Garten- und Blumenkolumne, Pflanzenexperte und Ratgeber
präsentiert von Grünling, unserem Fachmann
Pilze

Jahr
Monat
Monat
Monat
Monat
Monat
Monat
Monat
Monat

Gartenecke: Oktober 2021




 
 Herbst-Drehwurz (Spiranthes spiralis)
12. Oktober 2021: Wer mich kennt, weiss meine Liebe zu wildwachsenden Orichdeen. Klepf, Ecki und Mökmök riefen lauthals nach mir, als sie gerade auf unserer Strasse unterwegs waren. Sie hatten doch tatsächlich, und das im Oktober, winzig kleine sprialförmige Pflänzchen entdeckt. Eine Sensation. Dabei handelt es sich nämlich um die Herbst-Drehwurz (Spiranthes spiralis), einer mittlerweile sehr selten gewordenen Orchideenart. Im Volksmund auch Drehähre, Schraubenstendel oder Herbst-Wendlähre genannt.
bild
bild
bild
bild
Wegen ihrer besonderen Ansprüche ist sie sehr selten geworden und steht unter strengem Naturschutz und ist auf der roten Liste. Ursprünglich kommt sie aus dem Mittelmeergebiet. Erst 7'000 bis 4'000 vor Chr., als der Mensch sesshaft wurde, und mit Ackerbau und Viehzucht begann, konnte sich diese Pflanze gegen Norden hin ausbreiten. Nun muss man aber wissen, dass diese Orchidee abhängig von der regelmässigen Beweidung von Schafen abhängig ist. Wird diese aufgegeben wird diese Orchidee schnell von anderen grünen Pflanzen überwuchert und bekommt zu wenig Licht für die Photosynthese. Verweilen die Schafe zur Blütezeit zu lange an dem Standort, werden sie entweder abgefressen oder niedergetrampelt. Ein rasches Durchziehen der Herde sorgt so für die Erhaltung der Art, damit sich die Samen ausbreiten können. In der heutigen Zeit ein schwieriges Unterfangen. Bei uns in Gugellandia übernimmt diese Arbeit im Frühling der Rasenmäher, damit sie nicht überwuchert werden.
bild
bild
bild
bild
Um darauf hinzuweisen, dass diese vom Aussterben bedrohte Art geschützt werden muss, wurde diese Pflanze zur Orchidee des Jahres 2001 erklärt. Ebenso wurde die Sommer-Drehwurz (ähnlich im Aussehen, blühend im Juli und August, mit schmalen dreizähnigen glockigen bis röhrigen Blüten, aber eine echte Sumpfflanze mit ganzjährig feuchtem Boden) zur Orchidee des Jahres 2016 gewählt. Die Herbst-Drehwurz ist im Mittelmeerraum und in der Schweiz nur bis zu einer Höhenlage von 800 Metern Meereshöhe anzutreffen. In Deutschland bis 1'160 Metern, und in Österreich bis 1'640 Metern. Aber vielerorts ist sie leider ganz ausgestorben.
bild
bild
bild
bild
Der Blütenstand wird 5 - 30 cm hoch. Die Pflanze hat zwei "Rüben" (ähnlich eines Zwiebelgewächses), welche ohne weitere Wurzeln das Wasser aufnehmen. Diese Orchidee wächst auf kalkarmen trockenen Lehmboden und besiedelt Trockenrasen, sofern diese von Schafen beweidet werden. Beim Einziehen der Pflanze im Herbst werden zwei bis drei neue Rüben gebildet und die alten sterben langsam ab. Zwischen Juli und August beginnt der Blütenstängel zu wachsen. Während der Blütezeit bilden sich im unteren Teil zwei bis fünf kleine glänzende Laubblätter. Diese überdauern den Winter und aus der Mitte der im Frühling nicht mehr vorhandenen Blattrosetten bildet sich der neue Blütenstängel.
bild
bild
bild
bild
Die Blütenstängel sind stark behaart und spiralförmig gedreht. Die Bestäubung wird wegen des Nektars von Hummeln, welche an den spiralartigen Blütenständen von unten nach oben krabbeln, vorgenommen. Die Blüten strömen einen vanilleartigen Duft aus. Ein sehr interessantes Pflänzchen, das zu dieser späten Jahreszeit blüht. Euer Grünling


