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Mai 2021





 
Heidi (3. Teil und Schluss)
Heidi ist sehr enttäuscht, dass sie nicht nach Hause darf, aber sie lässt sich vor Klara nichts anmerken. Die zwei gehen jeden Tag brav zum Unterricht bei Fräulein Rottenmeier. Klara merkt, dass Heidi ein Problem hat, das sie mit ihr nicht teilen will. Aber auch alle anderen im Hause Sesemann haben nun Probleme. Vor allem die Dete und dann auch Fräulein Rottenmeier. "Es spukt in diesem Haus, wir müssen die Ahnenbilder entfernen, sonst wird es immer schlimmer."  Heidi's Tante ist sehr abergläubisch und mach einen grossen Bogen um die Bilder. "Haben sie Beweise?" fragt Fräulein Rottenmeier. "Warum glauben Sie, dass ein Geist im Hause umgeht?"
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"Ich habe seine Schritte gehört, und dann kam plötzlich ein Windhauch und die Haustüre war offen. Dabei bin ich ganz sicher, dass ich sie selber zugesperrt habe." Das Hausmädchen stellt entschlossen den Wäschekorb vor die Lehrerin und sagt. "Sie können die Wäsche selber aufhängen, ich gehe nicht mehr in den Estrich." Aber Fräulein Rottenmeier läss sich nicht so leicht von GESPENSTERGESCHICHTEN einschüchtern. "Das will ich selber sehen, erst dann machen wir Meldung bei Herrn Sesemann."  Völlig unerwartet steht am nächsten Morgen wieder die Haustüre offen.
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Herr Sesemann unterhält sich gerade mit dem Arzt von Klara, Doktor Friedrich Frech über den Gesundheitszustand seiner Tochter, als die beiden Hausangestellten völlig aufgelöst drauf losschwatzen. "Es geht ein Geist um, Herr Sesemann, in diesem Hause spukt es." Die beiden Herren lachen erst, aber das hysterische Getue der beiden Weiber gibt ihnen doch zu denken. "Wir werden uns heute Nacht mal auf die Lauer legen, vielleicht erwischen wir das Gespenst ja auf frischer Tat."  Als alle zu Bett gegangen sind, setzen sich Doktor Frech und Herr Sesemann noch zu einem Vergissmeinnichttrank zusammen. "Ich glaube nicht an Geister, es gibt für alles eine natürliche Erklärung."
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Nicht unweit von der Haustür trinken sie also und warten, das der Spuk endlich losgehe. Es ist kurz nach Mitternacht, als sie dann doch ein merkwürdiges Tapsen hören. "Das kann doch nicht sein. Es gibt keine Gespenster!" - "Vielleicht ist uns der Vergissmeinnichttrank schon zu Kopf gestiegen und wir hören Geräusche, die es gar nicht gibt?" Aber ein wenig verunsichert sind die beiden starken Männer nun doch. Es ist eindeutig ein leises Tapsen zu hören.
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Das vermeintliche Gespenst geistert allerdings nicht freiwillig durch das Haus der Sesemanns. Es merkt nicht einmal, dass es wie ein Geist durch das Haus läuft. Heidi rutscht aus dem Bett, wickelt sich noch ein Stück Bettlaken um wie einen Schal und geht blossfüssig die Treppe hinunter. Daher kommt das gespenstische Tapsen.
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Mit starrem Blick läuft das Gespenst ins Wohnzimmer und geht schnurgeradeaus zur Eingangstüre. Die zwei Geisterjäger verkriechen sich hinter ihren Gläsern, sie sind doch sehr beeindruckt von dem, was gerade vor sich geht. Sie merken aber schnell, dass es Heidi sein muss, die mit dem Laken nun gerade zur Tür hinaus verschwindet. Aber sicherheitshalber schweigen beide und beobachten das weitere Geschehen.
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"Los, wir schauen sicherheitshalber erst noch nach." Die zwei mutigen Nachtwächter rennen in Heidi's Kammer hinauf, und tatsächlich: Das Bett ist leer. "Das ist kein gutes Zeichen, die Kleine ist mondsüchtig, sie macht das nicht absichtlich. Schlafwandeln hat oft psychische Hintergründe, das muss man ernst nehmen." Doktor Frech macht sich Sorgen. Als sie zu ihren Gläsern zurückkehren, ist auch das Gespenst wieder zur Türe hereingekommen. Offenbar hat es seine Mission erfüllt und begibt sich nun wieder zur Ruhe. 
