News : Immer das Neuste aus Gugellandia

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Mai 2021






 
Das Spiel der Könige
Das Spielfeld war ins Trockene verlegt worden. Harry und Beppa haben die verbogenen Kartons mit dicken Lexika beschwert. Man hofft, dass es beim zweiten Anlauf nun klappt, ein tolles Schachturnier auf die Beine zu stellen. Es ist auch noch Besuch angereist. Der frischvermählte Felix besucht mit seiner Crew Gugellandia. Alle Spieler drehen sich um, als er kommt und jubeln. "Viva gli Sposi!", was so viel heisst wie "Hoch leben die Brautleute".
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Es nähern sich nun auch noch viele andere Neugierige dem Spielfeld. Wo ein sportlicher Anlass ist, gibt es ja meistens immer auch Popcorn und Vergissmeinnichttrank, oder Millegusti-Chips und Torte. Aber diesmal ist nichts davon zu sehen. Man befürchtet, die Spieler würden sich davon ablenken lassen. Es soll ja ein fairer Kampf werden. Gugellandier gegen Flaschen. Und zwar volle Flaschen!
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Nun erscheinen sogar noch Verwandte aus dem gegnerischen Lager, es scheint sich um Stammesväter zu handeln, so riesig wie sie daherkommen. Frifri und Regie sind mit der Schubkarre unterwegs. "Sollen wir die Bücher wegräumen oder sicherheitshalber noch hier behalten?  Auch Kimba ist noch in Gugellandia. Er möchte das Spiel natürlich nicht versäumen, und der Hai hat sich bisher sehr freundschaftlich gezeigt.
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Das Spiel beginnt. Irgendwann muss man ja schliesslich einmal anfangen. Die Gugellandier stellen 'die Weissen' dar und die Flaschen muss man sich als 'die Schwarzen' vorstellen.
Harry eröffnet die Partie und geht zwei Felder vor. Atemlose Spannung herrscht, dabei weiss jeder, dass so eine Schachpartie am Anfang relativ langweilig sein kann.
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Die Flaschen bewegen ebenfalls einen Bauer, unterschiedlich dürfen diese beim ersten Zug wählen, ob sie ein oder zwei Felder vorrücken. So ergibt sich nach und nach ein feierliches Bild, wenn die Figuren langsam auf einander zugehen. "Keine Angst, es wird dann schon noch ungemütlich." grinst der Hai. Kimba muss lachen und die Figuren auf dem Schachbrett vor ihnen nachstellen.  Falls die auf dem Turnierplatz die Übersicht verlieren, weiss man wenigstens wo man stehen müsste.
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Wie von MARIONETTENFAEDEN gleitet, schweben, wackeln und hüpfen die Bauern der gegnerischen Seite entgegen. Auch Schnorbert hat einen Zug gemacht, bis jetzt gibt es noch kein einziges Opfer. Das ist, weil die Bauern gegenseitig ihre eigenen Figuren decken, weil ein Bauer nur die auf dem schräg vor ihm liegenden Feld "schnappen" darf. So sind die Regeln. Aber das Publikum möchte natürlich tolle Zweikämpfe sehen.
"Los, lasst doch endlich mal die Fetzen fliegen."  
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Bauer Mauli nimmt das etwas zu wörtlich und fetzt gleich zwei Felder vor, ohne Rückendeckung. Das sieht ein gegnerisches Campari-Fläschchen und stellt sich direkt vor ihn hin.  Mauli schaut noch einmal zurück zu Zottel, der ihm rät, ein Feld weiter zu gehen. Aber der Maulwurf kann der Versuchung nicht widerstehen und schlägt zu. Das arme Campari-Bauernfräulein muss das Spielfeld verlassen.
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Während sich Mauli noch sehr gross vorkommt, machen sich die Verwandten verzweifelte Sorgen, als sie einen merkwürdigen Flaschenöffner im Gras sehen. "Was das wohl zu bedeuten hat? Die werden unsere Mannschaft doch nicht etwa austrinken wollen?" Urgrossvater Rotweinflasche macht ein sorgenvolles Gesicht. "Aber nein," lacht Ururgrossmutter Damigiana, "die wären ja dann total besoffen, ha ha ha." Das ganze Publikum lacht mit.
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Inzwischen hat Mauli nichts mehr zu lachen, denn er wird nun seinerseits von einem gegnerischen Campari abserviert. Wenn die Bauern weg sind, gibt es Platz für die hinteren Figuren, sich besser nach vorne zu arbeiten. Schangelina flüstert Grünling bereits ihre Angriffspläne in die königlichen Ohren. "Ich zeige dir jetzt mal, wie man das macht." Und bevor Grünling etwas antworten kann, saust sie schon schräg über die ganzen weissen Felder bis zum Rand. Dort dreht sie sich theatralisch um, schaut auf die rote Figur vor sich und sagt: "Schach dem König."
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Durch die Zuschauermenge geht ein Raunen. "Was? Schon fertig? Das ist aber ein kurzes Spiel gewesen." findet Toffel, der gerne auch mitgespielt hätte. "Nein, natürlich nicht, der König kann sich ja noch entfernen. Er darf allerdings nur immer einen Schritt gehen, wie ein Bauer." klärt ihn Gugel auf.
Der Flaschenkönig ist durch Schangelina's Attacke doch sehr überrascht. Er hat zum Glück noch zwei Fluchtwege offen.
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Inzwischen denkt Miezi, durch Schangelinas Alleingang beflügelt: "Vielleicht sollte ich der Königin zu Hilfe eilen." Ohne länger zu überlegen, saust sie ebenfalls los, um sich in gegnerisches Gebiet zu begeben. Sie schnappt sich bei dieser Gelegenheit gleich einen Campari-Bauer und schickt diesen vom Spielfeld.
Der gugelländische Teil der Zuschauer jubelt. "Seid still, wir sind hier nicht auf dem Fussballfeld!"
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Obwohl die Flaschen erst zwei Bauern verloren haben und die Gugels einen, fühlen sie sich etwas gereizt durch die scheinbar unlogischen Angriffe der zwei weissen Gegenspieler. Was mochten die nur vorhaben. Aber nun holt die Flaschenkönigin zum Gegenanschlag aus. In geschmeidigem Tempo schiebt sie über die braunen Felder bis auf das letzte. "Schach dem König." lächelt sie und schaut ihn forsch mit ihren Kulleraugen an. Grünling steht im Schach, das ist nicht gut.
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Schnorbert weiss Rat und dreht sich zu Puck um. "Los, komm eins vor, dann stehst du der Königin im Weg. Fressen kann sie dich nicht, denn du bist vom Pferd gedeckt."  "Ich will weder vom Pferd gedeckt noch der Königin im Weg stehen, kann ich nicht einfach hier bleiben?"  Aber Schnorbert wirft ihm einen so grimmigen Blick zu, dass er ohne weitere Widerworte den gefährlichen Schritt wagt.  Der Flaschenkönigin passt das zwar nicht, abe sie greift nicht weiter an. Jetzt knistert es wieder auf der anderen Seite.
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Miezi wird von einem kleinen Camparibäuerchen bedroht. "Was willst denn du, kleiner Knilch, hier?" Aber sie erkennt den Ernst der Lage. Zwischen ihr und dem "Knilch" steht der gegnerische Turm. "Stell dich hinter mich Miezi, dann kann der Bauer nicht weg und muss hier stehen bleiben." Die Situation ist so spannend, dass man beinahe vergisst, was man selber für Angriffspläne hatte. Jetzt müssen sie plötzlich wieder die eigene Haut retten. Miezi verschanzt sich also vorerst hinter Schangelina auf einem braunen Feld.
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Schon naht nämlich die nächste Gefahr. Das Flaschenpferd sieht unangenehm aus mit seinem dicken Hufeisen um den Hals. Es springt nun genau auf das Feld, von dem nun Schangelina bedroht wird. "Was fällt dir ein, ich bin hier die Königin." schimpft sie und schaut sich nach einem Fluchtweg um. Sie stellt sich direkt vor das Pferd und setzt so gleich auch noch den gegnerischen König erneut in Schach. "Gar keine schlechte Idee." lobt sie sich selber schmunzelnd. Auch das Publikum ist begeistert.
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So ist das oft beim Schach, wenn man bedroht wird und einen Ausweg sucht, findet man ein Feld, von dem aus das ganze Spiel wieder schlagartig in die andere Richtung geht. Es gibt ja Spieler und Computer, die beherrschen jede Strategie auswendig. Hier in Gugellandia will man natürlich etwas Unterhaltung bieten, das klappt am besten, wenn ein paar übermütige Spieler Risiken auf sich nehmen. Der Flaschenkönig findet Schangelina nun auch etwas nervig, geht aber brav ein Feld zur Seite.
