von vielen Insekten gemieden werden. Eine Ausnahme bilden da diverse Raupen und zwei Käferarten, die dieses Kraut zu lieben pflegen. Früher wurden die Blüten und Blätter sogar ausgestreut, um lästiges Ungeziefer fernzuhalten. Auch wurden sie angepflanzt um erfolgreich den Kartoffelkäfer zu vertreiben. Als "Färbepflanze" findet sie auch heute noch Verwendung. Es gibt verschiedene Unterarten, von denen einige stark giftig sind. Es ist also eine Glückssache, ob man nun an ein giftiges oder ungiftiges Rainfarn gerät. Blütezeit ist übrigens von Juni bis Ende September.
kanadische Goldrute (Solidago canadensis)
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Was jetzt ebenfalls blüht, ist die kanadische Goldrute (Solidago canadensis). Sie wird als Arzneipflanze eingesetzt und wird ebenfalls als Färbepflanze verwendet. Sie kommt ursprünglich aus Nordamerika, daher auch die Namensgebung. Sie erreicht zudem eine Wuchshöhe bis zu 250 cm. Nun aber zu der Problematik dieser Pflanze. Sie hat im Gegensatz zu Amerika hier in Europa nämlich keine natürlichen Feinde und kann sich sehr schnell und weit ausbreiten. Die Klone der Sprossen kann ein Alter bis zu 100 Jahren ereichen. Sie bildet schnell grosse Kolonien und verdrängt somit einheimische lichtliebende Pflanzen.
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Auch die Vermehrung durch Samen ist enorm, da gewisse Goldruten-Arten bis zu 19'000 Samen pro Stängel produzieren. Das Verdrängungspotential äussert sich durch unterirdische Ausläufer, und kann dadurch grosse Flächen erobern. Die Bekämpfung ist sehr aufwendig, und muss über Jahre durchgeführt werden, da die Goldrute extrem regenerationsfähig und trockenresistent ist. Will man sie mit blossem Mähen etwas eindämmen, so ist dies mindestens zwei Mal pro Jahr notwendig. Andernfalls bildet sich eine artenarme Monovegitation. Wir in Gugellandia haben auf einer unserer Wiesen dieses Problem. Wo früher Walderdbeeren, Margarithen und sonstige Blumen wuchsen, hat sich dieses Kraut breit gemacht. Wir sind aber zuversichtlich, und hoffen, eines Tages dieses Problem im Griff zu bekommen. Es ist eben nicht alles Gold, was glänzt. Bis zum nächsten Mal, Euer Grünling
 
Ackerwinde (Convolvulus arvensis):
24. August 2016: Wie der Name schon sagt, gehört sie zu den Windengewächsen. Sie ist eine winterharte und mehrjärige Pflanze, welche im Boden ein dichtes Netzwerk an Wurzelsprossen hat. Es ist dies eine linkswindende Kletterstaude und eine typische Trockenheitspflanze. Ihr Wurzelwerk reicht bis zu zwei Meter tief. Es gibt sie weltweit, ja sogar in den subtropischen Zonen. Die Blüten sind nur einen Tag geöffnet, gehen am Morgen auf, und schliessen sich nach der Mittagszeit. Bei Regenwetter bleiben die Blüten geschlossen, daher gilt sie auch als Wetterprohet.
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In der Natur hier bei uns in Gugellandia gibt es deren zwei Sorten. Die weiss blühenden, welche überall anzutreffen sind, und die rosarotblühenden, welche nur auf steilen Abhängen zu finden sind. Im übrigen ist sie eine altbekannte Heilpflanze, die Blüten bieten reichlich Nektar, und sie wird auch gerne vom Nutzvieh als Beilage im Heu gefressen. Für den Menschen ist sie leicht giftig, daher sollte man die Ackerwinde nur richtig dosiert in Teegemischen anwenden.
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Zaunwinde (Calystegia sepium):
Einer Legende nach (Gebrüder Grimm) trank die Mutter Gottes aus einer Blüte ein Glas Wein. Daher kommt auch der volkstümliche Name: Muttergottesgläschen. Für jeden Gärtner und auch Bauern gehört sie zu den gefürchteten Unkräutern. Man kann sie nämlich nicht ausrotten. Das grösste Problem ist das Ausgraben. Dabei sollte man vorsichtig umgehen, da aus jedem Wurzelrest, der im Boden zurückbleibt, sich wieder neue Pflanzen entwickeln, und das Problem ist wieder das selbe. Keinenfalls mit dem Spaten, dadurch wird der Wurzelstock zerhackt, und trägt zur einer Ausbreitung dieses Gewächses bei. Und dann gibt es noch die Zaunwinde (Calystegia sepium): 
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Die Blüten sind ähnlich, wie bei der Ackerwinde trichterförmig, jedoch um das doppelte grösser. Es gibt sie in den verschiedensten Farben, weiss, rosa, lila, rötlch, türkis, hell- und dunkelblau. Auch die Blattform unterscheidet sich von der Ackerwinde. Sie ist eher rundlich und deutlich grösser. Auch ist sie nur einjährig. Nach der Blüte bilden sich die Samenkapseln, welche für den nächsten Frühling zur Aussaat bestens geeignet sind. Blütezeit ist Juni bis in den Herbst hinein. Durch die herabfallenden Samen haben wir hier in Gugellandia sie mittlerweile überall. Sie haben kaum ein grosses Wurzelwerk, und sind gleichzeitig auch willkommene Schattenspender für anderes darunterwachsendes Gemüse. 
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Ich wünsche allen Garten- Pflanzen- und Blumenliebhabern eine schöne Woche. Bei mir ist wiedermal Giessen angesagt. Euer Grünling
  