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Während Herr Sesemann nun die offen gelassene Eingangstüre schliesst, begibt sich der Arzt sorgenvoll an das Bett von Heidi und legt ihr seine Pfote auf die Schulter und sagt behutsam. "Nicht erschrecken, Heidi, es ist alles gut, wir wissen ja, was mit dir los ist."  Bis weit in den Morgen hinein reden Doktor Frech und Herr Sesemann über diesen Vorfall und das, was nun zu tun ist. Sie kommen zu dem Entschluss, dass es das beste für Heidi wäre, wenn sie nach Hause zurück dürfte.
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Auch Herr Sesemann hat gesehen, wie sich das Kind verändert hat, seit es die Berge und ihren Alpöhi immer mehr vermisst. "Wir müssen sie gehen lassen, so schlimm das auch für Klara sein wird." Am nächsten Morgen kommen die zwei Mädchen wie immer fröhlich zum Frühstück. "Setzt euch her, wir haben etwas mit euch zu bereden." Klara und Heidi erreichen den Tisch mit grosse Augen. So ernste Töne machen immer misstrauisch.
"Wir werden Heidi wieder zurück in die Berge schicken, sie wird hier sonst krank, sagt der Doktor."
 Das traurige Gesicht von Herrn Sesemann treibt auch Klara die Tränen in die Augen.
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"Aber dann bin ich wieder ganz allein, Papa." schnieft sie. Auch wenn diese Botschaft für die einen sehr traurig klingen mag. Heidi ist wie mit dem Zauberstab berührt und sprüht förmlich Funken wie früher. "Ich darf nach Hause zum Grossvater? Wirklich, oh danke? Herr Sesemann, wie schön, danke hunderttausendmal." und sie will schon davonrennen, als sie sieht, dass Klara weint. "Du kommst mich auf der Alp besuchen. Dann zeige ich dir alles, von dem ich dir erzählt habe, die Geissen, die Blumen, das Echo und die Berge, alles, alles, oh ich freu' mich so!"
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Die Base Dete schämt sich natürlich ein wenig, dass sie Heidi dies alles angetan hat und will es wieder gut machen. Ich zeige dir ein SOUVENIRGESCHAEFT, dort findest du sicher eine Pfeife, wie sich der Alpöhi wünscht, die kannst du ihm dann mitbringen. Ich bezahle es." Heidi ist völlig überdreht vor Glück, dass sie wieder zurück in die Berge darf. "Immerhin kannst du jetzt Lesen." schmollt die Base Dete. "Dann war das alles nicht so verkehrt. Als Heidi ihren Koffer packt, die Pfeife für Grossvater zu oberst, hat sie aber noch eine grosse Bitte.
"Herr Sesemann, sie müssen mich mit Klara unbedingt besuchen, ich bin sicher, da oben wird sie wieder ganz gesund."
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Der Alpöhi denkt jeden Tag an sein verlorenes Heidi. "Sie hat mich sicher längst vergessen." seufzt er beim Heuen vor sich hin. Er weiss nicht, dass Doktor Frech und Heidi bereits auf dem Weg von Frankfurt in die Schweiz sind. Das wird eine Überraschung!
Bis zur Hütte vom Alpöhi ist es nicht mehr weit. "Ich warte hier." sagt der Doktor, "nimm die Pfeife und bring sie deinem Grossvater. Er wird begeistert sein." Heidi platzt schier vor Freude.
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Es scheint, als wäre die Zeit für einen Moment stehen geblieben. Die Vögel hören auf, zu zwitschern. Der Wind legt sich, die Grashalme schauen sich verdutzt an, was wohl passiert und da hört man nur einen kleinen schrillen Schrei in der sonnigen Weite. "Grossvater!" Der Alpöhi fasst sich an die Stirn, weil er denkt, er bildet es sich nur ein. So oft hat er diesen Ruf im Stillen gehört und dabei ist sein Herz immer schwerer geworden. Aber da ist es wieder.
"Grossvater!"  Er dreht sich um und sieht etwas Weisses mit rotem Mäschchen auf sich zu rennen."