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Das Feld ist für die Spieler riesengross und relativ unübersichtlich, deshalb ist man froh, dass Kimba und Kai gut "Buch" über die Abläufe führen. "Da drüben bei Schnorbert bahnt sich etwas an." brüllt Kai. Ein gegnerischer Bauer hat sich an Schnorbert herangearbeitet. "Du meinst ich fresse dich, du billiger Campari, da nehme ich lieber etwas Besseres." In typisch frecher Manier lässt er den Bauer links liegen und sagt "Schach der Dame!" Diese kann ihm keins auswischen, denn er ist von Puck gedeckt.
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Immer, wenn die Dame unterwegs ist, geht ein Raunen durch die Ränge, es ist die gefährlichste Spielfigur, denn sie kann in alle Richtungen zuschlagen. Jetzt steht sie zum Beispiel direkt vor Harry, dessen Feld aber von Edi beschützt ist, so dass er eigentlich keine Angst zu haben braucht. Sabrina hat alles gesehen und scharrt mit den Hufen. "Kann ich nicht endlich auch einmal etwas zum Spiel beitragen? Immer nur den Guido von hinten anschauen, das ist doch nicht Schach spielen!"
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Es ist auffällig, dass besonders weisse Tiere dieses Angriffstemperament haben. Aber man lässt Sabrina gewähren und sie hüpft elegant über Guido drüber. "Schach der Dame!" verkündet sie und blickt stolz in die Runde. Aber merkwürdigerweise interessiert das niemand, oder aber, die haben wieder eine Taktik geändert. Die Dame bleibt nämlich stocksteif auf ihrem bedrohten Posten stehen.  "Merkwürdig" denken alle.
Ein kleines Campari-Bauernmädchen ist jetzt an der Vertreibung von Edi schuld. "Tut mir leid, Edi, das ist jetzt mein Feld." 
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Edi muss gehen. Die Emotionen sind beim Schach eben auch nicht zu unterschätzen. Zeig, der den weissen Läufer mimt, ist empört. "Du kannst nicht einfach so ungestraft unseren Edi vertreiben!" Und schon hat die Gegenmannschaft auch einen Bauer weniger. Das Manöver war geschickt eingefädelt, denn nun sind wieder die Flaschen am Zug.
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Als wäre nichts gewesen schiebt sich die Flaschendame ein Feld vorwärts. Sabrina ist verärgert, denn sie hätte sicher Aufsehen erregt, wenn sie die gegnerische Königin vom Feld geräumt hätte. Aber jetzt muss sie hier stehen bleiben und die Miezi vor Angriffen schützen. Dafür kommt ihr jetzt Amadeus zu Hilfe. Das gugelländische braune Pferd hat sich vorgeprescht und kann so verschiedene Felder absichern.
Schwupp, da erscheint ein Verduzzo. Das sind die gegnerischen Läufer. Die sind auch nicht gut, wenn sie so weit nach vorne kommen. Es steht wieder nicht besonders gut für die gugelländische Schachmannschaft.
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Miezi hat aus dem "Edi-Manöver" gelernt, dass es ganz gut ist, den Gegner abzulenken und auf eine andere Spur zu bringen. Sie verblüfft alle mit einem überraschenden Zug. Sie krallt sich das Pferd, das vorhin noch Schangelina bedroht hat. Leider wird sie bei diesem Unterfangen ebenfalls erledigt. Aber das war es ihr wert. Jetzt sitzt sie zusammen mit dem Flaschenpferd am Spielfeldrand und beide lachen, aber eher vor Verlegenheit.
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Im Publikum wird man nun ebenfalls unruhig. "Habt ihr einen Schirm dabei?" Man sieht schon deutlich die Tropfen, die sich munter auf dem Schachbrett niederlassen. "Diese WETTERVERSCHLECHTERUNG muss ein Irrtum sein." Zeig versteht die Welt nicht mehr. Aber die Anzeichen am Himmel sind nicht gerade schachfreundlich.
"Wir müssen unterbrechen. Holt euch bei Loredana einen Irish Coffee oder Kaffee und Kuchen, wir machen weiter, wenn das Gewitter verzogen ist."
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Bald scheint wieder die Sonne und es könnte weiter gehen. Felix und Peso haben inzwischen aber eine merkwürdige Feststellung gemacht. "Dass das niemand gemerkt hat?" wundern sie sich, behalten aber ihre Entdeckung für sich, denn soeben ruft Guido alle zusammen. "Passt auf, jetzt komme dann ich ins Spiel!" Das wollen natürlich alle sehen und begeben sich wieder auf ihre Plätze.
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Tatsächlich wagt die gugelländische Rätselmöwe einen waghalsigen Schritt und bedroht die Dame. Schräg hinter ihm befindet sich noch Wendy, die bis jetzt noch keinen einzigen Schritt gemacht hat. Nun aber ist sie sehr wichtig für das ganze Spiel. Aber die Flaschenkönigin gibt sich nicht sehr beeindruckt von Guido. Sie schweift ab und wirft erstmal Amadeus um. Für das Pferd ist nun das Spiel vorbei. Aber noch schlimmer ist, dass die Dame genau vor dem König steht.
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"Was soll denn das? Nett, dass du mich besuchen kommst, aber wie ich sehe, hast du keinen von deinen Anhängern dabei, also kann ich dich ganz gut eigenhändig vom Brett schubsen." Und so schlägt Grünling unter grossem Applaus die gegnerische Dame. Mit ein paar Walzerschritten führt er sie elegant an den Rand und setzt noch einen Spruch drauf. "Es war mir eine Ehre, Madam." So ein Schlingel!
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Nach einigen Schrecksekunden auf beiden Seiten geht nun das Spiel weiter. Die Verluste steigen, es wird immer leerer auf dem Feld. Und immer brutaler. Aber das Publikum ist begeistert. Endlich läuft bei jedem Zug etwas. Der Verduzzo schiesst das Pferd Sabrina ins Aus. Schangelina macht sich über einen noch verbliebenen Camparibauern her und setzt erneut den Flaschenkönig in Schach.  
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"Die schon wieder, die geht mir langsam auf den Keks." murmelt der fliehende König. Inzwischen macht sich Zottel als Turm ganz andere Sorgen. "Hoffentlich sind die dann nicht alle traurig, wenn sie ausgeschieden sind. Vielleicht sollte ich mich endlich auch ins Geschehen stürzen, vielleicht kann ich dann noch etwas verhindern."
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Nachdem sich der Flaschenkönig erneut auf ein Nebenfeld gerettet hat, erblickt Schangelina direkt auf ihrem Weg, ganz allein den Turm der Gegenpartei vor sich. "Ein Schnäppchen!" Wieder einer weniger. Aber genau gesehen haben die Flaschen immer noch reele Chancen zu gewinnen, allerdings ist ihnen diese gefrässige Dame schon ein Dorn im Auge. Sie bringen nun das zweite Pferd ins Spiel.
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Die Flaschenkönigin muss sich nicht vor ihren Urahnen rechtfertigen. "Das verstehen wir. Wenn man direkt auf dem Feld steht, kann man ja nicht alles überblicken."
Zottel kommt nun aus seiner Ecke und schnappt als erstes das Campari-Fläschchen, das ihm im Weg steht. "Tut mir leid, Kleines, aber geh lieber nach Hause, es könnte hier gefährlich werden."
Einen Zug später bedroht ein Campari-Bauer den Harry.
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Aber als dieser entdeckt, dass hinter dem Bauer kein Läufer sondern ein Pferd steht, fackelt er nicht lange und schmeisst die Flasche raus. "Es sind ja immer noch so viele Figuren auf dem Spielfeld. Tut doch endlich mal was!"
Obwohl sich der Flaschenkönig nicht im Schach befindet, geht er einen Schrägschritt nach vorne. Wahrscheinlich ahnt er etwas. Aber nun kommt Zeig und zeigt ihm das.
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Dadurch, dass der König nun anfängt auf dem ganzen Brett herum zu reisen, wird es immer schwieriger, ihn einzukreisen.  Das Hufeisenbier bedankt sich freundlich bei Harry, dass er einfach vorbei geht. Er will den König in Schach setzen. Seit Zottel auf gleicher Höhe ist, kann er sich das erlauben. Und wieder flieht das Flaschenoberhaupt im Gänseschritt in Richtung gegnerische Seite.