Feige (Ficus carica):
17. August 2016: Es gäbe Unmengen über diesen Baum zu berichten, das würde aber hier den Rahmen sprengen. Zum Beispiel, dass die ganze Pflanze einen Milchsaft enthält, dass der Baum empfindsam gegen Staunässe und übermässiger Feuchtigkeit, besonders zur Fruchtreife ist. Dass er Frostempindlich ist und Schaden ab - 10 Grad nehmen kann. Das trifft bei uns in Gugellandia aber alles nicht zu, und deshalb gedeihen sie auch so gut. Es gibt hierzulande zwei Sorten, die einen tragen grüne Früchte, die Mehrheit aber Blaue. Nun will ich aber in beschaulicher Weise die Entwicklung der Früchte erklären. 
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Der Baum hat nämlich keine Blüten, wie man sie von anderen Obstbäumen gewohnt ist. Er bildet sofort Fruchtkörper, die eigentlich gleichzeitig auch die Blüte darstellen. Die Blütenkerne sind nämlich nicht sichtbar, sie sind nach innen gewölbt, und oben hat es eine kaum sichtbare Öffnung, welche nur durch die Gallenwespe erreicht werden kann. Es ist dies ein kleines Tierchen, welches kaum 3 Millimeter gross ist. Die sogenannte Blüte erfolgt 3 Mal pro Jahr, nämlich im Febr./März, im Mai/Juni und im Aug./Sept. Im Frühling schlüpfen die Gallenwespen aus den überwinterten Fruchbeständen der Feige. Die begatteten Weibchen verlassen nun den Fruchtverband und suchen nun die Feige der 1. Generation.
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Da die Gallenwespe auf ihrem Weg keine männlichen Blüten findet, wird diese Generation nicht bestäubt und fruchten daher auch nicht. In den kurzgriffigen Blüten werden jedoch die Eier abgelegt. Die nun frühzeitig abfallenden Feigen, welche sich verholzt anfühlen, fallen dann ab. Im Mai/Juni  schlüpft die zweite Generation der Gallenwespe. Die Weibchen verlassen nach der Begattung den Blütenstand, schlüpfen in die neuen "Scheinblüten" und befruchten sie mit den Pollen der nun blühenden männlichen Blüte und so reift dann die Frucht. Die Befruchtung der dritten Generation läuft genau gleich ab, wie die zweite, und die Früchte reifen erst im kommenden Frühjahr. und auch die neue Gallenwespengeneration schlüpft im Frühling und der Kreislauf beginnt von Neuem. Tönt etwas kompliziert, aber so funktioniert der Reifeprozess der Feige. Euer Grünling
 
Vogelbeeren (Sorbus aucuparia) und Schneeball (Viburnum latana)
10. August 2016: Eigentlich wollte ich ja über was anderes schreiben, aber wie ich sehe, muss ich notgedrungen über Beeren schreiben. Über Vogelbeeren (Sorbus aucuparia) und dem wolligen Schneeball (Viburnum latana): Die Unterscheidung ist ganz einfach: 
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Links oben im Bild die Blüte des Schneeballen und rechts davon die Beeren. Die Blätter sind oval. Auf den Bildern 3 und 4 wiederum die Blüte der Vogelbeere und ganz rechts davon die reifen Beeren. Die Blätter davon sind gefiedert. Die folgenden Bilder sind alles die Früchte des giftigen Schneeballen., denn nur er ist in Gugellandia überall anzutreffen. Die Vogelbeere hingegen fehlt bei uns. Aber keine Angst: unsere Tiere haben nicht von diesen Beeren genascht.
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Nun aber zuerst noch wissenswertes über die bei uns hierzulande fehlende Vogelbeere. Sie wird auch Eberesche, Drosselbeere oder Quitsche genannt. Für Insekten, Vögel und Säugetiere ist sie eine wertvolle Futterpflanze. In den Alpen ist sie sogar in einer Höhe von bis zu 2'400 Meter Höhe anzutreffen. Das Durchschnittsalter dieses Baumes oder Strauchs liegt bei 80 bis 120 Jahren. Die Früchte reifen von August  bis September. Es sind dies leuchtend rote und kugelige Beeren und sind botanisch gesehen übrigens Apfelfrüchte. 
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Dass Vogelbeeren giftig sind, ist ein weit verbreiteter Aberglaube. Im Gegenteil: Die Heilwirkung dieser Beere wurde bereits nachgewiesen, und man kann daraus sowohl Marmelade als auch Schnaps herstellen. Sie enthalten zudem sehr viel Vitamin C. Die rohen Früchte sind jedoch bitter und ungeniessbar. Im Herbst übrigens zeigen die Blätter eine wunderschöne Färbung von goldgelb bis rotgelb.
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Nun noch ein paar Worte über den höchst giftigen Schneeballen. Er gehört zu den Moschuskrautgewächsen. Die Blütezeit ist der Wonnemonat April mit seinem, wie der Name bereits sagt, wundervollen weissen Blüten. Die roten Beeren färben sich in den Monaten August und September in ein dunkles schwarz. Die Früchte bleiben bis in die Wintermonate am Strauch. An dieser Pflanze ist wie gesagt alles giftig, angefangen von den Beeren, den Blättern, und auch der Rinde. Wissenswert allerdings ist, dass aus den Ästen die Pfeile für das Bogenschiessen gefertigt werden.(schon bei der 5'300 Jahre alten Gletschermumie "Ötzi" hat man Pfeile aus diesem Holz  gefunden)
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Abschliessend bringe ich noch vier Bilder von diversen Kürbissen, die sich sichtlich wohl bei uns fühlen. Aber bis zu Halloween ist ja noch genügend Zeit, um ihre Grössen und Färbungen zu entwickeln. Auch die Zucchetti sind bereits erntereif. Bis nächste Woche, Euer Grünling. 
 