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"Heidi! Bist du es wirklich?" Die Wiedersehensfreude könnte nicht grösser sein. Sogar Gemsi ist herbeigehüpft und stubst nun Heidi mit der Nase.
"Oh, Grossvater, es ist so schön, wieder hier bei dir zu sein."
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Die tausend Fragen, die sich der Alpöhi in der ganzen Zeit gestellt hat, sind vergessen. Was immer auch geschehen ist, es ist vergessen. Heidi ist wieder da, das ist die Hauptsache. Allerdings runzelt der Alpöhi doch wieder etwas die Brauen, als sich Doktor Friedrich Frech mit dem Gepäck nähert. "Ich habe Heidi hergebracht. Sie hatte solches Heimweh, dass ich es nicht mehr verantworten konnte, sie länger bei den Sesemanns zu lassen."
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Nun erfährt der Alpöhi die ganze Geschichte. "Heidi war sehr fröhlich und hat Klara neuen Mut gegeben, so lange sie gedacht hat, sie käme bald wieder nach Hause. Aber als es dann feststand, dass sie für immer in Frankfurt bleiben soll, begann es und ist immer schlimmer geworden. Heidi gehört in die Berge, da sind wir jetzt sicher." Der Alpöhi dankt Doktor Frech für seine ehrlichen Worte. "Natürlich ist Klara hier herzlich willkommen, je eher desto besser, zwei Betten haben im Heustock grad noch Platz."
Und schon bald gibt es erneut ein Wiedersehen.
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"Schau, Grossvater, da kommt der Doktor mit Fräulein Rottenmeier den Berg hinauf. Und Klara, ja, auch Klara, oh ich freu' mich so, Klara ist hier auf der Alp!"  Heidi hüpft wie ein kleines Geisslein um das Pferd herum, auf dem Klara den Berg hinauf gekommen ist. Das andere Pferd ist für den Rollstuhl. Der Doktor und Fräulein Rottenmeier sind zu Fuss heraufgekeucht und die Base Dete ist in Frankfurt geblieben. Sie hat immer noch ein schlechtes Gewissen, weil sie Heidi "entführt" hat.
Der Alpöhi heisst die Besucher willkommen und verspricht, in den kommenden paar Tagen gut auf Klara aufzupassen. 
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Heidi freut sich sehr, Klara alles zu zeigen. Natürlich ist das mit dem Rollstuhl nicht ganz einfach, aber Klara blüht richtig auf. "Ich weiss gar nicht wo ich zuerst hinschauen soll, das ist alles so wunderschön hier." - "Ja, hallo, Klara, und ich bin der Schönste, ha, ha, ich bin der Geissenpeter und das sind alles meine Geissen, obwohl sie nicht mir gehören."
Es ist ein Gebimmel und Geglöckel, Klara wirft den Kopf hin und her und schaut immer wieder glücklich zu Heidi.  
"Du hast mir ja so viel davon erzählt, aber es ist ja noch um vieles schöner!"
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Dass Klara im Rollstuhl sitzt, macht natürlich Verschiedenes nicht einfach. Der Alpöhi ist aber gross und stark und trägt das schwache Mädchen wie eine Feder hierhin und dorthin. Weil sie natürlich nun auch mit Heidi und dem Geissenpeter auf den Berg gehen möchte, ergibt sich da ein Problem. Der Berg ist nicht gerade rollstuhltauglich. Ausserdem ist Peter schon etwas genervt von diesem vielen "Oh, Heidi, wie schön!" was diese Klara dauernd von sich gibt. Aber es ist nicht seine Absicht gewesen, den Rollstuhl den Abhang hinunter zu stossen. Er ist nur ein wenig wirsch daran vorbeigegangen und hat ihn berührt, da hat sich das Gefährt von selber in Gang gesetzt und ist den Abhang hinuntergerollt.
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Als der Rollstuhl nach der ersten Klippe hochfedert, dreht er sich wie ein Ball und saust grad den nächsten Hang auch noch hinunter. Peter schaut dem Ding nach bis es in seine Einzelteile zerspringt. "Hm, der ist kaputt, glaube ich." gesteht er dem Alpöhi. "Ich baue einen Neuen," verspricht Heidi's Grossvater, aber erst trage ich Klara einmal auf die Geissenalp hinauf. Da könnt ihr im Gras herumtollen, bis ich euch wieder abhole."