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Aber das ist Harry nun egal. Nur noch ein Feld liegt zwischen ihm und der BAUERNUMWANDLUNG. Wenn ein Bauer nämlich die gegnerische Seite erreicht hat, so steht es in den Regeln, kann er sich in eine beliebige Figur umwandeln.  Es müsste nur dieses Pferd endlich verschwinden, welches dauernd dieses letzte Feld unter Kontrolle hat. 
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Aber es kommt nicht dazu, denn rund um den gegnerischen König ist wieder einiges los. Zeig setzt ihn immer wieder in Schach. So kommt niemand zum Zuge ausser ihm und dem König. Dieser geht in Einerschritten sogar um Schnorbert herum. Der macht ein paar blöde Sprüche über das Verhalten von Zeig und dem König - und schwupp wird er von dem gegnerischen Läufer einfach geschnappt. "Das war's dann, Schnorbi!" 
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Es kommt so weit, dass eine ganz imposante Aufstellung erscheint. Der Flaschenkönig steht zwischen drei Bauern. Und zum anderen König, nämlich Grünling, ist nur noch ein Feld Abstand. Niemand hat auf die Uhr geschaut, aber langsam wären alle froh, dass das Gemetzel langsam ein Ende fände. "Das ist ja das Schöne an dem Spiel!" jubelt eine der Ziegen und bimmelt mit ihrem Glöckchen. "Es hört nicht auf, bis einer der Könige Schachmatt ist."
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"Das ist meine Chance zu einem spektakulären Auftritt!" sieht Schangelina von weitem und fegt im Sausetempo herbei, um sich zwischen die zwei Könige zu stellen. Welch ein Bild!
Leider hat Schangelina den gegnerischen Läufer nicht gesehen, und so kommt es zur Katastrophe.
Sie ist geschlagen und Grünling muss sich in Sicherheit bringen.
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Aber es fällt ihm noch etwas Besseres ein. "Verduzzo habe ich schon immer gemocht." und schwupp ist auch der Läufer am Spielrand verschwunden. Jetzt haben beide Parteien ihre Dame verloren, Harry kommt wegen dem störrischen Pferd noch immer nicht auf die Gegenseite, langsam kommen nun die Türme ins Spiel.
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Die kleine Wendy wird vom Amaretto-Turm überrollt, ohne je einen Zug gemacht zu haben. "Och, das macht mir nichts aus, war schön, dabei zu sein."
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Auch der zweite gugelländische Turm, Abrabär, hätte nun freie Bahn. Er zögert etwas. Bären sehen zwar aus wie dicke Türme, aber sie sind viel weichherziger als so ein eckiges Bauwerk. Abrabär überwindet sich dann doch zum Angriff, aber was passiert, als er sich vor den gegnerischen König stellt? Dieser schnappt sich Bauli.
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Aber der König befindet sich nun auf einem Feld, auf dem man ihn haben will.  Allerdings werden noch einige Umschweife gemacht, bis es endlich so weit ist. Das Publikum weiss, wenn Harry das gegenüberliegende Feld erreichen würde, könnte er sich die Dame zurückholen. Dann wäre, jetzt, da der Turm da ist, automatisch Schachmatt.
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Da macht dieses fiese Finkbräupferd Harry einen erneuten Strich durch die Rechnung. Es hüpft genau auf das angestrebte Feld. Jetzt kommt Harry gar nicht mehr hin. Aber Abrabär kommt ihm zu Hilfe und schlägt das Pferd in die Flucht. Das Feld ist zwar noch immer bedroht, aber jetzt vielleicht gar nicht mehr nötig, denn auch Zottel steht kurz vor dem König. Die zwei Bären tun, als wären sie rein zufällig hier.
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Das Spielfeld ist schon in abendlichen Schatten getaucht, und der Gegner ist schon nervös und macht einen Fehler. Indem er mit seinen Turm den Zottel bedroht, ist beim nächsten gugelländischen Zug für die Flaschen alles aus. Zottel stellt sich, nachdem er das letzte Fläschchen vom Feld gepustet hat, vor den König. S C H A C H M A T T .
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Jetzt bricht ein Riesenjubel aus. Gugellandia hat gewonnen. Ob man nun deswegen jauchzt und singt, weiss niemand. Es kann auch sein, weil alle froh sind, nun endlich wieder lärmen und herumrennen zu können, und weil es nun natürlich zum grossen Festschmaus geht.
Wir danken allen, die sich mit uns durch dieses zähe Spiel durchgekämpft haben.

 
Schachpartie (1. Teil)
"Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt.  Kimba, der weisse Tiger aus Oldenburg hatte wahrscheinlich ursprünglich auch nicht vor, mit Kai, dem Hai durch Gugellandia zu streifen. Vielleicht erinnert man sich noch. Letztes Mal waren wir zusammen im Safari-Park." Weil der gugelländische Buchstabenvogel etwas an Kai's Zuverlässigkeit zweifelt, begrüsst er Kimba als erster. "Hallo Kimba, gute Reise gehabt? Ich werde gleich mal beim Kai anklopfen. Seit er mit Helga zusammen ist, hat er sich zwar etwas gebessert, aber er ist immer noch ein Hai.
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"Hallo, Helga, kannst du bitte Kai ausrichten, dass Kimba jetzt da ist." Tatsächlich erscheint Kai im Türrahmen und grinst breit in die Runde, dass seine Zähne nur so blitzen.  "Hallo, Kimba, schön, dass du da bist, ich werde dich gleich mal ein paar Artgenossen vorstellen." Sie hüpfen zusammen durch den Blätterwald. Kimba ist sehr neugierig, was sich der Kai für ihn ausgedacht hat. Aber Kai hatte gar keine Zeit, sich etwas auszudenken. "Sie sind noch am Bauen, aber es soll ein gigantisches Spektakel werden, haben sie mir gesagt."
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Der Hai führt Kimba etwas in Gugellandia herum. "Die drei kennst du wahrscheinlich noch nicht. Vielleicht habt ihr gemeinsame Interessen?" Inzwischen sind die Bastelspezialisten und Baugrössen schwer am Werken. "Wäre natürlich schon besser, das ganze aus Holz zu machen anstatt aus Karton, aber so geht es immerhin schneller und kostet uns keinen Cent." weiss Harry und schiebt Edi die Kleberolle zu. Auch Laura ist mit von der Partie, rechnet, schnippselt und klebt. Man ist voller Enthusiasmus. Es wird grossartig werden.
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Natürlich gibt es immer einige Stimmen, die die Begeisterung bremsen. "Das geht hundertprozentig in die Hose!" weiss Schnorbert. Ihr werdet alle beim kleinsten Windstoss herumfliegen wie Herbstblätter, und was macht ihr, wenn es regnen kommt?" "Es kommt hundertprozentig nicht regnen, wir kennen den Wetterbericht." Auch Kai und Kimba stolpern auf dem Baugelände herum. "Na sag doch endlich, was das werden soll. Harry!" Aber der rennt schon wieder in eine andere Richtung mit dem Messband. "Wir fragen Laura und Helga, die kennen immer den neusten Tratsch."
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Aber nun kommen sie ganz von selber drauf. Da liegt nämlich ein Schachbrett herum. "Das wird ein grosses Spielbrett für Schachfiguren?" - Kimba ist erstaunt. "Ja, das heisst, nein, die Figuren sind wir. Also echte Tiere aus Plüsch, nicht aus Holz. Da kommen schon die ersten!" Zottel kennt man ja noch aus der Geschichte mit Heidi, wo er den Alpöhi gespielt hat. "Ich soll diesmal einen Turm spielen, haben sie gesagt, das ist ganz einfach, ich muss nur gerade aus über das Feld fegen, bis ein anderer vor mir steht, den darf ich dann fressen oder ich bleibe einfach vor ihm stehen, bis er abhaut." 
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Während das Spielfeld nach und nach Form annimmt, kommen auch Neugierige herbei. Sonntägliche Spaziergänger machen es sich rundherum bequem, denn da scheint etwas Interessantes im Gange zu sein. "Schau mal, Kimba, hier ist die PROMINENTENTRIBUENE. Die ist für dich und für mich. Wir müssen uns nicht die Pfoten und Flossen dreckig machen, wir können von hier aus zuschauen, wie die sich gegenseitig verkloppen, toll, nicht wahr, ach ja, und eine Torte habe ich auch bestellt." Kai wedelt vor Vergnügen mit der Schwanzflosse beinahe die Blumen um.