 
 Philodendron (Philodendreae)
06. Oktober 2021: Alles erstes möchte ich Euch meine diesjährige Kürbisernte nicht vorenthalten. Heute dreht sich aber alles um den Philodendron (Philodendreae). Eine äusserst pflegeleichte Pflanze mit wenig Anspüchen und bestens geeignet als Zimmerpflanze.
bild
bild
bild
bild
Der Philodendron wird auch Baumfreund oder Baumlieb genannt. In ihrer Heimat werden sie über 6 Meter lang und ranken sich mit ihren Luftwurzeln an den Baumstämmen hoch. Selbst als Zimmerpflanze wird der Philodendron weit über 10 Jahre alt und 3 Meter lang. Über 400 Verschiedene, manche Autoren reden sogar von  über mehr als 700 Arten, gibt es davon. Beheimatet sind sie in den Regenwäldern von Florida, Mexiko, Zentralamerika, auf den kanarischen Inseln bis hin zum tropischen Südamerika. Sie gehören zur Ordnung der Froschlöffelartigen innerhalb der Familie der Aronstabgewächse.
bild
bild
bild
bild
Man unterscheidet zwischen aufrecht wachsenden und kletterartigen Arten. Die ledrig glänzenden Laubblätter weisen je nach Art die verschiedensten Formen auf. Da gibt es fiederartige, fiederspaltige, eiförmige, längliche, herz-, pfeil- und speerförmige, ganzrandig oder gesägte, auch mit Lörchern in den Blattmitten, saftig grüne, dunkelfarbige als auch rötliche Arten. Auch von den Blüten gibt es verschiedene Farbtöne, von weiss, ocker, hell-, bis zu dunkelrot.
bild
bild
bild
bild
Interessant bei der Blüte ist auch, dass sie eine höhere Temperatur als die der Aussentemperatur erzeugen. Ein Beispiel liefert uns der Philodendron bipinnatifidum, der bei 4 Grad in der geschlossenen Blütenstaude 38 Grad aufweist.  Die Blüten selber riechen aasartig und locken Insekten zur Bestäubung an. Die Früchte sind grün und gurkenähnlich, und schmecken bananenartig. Bei Verzehr wird sich allerdings ein starkes Unwohlsein bemerkbar machen. Giftig ist die ganze Pflanze, Kontakt mit dem Milchsaft können Hautreizungen auftreten. Achtung: Katzen knabbern gerne an Blättern rum, auch ihnen wird schnell schlecht davon.
bild
bild
bild
Die Pflanzen bilden Luftwurzeln, die man aber nicht wegschneiden sollte, da sie wichtige Nährstoffe aus der Luft und Feuchtigkeit aufnehmen. Ein Kürzen der Luftwurzeln führt dazu, dass noch mehr davon gebildet werden. Die Pflanze will einen schattigen bis halbschattigen Standort, Sonne mag sie überhaupt nicht. Auch in einem dunklen Ecken, zum Beispiel im Badezimmer gedeiht sie prächtig. Ab und an sollte sie besprüht werden, und ein Finger-, Pfotendruck auf die Erde gibt Aufschluss, ob genügend Feuchtigkeit vorhanden ist, aber Staunässe verträgt sie nicht. Idealtemperatur ist zimmergerecht 18 bis 24 Grad. Die Vermehrung erfolgt im Frühjahr. Dazu wird eine Triebspitze abgeschnitten und in Anzuchterde mit Klarisichtfolie überdeckt gesteckt . Durch Samen ist es natürlich ebenfalls möglich. Übrigens ist der Philodendron, ähnlich wie die Efeutute, luftreinigend und nimmt Gift oder Schadstoffe auf. Eine aussergewöhlich robuste Pflanze. Euer Grünling


Geh zur Legende
Zurück zur Titelseite (Home)