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Heidi freut sich, dass es Klara so gut gefällt. Sie lachen um die Wette, als sie sich vorstellen, was Fräulein Rottenmeier sagen würde, wenn sie sähe, das ihnen bunte Käfer über die Pfoten krabbeln. Sie flechten BLUEMCHENKRAENZE und setzen sie sich auf, wie kleine Prinzessinnen im Feenreich. Zwischendurch machen sich Peter und seine Ziegen bemerkbar. "Schaut mal her, ich kann auch nicht laufen." sagt er und stolpert durch das Gras wie ein Hampelmann. Dann lässt er sich plumpsen und lacht. "Herrlich weich hier, es gibt kein schöneres Bett als das Gras."
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Heidi ärgert sich anfangs über den Spruch von Peter, aber dann überlegt sie. "Stimmt, wenn du hier versuchst, ein paar Schritte zu machen, tut es nicht weh, wenn du hinfällst. Und so lassen sie sich immer wieder ins Gras plumpsen, auch Klara. Schon nach ein paar Versuchen merkt Klara, dass sie stehen kann, wenn sie sich an einer Staude festklammert.  "Ja, das ist wunderbar." freut sich Heidi. Und durch den Erfolg angespornt üben sie weiter. "Wir sagen es niemandem, du auch nicht Peter!" Aber dem sind schon wieder die Ziegen davongehüpft und er muss ihnen nachrennen.
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Schon bald kann Klara ihre ersten eigenen Schritte ohne Hilfe von Stauden machen. Natürlich fällt sie auch oft hin, aber dann lachen sie wieder aus vollem Halse und lassen sich die Käfer über die Nase krabbeln und schauen den Geissen zu, wie sie fröhlich herumspringen. Am Abend holt sie der Alpöhi ab, und heute hat er sogar noch eine besondere Überraschung für die fröhlichen Kinder. "Morgen trifft Herr Sesemann ein, es kommen auch Fräulein Rottenmeier und der Doktor, zur Hütte, um zu schauen, wie es Klara geht."
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Als tagsdarauf die erwarteten Besucher die Alphütte erreichen, scheint diese wie ausgestorben. "Oh, niemand da? Hoffentlich ist nichts passiert." Herr Sesemann macht sich natürlich Sorgen um seine Tochter. Aber nun kommt die grosse Überraschung. Er hört etwas abseits Glockengebimmel und Kinderlachen. "Dann ist ja alles gut", seufzt er und geht den Geräuschen nach. Aber was ist das?  Herrn Sesemann steht für einen Moment das Herz still. Seine Tochter Klara sitzt nicht im Rollstuhl. Nein, sie steht frei zwischen ihren neuen Freunden und lustig meckernden Ziegen.
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Das ist aber noch nicht alles. Langsam setzt das kranke Mädchen einen Fuss vor den anderen und geht ihrem Vater stolz erhobenen Hauptes langsam entgegen. Herr Sesemann ist von dem Anblick so überwältigt und auch erschreckt, dass er sofort zu Klara hinrennt und sie in die Arme nimmt. "Ich traue meinen Augen nicht, ist das wirklich wahr, Klara, du kannst gehen?"
Die guten Luft, die Geissenmilch, der kaputte Rollstuhl, Heidi, alle haben etwas dazu beigetragen, aber es ist und bleibt ein Wunder.
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Ende gut, alles gut.

 
Heidi (2. Teil)
Heidi ist von den Bergen und dem Leben beim Alpöhi, ihrem Grossvater, ganz hingerissen. Sie freut sich jeden Tag, mit dem Geissenpeter und den Ziegen wieder auf den Berg zu klettern, mit dem Alpöhi am Abend vor der Hütte auf dem Bänklein zu sitzen und ins Tal zu schauen. Aber es passieren natürlich auch manchmal unangenehme Dinge. Einmal hat Heidi die Pfeife vom Grossvater versehentlich auf den Boden geworfen. Da war er einen Moment lang fast wieder so grimmig wie früher. "Du musst deswegen nicht weinen, Heidi, ich habe noch eine ander Pfeife, die ist fast genau gleich gut."