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Es kommen immer mehr Zuschauer. Von überall schwärmen sie nun herbei. "Schau, da sind auch die Ziegen vom Geissenpeter. Denen hat es so gefallen, Ziegen zu spielen, dabei sind auch Schafe und sogar ein Nilpferd dabei. Ha, ha, ha." Kai, der Hai, hört abruppt auf, zu lachen. "Das ist ja etwas mickrig für eine Prominententribüne. Bringt uns wenigstens ein schönes, weiches Kissen!"  Die Zuschauer gucken alle gespannt auf die zwei Promis. Etwas anderes gibt es nämlich noch nicht zu sehen. "Kommt auch eine Pause, Mama, wo jemand Eis und Popcorn verkauft?"
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Viele der gugelländischen Tiere wissen nicht, was ein Schachturnier ist. Sie denken, da sitzen einfach zwei vor einem karrierten Brett und glotzen stundenlang auf ein paar Figuren, bevor einer bewegt wird. Das bringt dann etwas Schwung ins Zeug, aber nicht lange, dann fixieren sie erneut diese unbeweglichen Statuen auf dem Spielfeld. Aber so wird das gugelländische Schachturnier natürlich nicht werden, da sind sich alle sicher. "Da, schaut, Zottel und der Abrabär. Gehört das jetzt schon zu der Aufführung?"  Im "Heidihaus" sitzten schon alle gespannt, und warten. 
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Von den zwei Bären sucht nun jeder eine Ecke des Spielfeldes auf. "Das sind die gugelländischen Türme!" staunt Amanda. Sie hat früher bei Käptn Saufab oft zugeschaut, wenn bei einer Flaute Schach gespielt wurde. "Ich kenne mich aus, jetzt kommen dann je ein Pferd neben jeden Turm. Das ist so, und das gehört so."  Ahuii. schaut kritisch. "Und wann fangen die endlich an, sich zu prügeln?" In elegantem Schritt begeben sich die zwei Pferde auf ihre Posten. Der Aufmarsch der gugelländischen Mannschaft könnte nicht spannender sein.
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"Hi, hi, hi, das ist aber ein lustiges Verkehrsmittel, nicht ganz leicht zu fahren, hi, hi." Es nähern sich nun die Läufer. Aber obwohl jeder von ihnen vier Pfoten hat, kommen sie auf einer schwebenden Rondelle angefahren. Damit werden sie dann hoffentlich auf dem Schachbrett noch für grosse Augenblicke sorgen. Der Wetterprofessor mit seinem braunen Pelz steuert auf das weisse Feld neben dem Pferd zu, während Miezi ein braunes Feld ansteuert. "Die Kontraste sollen wahrscheinlich die Optik fördern." lächelt Dolly Dama im Hochbeet und sagt: "Jetzt kommen dann der König und die Dame, bin gespannt, wer das sein wird."
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"Der König und die Dame? Ah, das sind sicher Gugel und Hefe, wer sonst?" Aber sie haben sich getäuscht. Das Königspaar, das über den Rasen Richtung Spielfeld schreitet sind Grünling und Schangelina. "Ist deine Krone auch so schwer?" mault die Dame. "Ich habe sogar noch ein Kreuz zu oberst,  ha, ha."
Beim Eintreffen des Königspaares erschallen natürlich Jubelrufe, es wird geklatscht und gehüpft und Bravoooo geschrien.
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Schön sehen sie aus, die lebendigen Schachfiguren von Gugellandia. Aber, moment, es fehlt ja noch eine Reihe Helden. Harry richtet sich an das Publikum und ruft verheissungsvoll. "Ich lasse nun die Bauern kommen, bin gleich wieder da!" Sportlich hüpft er die Brüstung hinunter und saust über den Rasen davon. Man wartet gespannt, auf was auch immer.
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"Ich habe es noch immer nicht kapiert." seufzt Hazel und schüttelt die Ohren. "Die spielen nun doch nicht gegeneinander, kommt da noch eine Gegenmannschaft?" "Na, klar," antwortet Marmori, "auf die bin ich auch schon gespannt, weil ja vorne der Kai auf der Ehrenloge sitzt."  
"Da, schaut, die Bauern kommen. Oh, das sind ja auch keine Unbekannten!" Gespannt beobachtet das Publikum den Aufmarsch der acht Bauern, ohne die ein Schachspiel undenkbar wäre.
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Gut zu erkennen, gleich an zweiter Stelle, Guido, der Buchstabenvogel, der sich das Ganze hier wahrscheinlich ausgedacht hat, und dann ist auch Edi mit von der Partie, und sage, und schreibe sogar Schnorbert, dieser Miesepeter. Hoch erhobenen Hauptes schreiten sie einher, man wollte jedem ausser dem Hut noch eine Mistgabel in die Pfoten drücken, aber das wurde dann aus Sicherheitsgründen gestrichen. Die Reihenfolge sei völlig egal, hiess es. Doch die Kostümbildner haben darauf bestanden, dass gleiche Hüte nicht nebeneinander stehen. Der Ort, an dem die Bauern nun landen, kann über ihr Schicksal bestimmen.
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Wer das Schachspiel kennt, weiss, dass die zwei Bauern vor dem König und der Dame eine grosse Verantwortung haben. Aber auch der Bauer vor dem Pferd kann sehr entscheidend sein.
Die Vorfreude auf ein spannendes Spiel steigt, als alle ihre Plätze erreicht haben und nun auf die gegnerische Spielseite schauen, wo noch nichts los ist. "Ja, wo bleiben denn die Gegner?"
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In einem Schachspiel steckt jahrhundertealte Kultur und sehr viel Genialität, und wenn es so wie hier betrieben wird, kann man es tatsächlich als Sport durchgehen lassen.  Fast hätte man wegen dem Aufmarsch der gugelländischen Seite die Promis auf ihrem Kissen vergessen. Kimba hat schon Angst, irgendwelche Knöpfe drücken zu müssen um das Spiel zu leiten. "Nein, nein," tröstet der Hai, "wir müssen nur zuschauen und uns tot lachen, ha, ha, und nicht vergessen, nachher gibt es Torte!"
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"Was ist denn das?" Zwei dicke, eckige Gestalten nähern sich dem Schachbrett. "Das sind die Türme der Gegenmannschaft. Puh, die sehen aber nicht sehr vertrauenerweckend aus. Schau mal, wie die schwanken."  Tatsächlich nehmen die zwei Amaretto-Flaschen den Weg auf die Eckfelder in Angriff.  Sie selber schwanken überhaupt nicht, aber ihr Inhalt schwappt bei jedem Schritt hin und her. "Die sind sicher schwerer als Zottel und Abrabär, was meinst du?" Man macht sich schon Sorgen um die gugelländische Mannschaft.
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Als auch noch volle Bier und Weinflaschen anmarschiert kommen, sind verschiedene Gugellandier am Feilen ihrer ANGRIFFSSTRATEGIEN. "Was machen wir, wenn jetzt noch CHAMPAGNERFLASCHEN ihre Korken knallen lassen?" Sogar die Bauern kriegen langsam das grosse Knieschlottern.  Der König der Gegenpartei ist tatsächlich eine Magnumflasche edelsten Geblüts. Sie steht zwar seit sicher zehn Jahren im Stall, ist aber noch nicht explodiert. Die Dame spielt eine Zweiliterflasche guter italienischer Rotwein. Zu sagen ist noch, dass die Pferde zwar nur aus Bierflaschen bestehen aber mit echten Hufeisen bewaffnet sind. 
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"Gefällt es dir, Kimba?" fragt Kai zwischendurch. Die Bauernfläschchen der Gegenpartei sind offenbar wirklich einer Bar entsprungen. Die Campari-Bäuerinnen ähneln bei ihrem Auftritt eher Can-Can-Tänzerinnen, die lustig ihre Röcke herumschwingen und natürlich den Gegner irritieren sollen. Alle nehmen ihre Plätze ein. Die Parteien sind komplett.
Hochgradiges gegen Heissgeliebtes. Das könnte ein spannender Kampf werden.
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Das Spielfeld ist weit und übersichtlich. Sogar ein Pferd der Flaschenpartei fühlt sich auf dem grossen Feld etwas verloren. "Ich bin überhaupt kein Pferd, aber ich habe drei Tage lang geübt. Das Rösslein hüpft immer zwei Felder geradeaus und dann eines nach rechts oder links. Dem sagt man Rösselsprung. Also drei Felder. Man kann die Felder natürlich auch quer machen oder rückwärts oder nur eines und dann zwei. Ist doch ganz einfach." Auch der Flaschenkönig und seine Dame schauen sich nun etwas um.  Es erhallt sogar dezenter Applaus.