Waldrebe (Clematis vitalba):
03. August 2016: Sie gehört zur Familie der Hahnenfussgewächse und wird zu den Lianen gezählt. Im Juni ist dieses Gewächs voll in der Blütezeit. Wunderschön zum ansehen, auch süss duftend, aber was sich daraus entwickelt, will ich hier kurz erklären.
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Bei uns in Gugellandia könnte man mancherorts meinen, man wäre im Urwald. Die Waldrebe ist nämlich ein Linkswinder und ein Blattstielkletterer. Das heisst: Die Blatttstiele und Spindeln umklammern nach Berührung ihre Stützen und klettern den Bäumen oder Sträuchern hoch. Die bewachsenen Bäume werden somit durch das Gewicht der Waldrebe und dem Lichtentzug zum Absterben gebracht.
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Der Durchmesser einer dieser Lianen kann im Normalfall bis zu 6 cm betragen. Bei uns in Gugellandia ist das allerdings untertrieben, denn hierzulande haben manche Exemplare einen Durchmesser von 20 cm. Sie wachsen unaufhörlich und klettern über 10 Meter hoch.
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Aus den Fruchtblättern entwickeln sich in den Sommermonaten kleine Nüsschen. Die Griffel verlängern sich dazu in schwanzartige, weiss behaarte Anhänger, und dienen als Flugorgan zur Windverbreitung. Es sind sozusagen Federschweifflieger. Die langlebigen Samen sind dann Kältekeimer, und im Frühling gibt es dann "Junge".
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Die Pflanzenteile sind durch "Protoanemin" für euch Menschen giftig. Deshalb nannte man sie früher auch "Teufelszwirn". Die trockenen Stängel werden übrigens gerne von Kindern angezündet und geraucht. In Österreich werden diese Stängel auch als "Waldtschick" bezeichnet. In der Schweiz als "Niele-rauche"
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Die Triebspitzen sind aber eine wahre Delikatesse für unsere beiden Zwergkaninchen. Als Bastelmaterial sind die Lianen ebenfalls sehr geeignet. Sowohl als Hoola-Hoop Reifen, als auch als Untergrundmaterial für unseren Adventskranz im Dezember. Frisch geschnittene Lianen sind sehr gut formbar. 
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Hierzulande gilt die Waldrebe als Unkraut-Pflanze und ist wohl kaum auszurotten. Sie hat nämlich ein weitverzweigtes Wurzelsystem. Im zweiten Bild unten seht ihr mich mit einem dieser ausgegrabenen Wurzelstöcke. Aber auch das hilft nichts, man hat sicher noch verbleibende Wurzelenden übersehen, und diese wachsen sofort wieder neu zu grossen Lianen heran. Ich könnte noch viel mehr darüber erzählen, zum Beispiel über die verwandten Lianen, die in Madagaskar oder in Brasilien beheimatet sind. Die sind dann um ein gehöriges grösser und dicker.
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Ja, und dann wieder in eigener Sache. Unsere Haselnüsse haben diesjährig viel Früchte gebildet. Wir werden darauf achten, dass die vielen Siebenschläfer, die bei uns beheimatet sind, nicht alle Nüsschen vor unserer Ernte, verzehren. Bei den vielen Äpfeln müsssen wir uns keine Gedanken machen. Die Äste biegen sich bis zum Boden. Soviel, wie dieses Jahr hatten wir schon lange nicht. Gerne würden wir bei Reife diese an die Plüschpiraten oder Zärmchen und Co.  verschicken, wenn nur nicht das sündteure Porto wäre.
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Abschliessend will ich nochmals einen kleinen Tipp oder Hinweis geben. Für die Vermehrung von Lavendel oder Rosmarin ist jetzt der ideale Zeitpunkt. Euer Grünling.

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