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Nicht nur am Himmel tauchen manchmal dunkle Wolken auf. Einmal bekommen sie Besuch aus dem Dörfli. Heidi freut sich und begrüsst die Ankömmlinge. "Guten Morgen, gelt, es ist schön hier oben bei uns. Schau, Grossvater, es ist Besuch gekommen." Aber den Alpöhi beschleicht ein ungutes Gefühl. Wenn der Pfarrer und die Dorflehrerin bis zu ihm  heraufkommen, hat das nichts Gutes zu bedeuten. "Heidi, schau doch mal nach dem Käse, man muss wieder einmal umrühren." Der Grossvater möchte wohl nicht, dass Heidi etwas von dem Gespräch mitbekommmt.
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"Heidi bleibt hier, sie kommt nicht ins Dörfli. Schule hin oder her. Das wisst ihr genau, ihr seid vergebens herauf gekommen. Das ist mein letztes Wort." Aber es ist ihm dann doch nicht so wohl in seiner Haut, und er fragt später noch Heidi, ob sie denn ins Dörfli gehen wolle, um in der Schule Lesen und Schreiben zu lernen. "Dann wärst du ja ganz allein hier oben, nein, Grossvater, überhaupt, ich kann ja Rechnen. Das ist besser als Lesen und Schreiben. Um bis auf 10 zu zählen brauche ich keine Schule!"
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Aber der Alpöhi ist sich mit der Zeit immer mehr bewusst, dass er durch seine Abgeschiedenheit vielleicht auch Heidi negativ beeinflusst. Als wieder das jährliche Frühlingsfest im Dörfli stattfindet, fasst er sich ein Herz und sagt zu Heidi: "Weisst du was, mir ist das WASCHWEIBERGETRATSCHE aus dem Dörfli wurscht, ich komme mit dir runter an das Fest." Heidi hüpft vor Freude. "Oh, ja, Grossvater, das ist wundervoll, dann singen wir zusammen beim Runterlaufen, ja?" Sie sind beide voller Fröhlichkeit, aber je näher sie dem Dörfli kommen, desto mehr merkt Heidi, dass sich der Grossvater unwohl fühlt. Er will gerade umkehren, aber man hat sie schon gesehen. "Ja, da schaut her, der Alpöhi!"
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"Heidi, ich muss noch beim Schuster vorbei, der hat seit Jahren ein paar Schuhe von mir in der Reparatur, geh du nur schon vor, sicher findest du den Peter, mit dem hast du es bestimmt lustiger."  Während sich der Alpöhi verdrückt, steht Heidi einen Moment da wie ein Ausstellungsobjekt. Alle gucken sie an, als käme sie von einem fremden Stern. Der Pfarrer und der Singlehrer haben vorhin nämlich gehört, wie der Alpöhi und sein Enkelkind beim Runterstapfen so fröhlich gesungen haben.
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"Möchtest du im Schülerchor mitsingen, Heidi?" fragt Ahuii, der Noten so liebt wie süsse Beeren, die durch die Luft fliegen und durch ihren Tanz alles in Bewegung bringen. "Macht nichts, wenn du keine Schülerin bist, singen kannst du ja offenbar." meint nun auch der Pfarrer und schubst die kleine Heidi in die Reihe der wartenden Schulklässler. "Zuerst singen wir die Schweizer Hymne."  Und auf das Taktzeichen vom Pfarrer und dem ersten Ton von Ahuii erhebt sich der festliche Gesang, der für kurze Zeit sogar die Vögel im Wald verstummen lässt.
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Nachdem der SCHULKINDERGESANG verklungen ist, kommt Loredana, die Schwester vom Bäcker und Frau vom Metzger mit dem grossen Korb. Allen läuft das Wasser im Mund zusammen. Es gibt frische Semmeli und Knackerli. Leider taucht noch etwas anderes auf am Horizont. Es ist die Base Dete, die im Sinn hat, das Heidi nach einem Jahr wieder beim Öhi abzuholen. Sie will sie zu sich nach Frankfurt bringen, wo es das kleine Kind sicher besser hat.
"Ah, hallo Dete, was machst du denn hier?" fragt die blinde Grossmutter vom Geissenpeter. Sie kennt die Dete am Parfüm. "Ich will zum Öhi rauf, das Heidi abholen."