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Aber erstens kommt es anders, und zweitens, als man denkt.  Während sich die zwei Schach-Mannschaften nun so erwartungsvoll gegenüber stehen, das Publikum schon fast platzt vor Spannung, hört man einen Trompetenstoss vom zukünftigen Glockenturm. Tüüüüüüt, tütütüt. Die Trompete, wahrscheinlich ist es sogar eine Posaune, kann sogar sprechen. Sie sagt: "Wegen ungünstiger Witterung muss das Schachturnier um eine Woche verschoben werden. Die Erdbeertorte ist unterwegs, die soll euch bis dahin ablenken. Nachschub ist schon bestellt."
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Und jetzt essen wir eben eine Woche lang Erdbeertorte, bis es weitergeht, bzw. endlich anfängt.

 
Heidi (3. Teil und Schluss)
Heidi ist sehr enttäuscht, dass sie nicht nach Hause darf, aber sie lässt sich vor Klara nichts anmerken. Die zwei gehen jeden Tag brav zum Unterricht bei Fräulein Rottenmeier. Klara merkt, dass Heidi ein Problem hat, das sie mit ihr nicht teilen will. Aber auch alle anderen im Hause Sesemann haben nun Probleme. Vor allem die Dete und dann auch Fräulein Rottenmeier. "Es spukt in diesem Haus, wir müssen die Ahnenbilder entfernen, sonst wird es immer schlimmer."  Heidi's Tante ist sehr abergläubisch und mach einen grossen Bogen um die Bilder. "Haben sie Beweise?" fragt Fräulein Rottenmeier. "Warum glauben Sie, dass ein Geist im Hause umgeht?"
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"Ich habe seine Schritte gehört, und dann kam plötzlich ein Windhauch und die Haustüre war offen. Dabei bin ich ganz sicher, dass ich sie selber zugesperrt habe." Das Hausmädchen stellt entschlossen den Wäschekorb vor die Lehrerin und sagt. "Sie können die Wäsche selber aufhängen, ich gehe nicht mehr in den Estrich." Aber Fräulein Rottenmeier läss sich nicht so leicht von GESPENSTERGESCHICHTEN einschüchtern. "Das will ich selber sehen, erst dann machen wir Meldung bei Herrn Sesemann."  Völlig unerwartet steht am nächsten Morgen wieder die Haustüre offen.
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Herr Sesemann unterhält sich gerade mit dem Arzt von Klara, Doktor Friedrich Frech über den Gesundheitszustand seiner Tochter, als die beiden Hausangestellten völlig aufgelöst drauf losschwatzen. "Es geht ein Geist um, Herr Sesemann, in diesem Hause spukt es." Die beiden Herren lachen erst, aber das hysterische Getue der beiden Weiber gibt ihnen doch zu denken. "Wir werden uns heute Nacht mal auf die Lauer legen, vielleicht erwischen wir das Gespenst ja auf frischer Tat."  Als alle zu Bett gegangen sind, setzen sich Doktor Frech und Herr Sesemann noch zu einem Vergissmeinnichttrank zusammen. "Ich glaube nicht an Geister, es gibt für alles eine natürliche Erklärung."
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Nicht unweit von der Haustür trinken sie also und warten, das der Spuk endlich losgehe. Es ist kurz nach Mitternacht, als sie dann doch ein merkwürdiges Tapsen hören. "Das kann doch nicht sein. Es gibt keine Gespenster!" - "Vielleicht ist uns der Vergissmeinnichttrank schon zu Kopf gestiegen und wir hören Geräusche, die es gar nicht gibt?" Aber ein wenig verunsichert sind die beiden starken Männer nun doch. Es ist eindeutig ein leises Tapsen zu hören.
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Das vermeintliche Gespenst geistert allerdings nicht freiwillig durch das Haus der Sesemanns. Es merkt nicht einmal, dass es wie ein Geist durch das Haus läuft. Heidi rutscht aus dem Bett, wickelt sich noch ein Stück Bettlaken um wie einen Schal und geht blossfüssig die Treppe hinunter. Daher kommt das gespenstische Tapsen.
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Mit starrem Blick läuft das Gespenst ins Wohnzimmer und geht schnurgeradeaus zur Eingangstüre. Die zwei Geisterjäger verkriechen sich hinter ihren Gläsern, sie sind doch sehr beeindruckt von dem, was gerade vor sich geht. Sie merken aber schnell, dass es Heidi sein muss, die mit dem Laken nun gerade zur Tür hinaus verschwindet. Aber sicherheitshalber schweigen beide und beobachten das weitere Geschehen.
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"Los, wir schauen sicherheitshalber erst noch nach." Die zwei mutigen Nachtwächter rennen in Heidi's Kammer hinauf, und tatsächlich: Das Bett ist leer. "Das ist kein gutes Zeichen, die Kleine ist mondsüchtig, sie macht das nicht absichtlich. Schlafwandeln hat oft psychische Hintergründe, das muss man ernst nehmen." Doktor Frech macht sich Sorgen. Als sie zu ihren Gläsern zurückkehren, ist auch das Gespenst wieder zur Türe hereingekommen. Offenbar hat es seine Mission erfüllt und begibt sich nun wieder zur Ruhe. 
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Während Herr Sesemann nun die offen gelassene Eingangstüre schliesst, begibt sich der Arzt sorgenvoll an das Bett von Heidi und legt ihr seine Pfote auf die Schulter und sagt behutsam. "Nicht erschrecken, Heidi, es ist alles gut, wir wissen ja, was mit dir los ist."  Bis weit in den Morgen hinein reden Doktor Frech und Herr Sesemann über diesen Vorfall und das, was nun zu tun ist. Sie kommen zu dem Entschluss, dass es das beste für Heidi wäre, wenn sie nach Hause zurück dürfte.
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Auch Herr Sesemann hat gesehen, wie sich das Kind verändert hat, seit es die Berge und ihren Alpöhi immer mehr vermisst. "Wir müssen sie gehen lassen, so schlimm das auch für Klara sein wird." Am nächsten Morgen kommen die zwei Mädchen wie immer fröhlich zum Frühstück. "Setzt euch her, wir haben etwas mit euch zu bereden." Klara und Heidi erreichen den Tisch mit grosse Augen. So ernste Töne machen immer misstrauisch.
"Wir werden Heidi wieder zurück in die Berge schicken, sie wird hier sonst krank, sagt der Doktor."
 Das traurige Gesicht von Herrn Sesemann treibt auch Klara die Tränen in die Augen.
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"Aber dann bin ich wieder ganz allein, Papa." schnieft sie. Auch wenn diese Botschaft für die einen sehr traurig klingen mag. Heidi ist wie mit dem Zauberstab berührt und sprüht förmlich Funken wie früher. "Ich darf nach Hause zum Grossvater? Wirklich, oh danke? Herr Sesemann, wie schön, danke hunderttausendmal." und sie will schon davonrennen, als sie sieht, dass Klara weint. "Du kommst mich auf der Alp besuchen. Dann zeige ich dir alles, von dem ich dir erzählt habe, die Geissen, die Blumen, das Echo und die Berge, alles, alles, oh ich freu' mich so!"
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Die Base Dete schämt sich natürlich ein wenig, dass sie Heidi dies alles angetan hat und will es wieder gut machen. Ich zeige dir ein SOUVENIRGESCHAEFT, dort findest du sicher eine Pfeife, wie sich der Alpöhi wünscht, die kannst du ihm dann mitbringen. Ich bezahle es." Heidi ist völlig überdreht vor Glück, dass sie wieder zurück in die Berge darf. "Immerhin kannst du jetzt Lesen." schmollt die Base Dete. "Dann war das alles nicht so verkehrt. Als Heidi ihren Koffer packt, die Pfeife für Grossvater zu oberst, hat sie aber noch eine grosse Bitte.
"Herr Sesemann, sie müssen mich mit Klara unbedingt besuchen, ich bin sicher, da oben wird sie wieder ganz gesund."
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Der Alpöhi denkt jeden Tag an sein verlorenes Heidi. "Sie hat mich sicher längst vergessen." seufzt er beim Heuen vor sich hin. Er weiss nicht, dass Doktor Frech und Heidi bereits auf dem Weg von Frankfurt in die Schweiz sind. Das wird eine Überraschung!
Bis zur Hütte vom Alpöhi ist es nicht mehr weit. "Ich warte hier." sagt der Doktor, "nimm die Pfeife und bring sie deinem Grossvater. Er wird begeistert sein." Heidi platzt schier vor Freude.
