Garten- und Blumenkolumne, Pflanzenexperte und Ratgeber
präsentiert von Grünling, unserem Fachmann
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Gartenecke: Mai 2022




 
 Kornrade (agrostemma githago)
18. Mai 2022: Beim Einzug einer Quokka-Dame aus Australien konnte ich meine Begeisterung für schöne Blumen hier in Gugellandia teilen. Und Quendi ist ja so wissbegierig. Es handelt sich hierbei um die Kornrade (Agrostemma githago). Trivialnamen sind Ackerrade, Ackerkrone, Hornnelke, Kornrose, Pisspötken, Rede oder Höllenkorn. Die Konrade gehört zur Familie der Nelkengewächse, und ist ursprünglich im Mittelmeerraum beheimatet. Aber auch in den gemässigten Zonen Asiens, in Nordafrika, in Süd- und Mittelamerika, sowie in Australien.
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Die Kornrade ist ein gefürchtetes Unkraut, aber wegen der Giftigkeit im modernen Ackerbau mit der Saatgutreinigung nur noch selten anzutreffen. Bis in den 1960 Jahren war das Giftunkraut überall in den Feldern anzutreffen. Denn alles an dieser Pflanze ist hochgiftig, besonders die Samen, wo bereits 3-5 Gramm zu schweren Vergiftungserscheinungen führen. Im Mittelalter kam es zu Massenvergiftungen durch verunreinigtes Getreide, das zur Ernte durch die Samen hineingeraten war.  Mittlerweile steht diese Pflanze auf der roten Liste ist und vom Aussterben bedroht. 2003 wurde sie zur Pflanze des Jahres gewählt.
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Hier in Gugellandia hat sie es aber schön, und wir können uns ihrerer Blüten bis in den August hinein erfreuen. Die einjährige Konrade wird bis zu einem Meter hoch. An ihren aufrechten Stängeln mit verzweigten Seitentrieben bildet sie laufend neue Blütenköpfe. Erstaunlich ist auch die spindelförmige Pfahlwurzel, die bis zu einem Meter tief in die Erde reicht. Ideal ist stickstoff-salzhaltiger trockener Boden. Blütenökologisch handelt es sich im übrigen um eine "Stielblätterblume".
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Im unteren Bereich sind lanzettlich spitze gegenseitige Laubblätter anzutreffen. Die Blüten haben anfänglich bis zu 4 cm lange Kelchzipfel, die fünfzählige Blüte selber erstrahlt in einem purpurvioletten bis rosafarbenen Ton mit innliegenden  Längsstreifen. Bestäubt werden sie von Tagfaltern und die Früchte reifen von Juli - Sept. Es werden sogenannte Kapselfrüchte, vergleichbar mit denen der Mohnblume, gebildet. Sie enthalten viele schwarze mit spitze Warzen ausgestattete Samen. Die Verbreitung ist wesentlich von den Menschen abhängig, weil sie beim Dreschen freigestzt werden.
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In früheren Zeiten wurden Kränze damit gebunden. Sie sollten verhindern, dass unreifes Obst von den Bäumen fällt. Auf  dem Kopf getragen sollte es böse Absichten von Mitmenschen erkennen lassen. Anspruchslos und pflegeleicht wird die Kornrade heutzutage durch Samenhandel angeboten und erfreut so manchen Bauerngarten. Für Pflanzenschutz ist das Gift für Schädlingsbekämpfung von grossem Interesse. Es wird daran geforscht.Für uns eine wunderschöne Bereicherung in der gugelländischen Pflanzenwelt. Euer Grünling.