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Als die Base Dete erfahren hat, dass beide, sowohl der Öhi, wie auch das Heidi, gerade hier im Dörfli sind, schnippt sie mit den Fingern und freut sich. "Das ist ja wunderbar, dann kann ich mir die mühselige Kletterei hinauf zur Hütte sparen." Zur gleichen Zeit werden Heidi und Peter mit Würsten und frisch gebackenen Semmeln eingedeckt. "Es gibt nichts Besseres auf der ganzen Welt." schmatzt Peter. Heidi kann nur noch nicken. Sie hat schon beide Backen voll. Niemand ahnt, dass dieser herrliche Tag noch so entscheidend enden wird.
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"Ah, da bist du ja." Dete hat den Öhi etwas abseits von den Festlichkeiten gefunden. "Ich komme, um das Heidi abzuholen. Meine Stelle in Frankfurt ist so sicher, dass ich sie zu mir nehmen kann, du brauchst also nicht mehr für sie zu sorgen." Die Worte treffen den Grossvater bis ins Herz. "Das Heidi bleibt hier, es gehört auf die Alp, hier ist sie glücklich, was soll das Mädchen in der Stadt?" Die Base Dete hat genügend Argumente. "Naja, schliesslich sollte das Kind ja etwas lernen und nicht nur mit den Ziegen herumhüpfen." Aber der Grossvater reagiert verbissen. "Niemand nimmt mir mehr das Heidi weg, verstanden?"
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Nichts ahnend lassen in der Zwischenzeit Heidi und der Geissenpeter auf dem Brunnenrand sitzend ihre Beine baumeln.  "Ich könnte jeden Tag zehn Würste essen, aber am Feuer gebraten sind sie natürlich grad nochmals besser."  schwärmt Peter. "Das könnten wir ja mal auf der Alp machen." lacht Heidi.  "Ja, morgen! Ich schau mal, ob ich noch zwei bekomme von der Lori." Der Geissenpeter saust voller Hoffnung los und ergattert tatsächlich die zwei letzten Knackerli. Das Dörfli ist nicht besonders gross, aber wenn alle gleichzeitig auf den Beinen sind, ist doch ein ziemliches Durcheinander.
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Aber Peter findet plötzlich das Heidi nicht mehr. Sie ist wie vom Erdboden verschluckt. "Die Base Dete war da und hat sie mitgenommen." erfährt er von seiner blinden Grossmuter. Heidi vertraut ihrer Tante, schliesslich sind sie ja verwandt. "Komm mit, wir gehen schnell nach Frankfurt, das ist gleich um die Ecke, da kaufe ich dir etwas Neues zum Anziehen."  Heidi findet zwar, sie brauche nichts Neues. "Kann ich dort auch eine Pfeife für Grossvater kaufen?" "Ja, sicher, alles, was du willst."
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Die Base Dete zieht Heidi etwas gestresst hinter sich her. "Kutsche, ich brauche sofort eine Kutsche zum Bahnhof." schreit sie in die Runde. Heidi schaut nur verwundert. "Aha, dort kann ich dann eine Pfeife für Grossvater kaufen? Aber ich habe ja kein Geld!" "Ich strecke es dir vor, Herzchen, aber jetzt beeil dich."
Die Entführung muss nun schnell vor sich gehen, denn sowohl Peter wie auch der Alpöhi haben gemerkt, dass hier etwas Schreckliches passiert.  "Schnell, Harry, wir dürfen den Abendzug nach Frankfurt nicht verpassen."
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"Heidiiii!" Der Alpöhi rennt kopflos durch das hohe Gras hinter der davonfahrenden Kutsche her. "Die wird er wohl nie mehr sehen."  denken sich die sonntäglichen Festbesucher und haben schon Mitleid mit dem alten Kauz. Die Kutsche rollt und holpert nun mit Höchstgeschwindigkeit zu Tal. "Ich habe dem Grossvater nicht gesagt, dass ich gleich wiederkomme. Er sucht mich jetzt sicher. Wann sind wir dann wieder zurück im Dörfli?" Heidi macht sich nun ernsthaft Sorgen.  