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Es scheint, als wäre die Zeit für einen Moment stehen geblieben. Die Vögel hören auf, zu zwitschern. Der Wind legt sich, die Grashalme schauen sich verdutzt an, was wohl passiert und da hört man nur einen kleinen schrillen Schrei in der sonnigen Weite. "Grossvater!" Der Alpöhi fasst sich an die Stirn, weil er denkt, er bildet es sich nur ein. So oft hat er diesen Ruf im Stillen gehört und dabei ist sein Herz immer schwerer geworden. Aber da ist es wieder.
"Grossvater!"  Er dreht sich um und sieht etwas Weisses mit rotem Mäschchen auf sich zu rennen."
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"Heidi! Bist du es wirklich?" Die Wiedersehensfreude könnte nicht grösser sein. Sogar Gemsi ist herbeigehüpft und stubst nun Heidi mit der Nase.
"Oh, Grossvater, es ist so schön, wieder hier bei dir zu sein."
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Die tausend Fragen, die sich der Alpöhi in der ganzen Zeit gestellt hat, sind vergessen. Was immer auch geschehen ist, es ist vergessen. Heidi ist wieder da, das ist die Hauptsache. Allerdings runzelt der Alpöhi doch wieder etwas die Brauen, als sich Doktor Friedrich Frech mit dem Gepäck nähert. "Ich habe Heidi hergebracht. Sie hatte solches Heimweh, dass ich es nicht mehr verantworten konnte, sie länger bei den Sesemanns zu lassen."
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Nun erfährt der Alpöhi die ganze Geschichte. "Heidi war sehr fröhlich und hat Klara neuen Mut gegeben, so lange sie gedacht hat, sie käme bald wieder nach Hause. Aber als es dann feststand, dass sie für immer in Frankfurt bleiben soll, begann es und ist immer schlimmer geworden. Heidi gehört in die Berge, da sind wir jetzt sicher." Der Alpöhi dankt Doktor Frech für seine ehrlichen Worte. "Natürlich ist Klara hier herzlich willkommen, je eher desto besser, zwei Betten haben im Heustock grad noch Platz."
Und schon bald gibt es erneut ein Wiedersehen.
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"Schau, Grossvater, da kommt der Doktor mit Fräulein Rottenmeier den Berg hinauf. Und Klara, ja, auch Klara, oh ich freu' mich so, Klara ist hier auf der Alp!"  Heidi hüpft wie ein kleines Geisslein um das Pferd herum, auf dem Klara den Berg hinauf gekommen ist. Das andere Pferd ist für den Rollstuhl. Der Doktor und Fräulein Rottenmeier sind zu Fuss heraufgekeucht und die Base Dete ist in Frankfurt geblieben. Sie hat immer noch ein schlechtes Gewissen, weil sie Heidi "entführt" hat.
Der Alpöhi heisst die Besucher willkommen und verspricht, in den kommenden paar Tagen gut auf Klara aufzupassen. 
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Heidi freut sich sehr, Klara alles zu zeigen. Natürlich ist das mit dem Rollstuhl nicht ganz einfach, aber Klara blüht richtig auf. "Ich weiss gar nicht wo ich zuerst hinschauen soll, das ist alles so wunderschön hier." - "Ja, hallo, Klara, und ich bin der Schönste, ha, ha, ich bin der Geissenpeter und das sind alles meine Geissen, obwohl sie nicht mir gehören."
Es ist ein Gebimmel und Geglöckel, Klara wirft den Kopf hin und her und schaut immer wieder glücklich zu Heidi.  
"Du hast mir ja so viel davon erzählt, aber es ist ja noch um vieles schöner!"
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Dass Klara im Rollstuhl sitzt, macht natürlich Verschiedenes nicht einfach. Der Alpöhi ist aber gross und stark und trägt das schwache Mädchen wie eine Feder hierhin und dorthin. Weil sie natürlich nun auch mit Heidi und dem Geissenpeter auf den Berg gehen möchte, ergibt sich da ein Problem. Der Berg ist nicht gerade rollstuhltauglich. Ausserdem ist Peter schon etwas genervt von diesem vielen "Oh, Heidi, wie schön!" was diese Klara dauernd von sich gibt. Aber es ist nicht seine Absicht gewesen, den Rollstuhl den Abhang hinunter zu stossen. Er ist nur ein wenig wirsch daran vorbeigegangen und hat ihn berührt, da hat sich das Gefährt von selber in Gang gesetzt und ist den Abhang hinuntergerollt.
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Als der Rollstuhl nach der ersten Klippe hochfedert, dreht er sich wie ein Ball und saust grad den nächsten Hang auch noch hinunter. Peter schaut dem Ding nach bis es in seine Einzelteile zerspringt. "Hm, der ist kaputt, glaube ich." gesteht er dem Alpöhi. "Ich baue einen Neuen," verspricht Heidi's Grossvater, aber erst trage ich Klara einmal auf die Geissenalp hinauf. Da könnt ihr im Gras herumtollen, bis ich euch wieder abhole."
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Heidi freut sich, dass es Klara so gut gefällt. Sie lachen um die Wette, als sie sich vorstellen, was Fräulein Rottenmeier sagen würde, wenn sie sähe, das ihnen bunte Käfer über die Pfoten krabbeln. Sie flechten BLUEMCHENKRAENZE und setzen sie sich auf, wie kleine Prinzessinnen im Feenreich. Zwischendurch machen sich Peter und seine Ziegen bemerkbar. "Schaut mal her, ich kann auch nicht laufen." sagt er und stolpert durch das Gras wie ein Hampelmann. Dann lässt er sich plumpsen und lacht. "Herrlich weich hier, es gibt kein schöneres Bett als das Gras."
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Heidi ärgert sich anfangs über den Spruch von Peter, aber dann überlegt sie. "Stimmt, wenn du hier versuchst, ein paar Schritte zu machen, tut es nicht weh, wenn du hinfällst. Und so lassen sie sich immer wieder ins Gras plumpsen, auch Klara. Schon nach ein paar Versuchen merkt Klara, dass sie stehen kann, wenn sie sich an einer Staude festklammert.  "Ja, das ist wunderbar." freut sich Heidi. Und durch den Erfolg angespornt üben sie weiter. "Wir sagen es niemandem, du auch nicht Peter!" Aber dem sind schon wieder die Ziegen davongehüpft und er muss ihnen nachrennen.
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Schon bald kann Klara ihre ersten eigenen Schritte ohne Hilfe von Stauden machen. Natürlich fällt sie auch oft hin, aber dann lachen sie wieder aus vollem Halse und lassen sich die Käfer über die Nase krabbeln und schauen den Geissen zu, wie sie fröhlich herumspringen. Am Abend holt sie der Alpöhi ab, und heute hat er sogar noch eine besondere Überraschung für die fröhlichen Kinder. "Morgen trifft Herr Sesemann ein, es kommen auch Fräulein Rottenmeier und der Doktor, zur Hütte, um zu schauen, wie es Klara geht."
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Als tagsdarauf die erwarteten Besucher die Alphütte erreichen, scheint diese wie ausgestorben. "Oh, niemand da? Hoffentlich ist nichts passiert." Herr Sesemann macht sich natürlich Sorgen um seine Tochter. Aber nun kommt die grosse Überraschung. Er hört etwas abseits Glockengebimmel und Kinderlachen. "Dann ist ja alles gut", seufzt er und geht den Geräuschen nach. Aber was ist das?  Herrn Sesemann steht für einen Moment das Herz still. Seine Tochter Klara sitzt nicht im Rollstuhl. Nein, sie steht frei zwischen ihren neuen Freunden und lustig meckernden Ziegen.
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Das ist aber noch nicht alles. Langsam setzt das kranke Mädchen einen Fuss vor den anderen und geht ihrem Vater stolz erhobenen Hauptes langsam entgegen. Herr Sesemann ist von dem Anblick so überwältigt und auch erschreckt, dass er sofort zu Klara hinrennt und sie in die Arme nimmt. "Ich traue meinen Augen nicht, ist das wirklich wahr, Klara, du kannst gehen?"
Die guten Luft, die Geissenmilch, der kaputte Rollstuhl, Heidi, alle haben etwas dazu beigetragen, aber es ist und bleibt ein Wunder.
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Ende gut, alles gut.

 
Heidi (2. Teil)
Heidi ist von den Bergen und dem Leben beim Alpöhi, ihrem Grossvater, ganz hingerissen. Sie freut sich jeden Tag, mit dem Geissenpeter und den Ziegen wieder auf den Berg zu klettern, mit dem Alpöhi am Abend vor der Hütte auf dem Bänklein zu sitzen und ins Tal zu schauen. Aber es passieren natürlich auch manchmal unangenehme Dinge. Einmal hat Heidi die Pfeife vom Grossvater versehentlich auf den Boden geworfen. Da war er einen Moment lang fast wieder so grimmig wie früher. "Du musst deswegen nicht weinen, Heidi, ich habe noch eine ander Pfeife, die ist fast genau gleich gut."