 
 Strahlen-Breitsame (Orlaya grandiflora)
11. Mai 2022: "Grünling, Grünling, Du musst unbedingt kommen, Mama und Papa haben mich losgeschickt, um Dich zu holen. Sie haben eine schöne weisse Blume entdeckt und warten auf Dich." Tatsächlich, es handelt sich um einen Strahlen-Breitsame (Orlaya grandiflora). Was heisst hier einen, durch weitere Streifzüge konnten wir dann mehrere ihrer Art an verschiedenen Orten entdecken. Trivialnamen sind Ackerklette, Ackerleus, Klettenkörtel.
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Sie gehören zur Gattung der Strahlendolder innerhalb der Familie der Doldenblütler. Ursprünglich kommen sie aus dem Mittelmeerraum und wurden durch den Menschen zur Bronzezeit ins zentrale Mitteleuropa gebracht. Hauptsächlich durch die Römer wurden sie durch Ackerbau und Viehzucht importiert. In den vergangenen Jahrhunderten war der Strahlen-Breitsame häufig auf Äckern, in Weinbergen, auf Trockenwiesen und auf kalkhaltigen Böden weit verbreitet.
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Heutzutage aber ist das Vorkommen in Deutschland vielfach erloschen, in Österrreich vom Aussterben bedroht und deshalb wildwachsend geschützt und auf der roten Liste. In vielen Gärten aber ist er dank Samenbepflanzung wieder vermehrt zu sehen. Man muss aber wissen, dass diese einjährige Pflanze einen tiefgründigen, kalkhaltigen, humusarmen, steinigen Tonboden bevorzugt. Ein trockener warmer Standort mit viel Licht und Sonne wird ebenfalls benötigt. Die tiefreichende spiralförmige schlank verzweigte braune Pfahlwurzel reicht bis zu 70 cm in den Boden.
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Die Blätter sind wechselständig und fein gefiedert. Beim Reiben der Blätter erinnert der Geruch an die wilde Möhre. Die Blütezeit ist von Mai bis Juli. Die Beschreibung der weissen, bisweilen zartrosanen Blüten ist nicht ganz einfach. Die zwittrigen Blüten, die am Rand der grossen Dolden stehen, bilden nach aussen hin je einen Stand verzweigter Blütenstände. Durch diese strahlenförmig angeordneten Blütenblätter entsteht von weiten der Eindruck, dass es sich um eine grosse Blüte handelt. Deshalb wird der Strahlen-Breitsame auch von zahlreichen Insekten, wie Fliegen, Bienen, Wespen, Wanzen und Käfern angeflogen und bestäubt.
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Nach der Blütezeit, im August bis in den Oktober, werden Doppelachären gebildet, die mit Stacheln besetzt sind. Sie dienen zur Weiterverbereitung, wenn sie vorbeiziehenden Tieren am Fell hängen bleiben und so ihre Samen in andere Gebiete verteilen. Die Vermehrung erfolgt ausschliesslich durch Samen, die im übrigen Warmkeimer sind. Ein sehr interessantes Pflänzchen, das nun auch in Gugellandia eine Heimat gefunden hat. Euer Grünling.


 
 Büschelblume (Phacelia tanacetifolia)
04. Mai 2022: Was sehen meine entzückten Augen. In einer von letztjährig gesäten Blumenwiese am Rande einer Steinmauer hat sich eine Büschelblume breit gemacht. Auffällig sind ihre bezaubernd schönen blau-violetten Blütenköpfe, die nicht zu übersehen sind. Die Büschelblume (Phacelia tanavetifolia), auch Rainfarnblättiges Büschelschön genannt, mit ihren Trivialnamen "Bienenweide, Bienenfreund oder Büschelschön" gehört zur Unterfamilie der Wasserblattgewächse in der Familie der Raublattgewächse. Über 150 verschiedene Arten gibt es übrigens von der Familie der Phacelia, manche auch weissblühend oder in anderer Form.
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Dieses Pfänzchen kann über 120 cm hoch werden und blüht den ganzen Sommer bis in den Herbst hinein. Bei uns ein wenig früher. Ursprüngliche Heimat ist das westliche Nordamerika, die östliche USA und Südamerika. Die Büschelblume bevorzugt dort die trockenen Höhenlagen Kaliforniens, Arizonas und Mexikos bis 2000 Meter. Im unteren Teil sind wechselständige gefiederte spiral angeordnete behaarte Laubblätter. Die endständigen Blütenstände sind fünfzählig mit doppelten Blütenblättern und langen blau-violetten Staubfäden ausgestattet.
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Die sich nach der Blüte gebildeten Kaspelfüchte sind zweifächrig, behaart, springen leicht auf und entlassen so die sehr leichten apfelsinenähnlichen Samen (Dunkelkeimer), welche eine warzige Oberfläche haben. Die Pflanze ist trockenheitsverträglich, kalktolerant aber nicht winterfest. Seit Anfang des 19. Jhd. wird die Büschelblume in unseren Breitengraden auch als Zierpflanze kultiviert. Heutzutage wird sie in Mitteleuropa als Bienenweide für Honigbienen angesät, da sie eine ertragsreiche "Bienentrachtpflanze" ist. Sie produziert innerhalb von 24 Std. Nektar mit einem Zuckergehalt von 1 mg. Das ergibt einen Ertrag von 500 kg Honig je Hektare und Blühsaison.
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Die Büschelblume hat ein dichtes Wurzelsystem, was einerseits den Boden auflockert, und durch ihre feingefiederten Blätter bei der Verrottung zu einer erheblichen Bodenbeschaffung, also einem sehr guten Humusgehalt sorgt. Sie wird auch gerne vor Blühbeginn als leichtverdauliches Futtermittel genutzt. Für alle Allergiker sei noch gesagt, dass die Pflanze hautreizende Wirkstoffe enthält. Also nur ansehen, und nicht unbedingt anfassen. Die Vermehrung erfolgt durch Samen, aber auch durch Stecklinge. Wir freuen uns einen, so lieben Zeitgenossen hier in Gugelandia zu haben.
Euer Grünling


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