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Aber die Kutsche rollt, und es geht immer weiter ins Tal hinunter. Tante Dete versucht, Heidi zu beruhigen. "Es wird dir gefallen in Frankfurt, da ist alles vom Feinsten, nicht so ein Heustock wir beim Öhi, richtige Daunen und echtes Silber überall." Heidi ist hin- und hergerissen. Einerseits sind die Versprechungen der Tante sehr interessant, anderseits möchte sie hier nicht vom Fleck weg. "Wann sind wir denn wieder zurück?" Heidi hat erkannt, dass die Tante nun alles in der Hand hat und sie nichts mehr machen kann.
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"Aber ich muss doch dem Grossvater sagen, wo ich bin, er macht sich sonst Sorgen." Heidi schaut sehnsüchtig hinauf in die Berge. Aber sie sind nun schon an der Bahnstation, und der Zug pfeift ein. "Es wird dir gefallen in Frankfurt, es hat dort ein Mädchen, das sich sehr auf dich freut. Es heisst Klara und ist gelähmt." Zögernd steigt Heidi in den Zug ein. Aber nun möchte sie doch genau wissen, was es mit dem Mädchen in Frankfurt auf sich hat. Sie lässt sich in ihr Schicksal fallen und reist mit Base Dete nach Frankfurt.
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Die Reise ist lang, Heidi schläft die meiste Zeit, denn der Zug wackelt und rumpelt eintönig, wenn sie zwischendurch aufwacht, lächelt die Tante freundlich und sagt jedes Mal. "Schlaf weiter, wir sind gleich da." Für Heidi ist es wie das Aufwachen aus einem Traum. Doch scheint nun ein Albtraum anzufangen. Als die Base Dete mit Heidi an der Hand bei den Sesemanns durch die Türe kommt, werden sie erst mal angeschnauzt. Heidi reibt sich die Augen. "Vielleicht ist das immer noch der Traum und ich wache jetzt auf."
"Guten Morgen Fräulein Rottenmeier, das ist Heidi."
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"Heidi? Das ist doch kein Name, du musst doch noch irgendwie anders heissen, was bist du nur für ein kleiner  Dreckfratz." Heidi ist im Moment egal, was andere Leute über sie denken, sie muss sich erst einmal um sehen und alles ganz genau angucken. So merkwürdige Sachen hat sie noch nie gesehen. Da hängen ganze Gletscher an der Decke rum, auf dem Boden sieht es aus, als hätte jemand sämtliche Sommerblumen zu Bodenbelag verarbeitet und an den Wänden hängen Rahmen aus denen böse Leute schauen, als hätte man etwas verbrochen.
Klara kann es kaum erwarten, das neue Mädchen kennen zu lernen.
 Heidi weiss von nichts und macht kugelrunde Augen.
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"Klara und Heidi werden sicher bald Freundinnen werden." Die Idee von der Base Dete wäre diese: Klara soll etwas von Heidis Fröhlichkeit übernehmen, andererseits soll Heidi sehen, dass es auch schön ist, Lesen zu können. Aber die Idee wird nicht von allen gut geheissen. Fräulein Rottenmeier, die Hauslehrerin, ist überhaupt nicht begeistert. "Dieser Fratz hat ja keine Manieren, die zeigt ja noch mit dem Finger auf Gegenstände, nein, wirklich so etwas Unkultiviertes habe ich noch nie gesehen, und ich wünsche, dass sie das Balg gleich wieder einpacken und zurückbefördern. Haben sie mich verstanden?"
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Aber Heidi und Klara freunden sich trotz ihrer Unterschiedlichkeit sehr schnell an. Heidi kann nicht glauben, dass Klara weder Stehen noch Gehen können soll. "Vielleicht musst du es einfach probieren, komm, ich zieh dich hoch. Ich bin stark, ich kann sogar einen Zehnliter-Milchkübel auflupfen." Aber Klara sinkt entmutigt zurück in ihren Rollstuhl. "Na schön, dann fahren wir einfach mal ein wenig Rallye durch die Wohnung. Klara, das gelähmte Mädchen, lacht seit vielen Wochen endlich wieder und das fröhliche Gekreische der beiden Gören berührt sogar Fräulein Rottenmeier.