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Nicht nur am Himmel tauchen manchmal dunkle Wolken auf. Einmal bekommen sie Besuch aus dem Dörfli. Heidi freut sich und begrüsst die Ankömmlinge. "Guten Morgen, gelt, es ist schön hier oben bei uns. Schau, Grossvater, es ist Besuch gekommen." Aber den Alpöhi beschleicht ein ungutes Gefühl. Wenn der Pfarrer und die Dorflehrerin bis zu ihm  heraufkommen, hat das nichts Gutes zu bedeuten. "Heidi, schau doch mal nach dem Käse, man muss wieder einmal umrühren." Der Grossvater möchte wohl nicht, dass Heidi etwas von dem Gespräch mitbekommmt.
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"Heidi bleibt hier, sie kommt nicht ins Dörfli. Schule hin oder her. Das wisst ihr genau, ihr seid vergebens herauf gekommen. Das ist mein letztes Wort." Aber es ist ihm dann doch nicht so wohl in seiner Haut, und er fragt später noch Heidi, ob sie denn ins Dörfli gehen wolle, um in der Schule Lesen und Schreiben zu lernen. "Dann wärst du ja ganz allein hier oben, nein, Grossvater, überhaupt, ich kann ja Rechnen. Das ist besser als Lesen und Schreiben. Um bis auf 10 zu zählen brauche ich keine Schule!"
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Aber der Alpöhi ist sich mit der Zeit immer mehr bewusst, dass er durch seine Abgeschiedenheit vielleicht auch Heidi negativ beeinflusst. Als wieder das jährliche Frühlingsfest im Dörfli stattfindet, fasst er sich ein Herz und sagt zu Heidi: "Weisst du was, mir ist das WASCHWEIBERGETRATSCHE aus dem Dörfli wurscht, ich komme mit dir runter an das Fest." Heidi hüpft vor Freude. "Oh, ja, Grossvater, das ist wundervoll, dann singen wir zusammen beim Runterlaufen, ja?" Sie sind beide voller Fröhlichkeit, aber je näher sie dem Dörfli kommen, desto mehr merkt Heidi, dass sich der Grossvater unwohl fühlt. Er will gerade umkehren, aber man hat sie schon gesehen. "Ja, da schaut her, der Alpöhi!"
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"Heidi, ich muss noch beim Schuster vorbei, der hat seit Jahren ein paar Schuhe von mir in der Reparatur, geh du nur schon vor, sicher findest du den Peter, mit dem hast du es bestimmt lustiger."  Während sich der Alpöhi verdrückt, steht Heidi einen Moment da wie ein Ausstellungsobjekt. Alle gucken sie an, als käme sie von einem fremden Stern. Der Pfarrer und der Singlehrer haben vorhin nämlich gehört, wie der Alpöhi und sein Enkelkind beim Runterstapfen so fröhlich gesungen haben.
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"Möchtest du im Schülerchor mitsingen, Heidi?" fragt Ahuii, der Noten so liebt wie süsse Beeren, die durch die Luft fliegen und durch ihren Tanz alles in Bewegung bringen. "Macht nichts, wenn du keine Schülerin bist, singen kannst du ja offenbar." meint nun auch der Pfarrer und schubst die kleine Heidi in die Reihe der wartenden Schulklässler. "Zuerst singen wir die Schweizer Hymne."  Und auf das Taktzeichen vom Pfarrer und dem ersten Ton von Ahuii erhebt sich der festliche Gesang, der für kurze Zeit sogar die Vögel im Wald verstummen lässt.
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Nachdem der SCHULKINDERGESANG verklungen ist, kommt Loredana, die Schwester vom Bäcker und Frau vom Metzger mit dem grossen Korb. Allen läuft das Wasser im Mund zusammen. Es gibt frische Semmeli und Knackerli. Leider taucht noch etwas anderes auf am Horizont. Es ist die Base Dete, die im Sinn hat, das Heidi nach einem Jahr wieder beim Öhi abzuholen. Sie will sie zu sich nach Frankfurt bringen, wo es das kleine Kind sicher besser hat.
"Ah, hallo Dete, was machst du denn hier?" fragt die blinde Grossmutter vom Geissenpeter. Sie kennt die Dete am Parfüm. "Ich will zum Öhi rauf, das Heidi abholen."
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Als die Base Dete erfahren hat, dass beide, sowohl der Öhi, wie auch das Heidi, gerade hier im Dörfli sind, schnippt sie mit den Fingern und freut sich. "Das ist ja wunderbar, dann kann ich mir die mühselige Kletterei hinauf zur Hütte sparen." Zur gleichen Zeit werden Heidi und Peter mit Würsten und frisch gebackenen Semmeln eingedeckt. "Es gibt nichts Besseres auf der ganzen Welt." schmatzt Peter. Heidi kann nur noch nicken. Sie hat schon beide Backen voll. Niemand ahnt, dass dieser herrliche Tag noch so entscheidend enden wird.
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"Ah, da bist du ja." Dete hat den Öhi etwas abseits von den Festlichkeiten gefunden. "Ich komme, um das Heidi abzuholen. Meine Stelle in Frankfurt ist so sicher, dass ich sie zu mir nehmen kann, du brauchst also nicht mehr für sie zu sorgen." Die Worte treffen den Grossvater bis ins Herz. "Das Heidi bleibt hier, es gehört auf die Alp, hier ist sie glücklich, was soll das Mädchen in der Stadt?" Die Base Dete hat genügend Argumente. "Naja, schliesslich sollte das Kind ja etwas lernen und nicht nur mit den Ziegen herumhüpfen." Aber der Grossvater reagiert verbissen. "Niemand nimmt mir mehr das Heidi weg, verstanden?"
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Nichts ahnend lassen in der Zwischenzeit Heidi und der Geissenpeter auf dem Brunnenrand sitzend ihre Beine baumeln.  "Ich könnte jeden Tag zehn Würste essen, aber am Feuer gebraten sind sie natürlich grad nochmals besser."  schwärmt Peter. "Das könnten wir ja mal auf der Alp machen." lacht Heidi.  "Ja, morgen! Ich schau mal, ob ich noch zwei bekomme von der Lori." Der Geissenpeter saust voller Hoffnung los und ergattert tatsächlich die zwei letzten Knackerli. Das Dörfli ist nicht besonders gross, aber wenn alle gleichzeitig auf den Beinen sind, ist doch ein ziemliches Durcheinander.
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Aber Peter findet plötzlich das Heidi nicht mehr. Sie ist wie vom Erdboden verschluckt. "Die Base Dete war da und hat sie mitgenommen." erfährt er von seiner blinden Grossmuter. Heidi vertraut ihrer Tante, schliesslich sind sie ja verwandt. "Komm mit, wir gehen schnell nach Frankfurt, das ist gleich um die Ecke, da kaufe ich dir etwas Neues zum Anziehen."  Heidi findet zwar, sie brauche nichts Neues. "Kann ich dort auch eine Pfeife für Grossvater kaufen?" "Ja, sicher, alles, was du willst."
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Die Base Dete zieht Heidi etwas gestresst hinter sich her. "Kutsche, ich brauche sofort eine Kutsche zum Bahnhof." schreit sie in die Runde. Heidi schaut nur verwundert. "Aha, dort kann ich dann eine Pfeife für Grossvater kaufen? Aber ich habe ja kein Geld!" "Ich strecke es dir vor, Herzchen, aber jetzt beeil dich."
Die Entführung muss nun schnell vor sich gehen, denn sowohl Peter wie auch der Alpöhi haben gemerkt, dass hier etwas Schreckliches passiert.  "Schnell, Harry, wir dürfen den Abendzug nach Frankfurt nicht verpassen."
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"Heidiiii!" Der Alpöhi rennt kopflos durch das hohe Gras hinter der davonfahrenden Kutsche her. "Die wird er wohl nie mehr sehen."  denken sich die sonntäglichen Festbesucher und haben schon Mitleid mit dem alten Kauz. Die Kutsche rollt und holpert nun mit Höchstgeschwindigkeit zu Tal. "Ich habe dem Grossvater nicht gesagt, dass ich gleich wiederkomme. Er sucht mich jetzt sicher. Wann sind wir dann wieder zurück im Dörfli?" Heidi macht sich nun ernsthaft Sorgen.  
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Aber die Kutsche rollt, und es geht immer weiter ins Tal hinunter. Tante Dete versucht, Heidi zu beruhigen. "Es wird dir gefallen in Frankfurt, da ist alles vom Feinsten, nicht so ein Heustock wir beim Öhi, richtige Daunen und echtes Silber überall." Heidi ist hin- und hergerissen. Einerseits sind die Versprechungen der Tante sehr interessant, anderseits möchte sie hier nicht vom Fleck weg. "Wann sind wir denn wieder zurück?" Heidi hat erkannt, dass die Tante nun alles in der Hand hat und sie nichts mehr machen kann.
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"Aber ich muss doch dem Grossvater sagen, wo ich bin, er macht sich sonst Sorgen." Heidi schaut sehnsüchtig hinauf in die Berge. Aber sie sind nun schon an der Bahnstation, und der Zug pfeift ein. "Es wird dir gefallen in Frankfurt, es hat dort ein Mädchen, das sich sehr auf dich freut. Es heisst Klara und ist gelähmt." Zögernd steigt Heidi in den Zug ein. Aber nun möchte sie doch genau wissen, was es mit dem Mädchen in Frankfurt auf sich hat. Sie lässt sich in ihr Schicksal fallen und reist mit Base Dete nach Frankfurt.
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Die Reise ist lang, Heidi schläft die meiste Zeit, denn der Zug wackelt und rumpelt eintönig, wenn sie zwischendurch aufwacht, lächelt die Tante freundlich und sagt jedes Mal. "Schlaf weiter, wir sind gleich da." Für Heidi ist es wie das Aufwachen aus einem Traum. Doch scheint nun ein Albtraum anzufangen. Als die Base Dete mit Heidi an der Hand bei den Sesemanns durch die Türe kommt, werden sie erst mal angeschnauzt. Heidi reibt sich die Augen. "Vielleicht ist das immer noch der Traum und ich wache jetzt auf."
"Guten Morgen Fräulein Rottenmeier, das ist Heidi."
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"Heidi? Das ist doch kein Name, du musst doch noch irgendwie anders heissen, was bist du nur für ein kleiner  Dreckfratz." Heidi ist im Moment egal, was andere Leute über sie denken, sie muss sich erst einmal um sehen und alles ganz genau angucken. So merkwürdige Sachen hat sie noch nie gesehen. Da hängen ganze Gletscher an der Decke rum, auf dem Boden sieht es aus, als hätte jemand sämtliche Sommerblumen zu Bodenbelag verarbeitet und an den Wänden hängen Rahmen aus denen böse Leute schauen, als hätte man etwas verbrochen.
Klara kann es kaum erwarten, das neue Mädchen kennen zu lernen.
 Heidi weiss von nichts und macht kugelrunde Augen.
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"Klara und Heidi werden sicher bald Freundinnen werden." Die Idee von der Base Dete wäre diese: Klara soll etwas von Heidis Fröhlichkeit übernehmen, andererseits soll Heidi sehen, dass es auch schön ist, Lesen zu können. Aber die Idee wird nicht von allen gut geheissen. Fräulein Rottenmeier, die Hauslehrerin, ist überhaupt nicht begeistert. "Dieser Fratz hat ja keine Manieren, die zeigt ja noch mit dem Finger auf Gegenstände, nein, wirklich so etwas Unkultiviertes habe ich noch nie gesehen, und ich wünsche, dass sie das Balg gleich wieder einpacken und zurückbefördern. Haben sie mich verstanden?"
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Aber Heidi und Klara freunden sich trotz ihrer Unterschiedlichkeit sehr schnell an. Heidi kann nicht glauben, dass Klara weder Stehen noch Gehen können soll. "Vielleicht musst du es einfach probieren, komm, ich zieh dich hoch. Ich bin stark, ich kann sogar einen Zehnliter-Milchkübel auflupfen." Aber Klara sinkt entmutigt zurück in ihren Rollstuhl. "Na schön, dann fahren wir einfach mal ein wenig Rallye durch die Wohnung. Klara, das gelähmte Mädchen, lacht seit vielen Wochen endlich wieder und das fröhliche Gekreische der beiden Gören berührt sogar Fräulein Rottenmeier.
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"Entschuldigen Sie, Herr Sesemann, es geht gerade etwas drunter und drüber. Ihre Tochter Klara hat eine neue Gesellschafterin bekommen und die Zwei sind etwas übermütig. "Herr Sesemann freut sich. "Wo ist meine Klara? Hallo, ich bin wieder da, es tut mir leid, dass ich so oft lange weg bin. Oh, und das?" "Das ist Heidi!" strahlt Klara ihren Vater glücklich an. "Sie kommt aus den Bergen und kennt den Duft von jedem Kraut und die Stimme jedes Vogels, sie darf doch hierbleiben, Papa?"
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Heidi fragt zwischendurch mal die Base Dete, wie es weiter geht. "Du hast gesagt, ich kann hier eine neue Pfeife für Grossvater kaufen. Klara ist ja lieb und ich mag sie auch sehr, aber ich muss doch zu Grossvater zurück." Aber Heidi wird nicht erhört sondern gebraucht. "Ich weiss, dass du nicht lesen kannst, Heidi, aber das ist nicht schlimm, ich zeige dir, wie es geht, und du erzählst mir einfach noch mehr vom Leben auf der Alp." Heidi ist plötzlich wie versteinert. "Die Löwenzahnkugeln da hinten sehen aus wie echt, komm, wir streuen sie draussen vor das Fenster."
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"Das sind nur Attrappen, Heidi, tut mir leid." Immer öfter denkt Heidi an die Alp und den Grossvater. Aber auch an Geissenpeter und die Sonne. Hier in Frankfurt gibt es ja auch viele tolle Sachen. Aber es hat einfach viel zu viel Stein und künstliches Zeug überall. Heidi wird immer unglücklicher, dabei möchte sie ja die Klara in fröhliche Stimmung versetzen. "Vom Kirchturm aus kann man die Berge sehen." Heidi weiss nicht mehr, wer es war, der dies gesagt hat, sie möchte nun einfach auf den Kirchturm hinauf, und die Berge sehen. Völlig unvorbereitet stürzt sie sich in einem unbeobachteten Moment auf die Strasse hinaus. "Wo ist denn Heidi?" fragt man sich.
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Der Frankfurter GROSSSTADTVERKEHR zu dieser Zeit ist doch auch schon ziemlich gefährlich für ein kleines Bärchen aus den Bergen. Heidi hüpft hin und her, überall karren riesige Räder über den Boden. Kaum ein Gräslein, das spriesst. Heidi wird immer sehnsüchtiger und will nun die Kirche finden, wo man vom Glockenturm aus die Berge sehen kann. "Vielleicht kann ich ja dem Grossvater zuwinken und rufen, dass ich bald wieder nach Hause komme." Als Heidi bei der Kirche ankommt, ist natürlich die Türe zum Turm verschlossen.
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Heidi ist so enttäuscht und voller Heimweh, dass sie verzweifelt an die Türe trommelt und "Bitte" ruft, dass es sogar den Kirchenwart aus der Pfarrei hervor lockt. "Ja, wen haben wir denn da? Bist du nicht das kleine Heidi, das jetzt bei den Sesemanns wohnt? Ja, was machst du denn hier?" Heidi hat vom vielen Klopfen beinahe wunde Pfötchen. "Bitte, ich muss hinauf, dorthin, wo man die Berge sehen kann, Grossvater muss wissen, dass es mir gut geht." Der Pfarrer lässt das Heidi durch, schüttelt achselzuckend den Kopf und wartet geduldig ab, was nun passiert.
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"Danke, Herr Pfarrer." Der Weg bis zum Glockenturm ist nicht gerade einfach. Heidi muss viele Treppenstufen hoch. Aus dem anfänglichen Rennen wird langsam ein Schleppen. Immer, wenn sie denkt, jetzt ist sie oben, geht es noch einmal ein langes Stück weiter hinauf.  Aber sie ist so voller Vorfreude, endlich die Berge wieder zu sehen, dass ihr auch das steilste Stück nichts mehr ausmacht, und dann  -  ist sie oben.
Heidi begreift nun endlich, wie weit sie von ihrer Heimat entfert ist und fällt nun in ein noch tieferes Loch. Der Pfarrer begleitet das Kind nach Hause zu den Sesemanns, aber Heidi ist nun nicht mehr das selbe fröhliche Mädchen wie vorher. Sie hat unendliches Heimweh.
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Aber in der nächsten Folge wird es wieder fröhlich und es gibt sogar ein Happy End. Bis nächsten Dienstag.


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