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"Entschuldigen Sie, Herr Sesemann, es geht gerade etwas drunter und drüber. Ihre Tochter Klara hat eine neue Gesellschafterin bekommen und die Zwei sind etwas übermütig. "Herr Sesemann freut sich. "Wo ist meine Klara? Hallo, ich bin wieder da, es tut mir leid, dass ich so oft lange weg bin. Oh, und das?" "Das ist Heidi!" strahlt Klara ihren Vater glücklich an. "Sie kommt aus den Bergen und kennt den Duft von jedem Kraut und die Stimme jedes Vogels, sie darf doch hierbleiben, Papa?"
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Heidi fragt zwischendurch mal die Base Dete, wie es weiter geht. "Du hast gesagt, ich kann hier eine neue Pfeife für Grossvater kaufen. Klara ist ja lieb und ich mag sie auch sehr, aber ich muss doch zu Grossvater zurück." Aber Heidi wird nicht erhört sondern gebraucht. "Ich weiss, dass du nicht lesen kannst, Heidi, aber das ist nicht schlimm, ich zeige dir, wie es geht, und du erzählst mir einfach noch mehr vom Leben auf der Alp." Heidi ist plötzlich wie versteinert. "Die Löwenzahnkugeln da hinten sehen aus wie echt, komm, wir streuen sie draussen vor das Fenster."
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"Das sind nur Attrappen, Heidi, tut mir leid." Immer öfter denkt Heidi an die Alp und den Grossvater. Aber auch an Geissenpeter und die Sonne. Hier in Frankfurt gibt es ja auch viele tolle Sachen. Aber es hat einfach viel zu viel Stein und künstliches Zeug überall. Heidi wird immer unglücklicher, dabei möchte sie ja die Klara in fröhliche Stimmung versetzen. "Vom Kirchturm aus kann man die Berge sehen." Heidi weiss nicht mehr, wer es war, der dies gesagt hat, sie möchte nun einfach auf den Kirchturm hinauf, und die Berge sehen. Völlig unvorbereitet stürzt sie sich in einem unbeobachteten Moment auf die Strasse hinaus. "Wo ist denn Heidi?" fragt man sich.
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Der Frankfurter GROSSSTADTVERKEHR zu dieser Zeit ist doch auch schon ziemlich gefährlich für ein kleines Bärchen aus den Bergen. Heidi hüpft hin und her, überall karren riesige Räder über den Boden. Kaum ein Gräslein, das spriesst. Heidi wird immer sehnsüchtiger und will nun die Kirche finden, wo man vom Glockenturm aus die Berge sehen kann. "Vielleicht kann ich ja dem Grossvater zuwinken und rufen, dass ich bald wieder nach Hause komme." Als Heidi bei der Kirche ankommt, ist natürlich die Türe zum Turm verschlossen.
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Heidi ist so enttäuscht und voller Heimweh, dass sie verzweifelt an die Türe trommelt und "Bitte" ruft, dass es sogar den Kirchenwart aus der Pfarrei hervor lockt. "Ja, wen haben wir denn da? Bist du nicht das kleine Heidi, das jetzt bei den Sesemanns wohnt? Ja, was machst du denn hier?" Heidi hat vom vielen Klopfen beinahe wunde Pfötchen. "Bitte, ich muss hinauf, dorthin, wo man die Berge sehen kann, Grossvater muss wissen, dass es mir gut geht." Der Pfarrer lässt das Heidi durch, schüttelt achselzuckend den Kopf und wartet geduldig ab, was nun passiert.
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"Danke, Herr Pfarrer." Der Weg bis zum Glockenturm ist nicht gerade einfach. Heidi muss viele Treppenstufen hoch. Aus dem anfänglichen Rennen wird langsam ein Schleppen. Immer, wenn sie denkt, jetzt ist sie oben, geht es noch einmal ein langes Stück weiter hinauf.  Aber sie ist so voller Vorfreude, endlich die Berge wieder zu sehen, dass ihr auch das steilste Stück nichts mehr ausmacht, und dann  -  ist sie oben.
Heidi begreift nun endlich, wie weit sie von ihrer Heimat entfert ist und fällt nun in ein noch tieferes Loch. Der Pfarrer begleitet das Kind nach Hause zu den Sesemanns, aber Heidi ist nun nicht mehr das selbe fröhliche Mädchen wie vorher. Sie hat unendliches Heimweh.
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Aber in der nächsten Folge wird es wieder fröhlich und es gibt sogar ein Happy End. Bis nächsten Dienstag.


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